Angebot

Derzeit wird fast täglich über die Banken geschimpft, dass sie den Wirtschaftsaufschwung bremsen würden. Der Grund soll sein, daß sie den Unternehmen und Haushalten keine Kredite zukommen lassen. Das ist Unfug.


Die wichtigen Fragen lauten: Vergibt eine Bank einen Kredit…

  • wenn das Risiko groß ist, dass sie das Geld nicht wieder zurückbekommt? – Sicherlich nicht.


  • wenn die Aussichten für die nächsten Jahre schlecht sind und weitere Unternehmenspleiten zu erwarten sind? – Dann bestimmt auch nicht.


In diesem Zusammenhang ist die aktuelle Diskussion, daß Banken mehr Kredite zur Verfügung stellen sollen, absurd.

Zunächst zur Funktionsweise der Europäischen Zentralbank (EZB)
Im Rahmen ihrer Hauptfinanzierungsgeschäfte stellt die EZB den Partnerbanken für einen kurzen Zeitraum von einer Woche das Geld für derzeit 1% Zinsen zur Verfügung. Es dient der kurzfristigen Kapitalbeschaffung der Finanzinstitiute.


Eine Bank, die das Geld von der EZB in Anspruch nimmt, reicht das Geld also nicht direkt weiter an den Kunden. Sie vergibt einen Kredit über Jahre an Unternehmen. Das bedeutet, die Bank trägt das Risiko für einen längeren Zeitraum. Die EZB leiht Geld aber nur kurzfristig. Sie steht hier lediglich als Schutzschirm und würde im Falle eines Liquiditätsengpasses den Partnerbanken Geld zur Verfügung stellen. Somit gibt es keinen direkten Zusammenhang zwischen der langfristigen Kreditvergabe der Bank und der kurzfristigen Bereitstellung von Kapital der EZB.


Die Partnerbanken müssen durch ihr eigenes Geschäft in der Lage sein, Kapital zu erwirtschaften und Kredite zu vergeben.


Die EZB verfolgt mit ihrer Zinspolitik hier eine Signalfunktion bezüglich des geldpolitischen Kurses. Credo: „seht her, wir helfen euch, wenn ihr einen Liquididätsengpass habt, ihr könnt Kredite vergeben“.


Die Aussichten sind schlecht:
Keine Bank wird einen Kredit an Unternehmen vergeben, wenn die Aussichten, das verliehene Geld wieder zurück zu bekommen, gering sind. Die Wirtschaft liegt am Boden und die viel schmerzlichere Phase mit stark steigenden Arbeitslosenzahlen wird erst noch kommen, das wissen die Banken. Die Krise ist erst am Anfang, deshalb behalten sie ihr Geld.


Wie verhält sich die Politik?
Die Politik wird nicht müde zu betonen, dass Banken den Unternehmen helfen mögen, damit die Wirtschaft in Gang kommt. Egal ob Finanzminister, Wirtschaftsminister oder sogar der Bundespräsident – alle blasen ins gleiche Horn.
Die Banken würden billiges Geld bekommen und dieses nicht an die Unternehmen weitergeben.


Die Krise, die wir derzeit erleben, ist unter anderem deshalb zu Stande gekommen, weil Kredite zu freigiebig vergeben wurden. Die Politik fordert nun scheinbar das Gleiche zu wiederholen, deshalb ist die Forderung der Politik unsinnig.


Die Banken sind keine soziale Hilfsstelle – sondern machen Gechäfte. Und diese nur, wenn die Aussicht auf Profit gegeben ist. Im Moment ist es sicherer, das Geld zu behalten, als ein Risiko einzugehen. Hinzu kommt, daß in der Krise die Vergabe von Krediten automastich geringer ist und deshalb mit den Kreditvergabezahlen vom Aufschwung nicht mithalten kann.


Es zeigt sich wieder einmal, wie wenig die Politik von Wirtschaft versteht. Auch die einfachsten Grundkenntnisse ökonomischen Handelns sind nicht bekannt.


Die Unternehmen sind selbst schuld.
Ein Finanzinstitut wird nur Geld vergeben, wenn der Kreditnehmer auch kreditwürdig ist. Bei vielen Unternehmen und Haushalten ist dem zur Zeit nicht so. Auch wenn die Unternehmen klagen, daß sie schwer an neue Kredite kommen – die Unternehmen sind selbst schuld. Würden sie ihre Geschäfte auf Eigenkapitalbasis machen, dann müssten sie sich nicht als Bittsteller bei den Banken einreihen.


Aber nein, alles wird auf Kredit bezahlt. Die Waren werden auf Kredit gekauft, die Maschinen werden auf Kredit gekauft, Investitionen werden auf Kredit getätigt, alles ist auf Kreditbasis. Und nun läuft das Geschäft nicht mehr. Die Einnahmen brechen weg, aber die Zinslast drückt weiter. Anstatt endlich mal zu sparen wird nach mehr Kredit gerufen, um die Lücken zu schließen. Dieser Weg ist falsch.


Das Problem sind nicht die Banken, das Problem sind die Unternehmen. Genauer gesagt die Überkapazitäten. Diese sind während der Aufschwungphase in den letzten Jahren aufgebaut worden. Überall stehen nun Fabriken und Maschinenanlagen, welche viel Geld kosten, sich aber nicht mehr rentieren. Die Überkapazitäten müssen abgebaut werden. Nur dann kann sich ein Unternehmen gesund schrumpfen.


Beispiel Autoindustrie:
Allein in Europa gibt es Kapazitäten für die Produktion von ca. 19 Millionen Autos pro Jahr. Wer soll so viele Autos kaufen? Die letzten Jahre wurden Autos verkauft, weil der Kredit gleich mitverkauft wurde. Die Menschen konnten sich eigentlich gar keine neuen Autos leisten. Aber mit geringen monatlichen Raten konnte man doch einen Neuwagen fahren. Das geht nun in der Krise nicht mehr.


Um die Kapazitäten zu reduzieren, muss es unter anderem auch zu Unternehmensschließungen kommen. Doch das wird bisher verhindert. Ebenso ist die Einführung der Abwrackprämie ein falsches Signal. Hier werden wieder Aufträge vorgegaukelt, obwohl es sie unter normalen Bedingungen nicht gegeben hätte. Es wird wieder heile Welt gelebt, obwohl das Ende schmerzhaft sein wird. Im Folgejahr werden die Überkapazitäten wieder drücken und die Kosten überhand nehmen. Das Problem der Wirtschaft wird nur verschoben – nicht gelöst.


Die Unternehmen werden auch weiterhin keinen Kredit bekommen, da die Aussichten auf Rückzahlung noch aussichtloser werden. Somit greift die Finanzindustrie nur dem vorweg, was der Gesellschaft noch bevor steht. Eine schmerzliche Phase des sich gesund schrumpfens.


Von Kreditklemme kann keine Rede sein. Heute bekommen kreditwürdige Haushalte und Unternehmen ohne Probleme Kredit. Das soll nicht vergessen werden. Trotz aller Polemik der Politik. Wer gesund aufgestellt ist und auch ein Konzept hat, wie er seinen Kredit zurückzahlen kann, bekommt auch einen.


Mit freundlichen Grüßen

Ihr
start-trading Team

Share This