Indikatoren-Trading

Es tut schon in der Seele weh, wenn man die derzeitige Situation betrachtet. Manager, welche Unternehmen in die Pleite geführt haben, bekommen weiterhin Gehalt. Führungspersonen lassen sich mit riesigen Abfindungen das Leben versüßen. Dreist wird weiter für Bonuszahlungen und die eigene Unschuld gekämpft, als wäre man selbst das Opfer und nicht Täter.

Sehen Sie sich zum Beispiel den Fall Zumwinkel an. Auf der CD, welche den Steuerbehörden zugespielt worden war, sollten tausend Adressen von Steuerhinterziehern gewesen sein – aber wo sind diese? Außer von Zumwinkel hat man nichts gehört. Wo sind die anderen Steuerhinterzieher? Der Ex-Postchef hat Steuern hinterzogen und hätte eigentlich unter Recht und Gesetz eine Freiheitsstrafe absitzen müssen. Stattdessen hat man Unterlagen zu spät eingereicht, Fristen verpasst und plötzlich konnte der Angeklagte mit einer Bewährungsstrafe und einer Zahlung von 1,2 Millionen davonkommen. Wie lächerlich diese Strafe ist zeigt sich an den Dimensionen. Bei einem Vermögen von 13,5 Millionen Euro sind 1,2 Millionen nichts. Um in den Dimensionen des Normalbürgers zu denken bedeutet das, wenn Sie 3000 Euro auf der Bank haben sind Sie mit einer Zahlung von 230 Euro fein raus. Das ist verkehrte Welt.

Verkehrt ist auch die Welt bei der HRE Hypo Real Estate. Da ist ein Unternehmen pleite und hat kein Geld. Es bekam schon 102 Milliarden vom Staat (und somit vom Steuerzahler) und braucht dringend noch einmal 10 Milliarden. Da hofft man doch an das berühmte Ende mit Schrecken als die immerwährenden endlosen Hilfen an dieses Pleiteunternehmen. Und was macht der ehemalige Vorstandsvorsitzende Georg Funke? Er verklagt seinen ehemaligen Arbeitgeber HRE auf Weiterzahlung seines Gehalts bis zum vertragsmäßigen Ende 2013. Das sind ca. 3,5 Millionen Euro. Sie haben richtig verstanden: derjenige, der die Pleite des Unternehmens zu verantworten hat, möchte nun Geld vom Steuerzahler. Was an Dreistigkeit nicht zu überbieten ist, wird in den Medien nur als Meldung auf der dritten Seite geführt. Traurig, dass ein gerechter Umgang mit solchen Personen nicht diskutiert wird. Was bleibt, ist der normale Bürger, welcher die Führungsriege der Unternehmen weiter unwillentlich finanzieren muss. Das ist verkehrte Welt.

Und die Beispiele häufen sich. Nachrichten über teure Wochenenden von Bankern, welche sich kurz zuvor vom Staat haben retten lassen sind keine Seltenheit. Auch ist es die Regel, dass Gelder zur Rettung des Unternehmens in Anspruch genommen werden um dann das Geld an die Aktionäre in Form von Dividendenzahlung auszuschütten. Auch das ist verkehrte Welt.

Dividende bedeutet, die Aktionäre am Unternehmenserfolg teilhaben zu lassen. Es gibt aber kein Unternehmenserfolg sondern nur eine geradeso abgewendete Firmenpleite. Und trotzdem werden Dividenden gezahlt, und damit die Gelder der Bevölkerung an die Kapitalgeber umverteilt.

Wieso ist die Gesellschaft der Führungspersönlichkeiten so verkommen? Es gibt keinen Sinn für Gerechtigkeit mehr. Kein Gefühl für das richtige Maß. Es gilt nur, seine eigene Machtposition zu festigen und den Aktionären zum sogenannten Shareholder Value zu verhelfen, koste es was es wolle. Es kostet die Mitarbeiter den Job, dem Gesamtunternehmen Marktanteile und nicht zu letzt kostet es auch die Existenz der Firma.

Die Immobilien- und Finanzkrise ist nun mehr als ein Jahr alt, kennen Sie jemanden, der die Verantwortung für sein Handeln übernehmen musste? Damit ist nicht ein kleiner Sündenbock gemeint, sondern dass die ganze Führungsriege, die das Unglück zu verantworten hat, vor Gericht gezogen wurde. Wer stellt die Frage, wo die ganzen Kundengelder sind?

Verkehrte Welt auch bei eben diesen Kundengeldern. Viele Menschen haben durch die dubiosen Produkte der Finanzunternehmen Geld verloren. Besonders die Investments auf die Lehmann Zertifikate stechen hier ins Auge. Die Bankberater haben hier flächendeckend die Anweisungen gehabt, bestimmte Produkte zu verkaufen auch wenn sie nicht dem Risikowunsch des Kunden entsprochen haben. Als zusätzlicher Anreiz wurde der Bonus der Bankmitarbeiter an den verkauften Produkten bemessen, das bedeutet: Hauptsache viel verkaufen. Die zumeist älteren Anleger wurden durch "andrehen" von Risikoprodukten um ihre Anlagen gebracht. Aber was passiert in den Medien? Anstatt die Bankmethoden und die Unternehmen an den Pranger zu stellen wird mit dem Finger auf die Anleger gezeigt. Man hört von "selbst Schuld" oder von "sollen sie doch nicht investieren". Dies ist verkehrte Welt. Die Medien beschuldigen die Falschen.

Unter diesen Umständen kann es nicht zu einer Veränderung kommen. Die Banken werden sich nicht ändern, warum auch? Die Bank kann nach den Hilfeleistungen weiterhin bestehen bleiben, die meisten Arbeitsplätze auch. Es gibt Berichte, wonach die Banken trotz "Fastpleite" immer noch die gleichen Maschen verfolgen wie vor der Krise. Es muss wehtun, damit es zu Veränderungen kommen kann. Diese schmerzvolle Erfahrung steht noch aus.

Die verkehrte Welt ist nicht nur in der Finanzkrise wiederzufinden, sondern auch in der Gesellschaft und auch in der Politik. Verkehrt ist, dass die Politik zum Schutze der Umwelt nach kleineren Pkws ruft und selbst sich mit Großraumlimousinen kutschieren lässt. Wie hieß es schon im Mittelalter: "Wasser predigen – Wein trinken". Staaten bilden keine Ausnahme. Die USA verkündet seit jeher Frieden für alle – doch in fast allen Kriegen mischen sie mit. Auch das ist verkehrte Welt.

Die Gemeinschaft hat wichtige Werte einfach vergessen. Anstand, Moral, Gewissen alles sind nur noch Fremdworte. Es geht nur um Profite, um mehr Profite und um das schnelle Geld. Diese Denkweise kann nur wieder gerade gerückt werden, wenn es die Beteiligten im eigenen Portemonnaie treffen würde. Solange der Staat die Feuerwehr spielt und den Unternehmen weiter zu Hilfe eilt, wird sich die Welt weiter verkehrt drehen.

Ein ganz aktuelles Beispiel: das Pleiteunternehmen AIG hat letztes Jahr mit seiner Finanzmarkt Abteilung einen Rekordverlust von 40,5 Milliarden Dollar eingefahren. Nur durch die Hilfe der US Regierung konnte ein Konkurs abgewendet werden. Trotzdem plant das Unternehmen derzeit, seinen Managern aus jener Finanzmarkabteilung Bonuszahlungen in Höhe von 450 Millionen Dollar auszuschütten.

Was sind dagegen die 1,30 Euro der Kassiererin, die ihren Platz räumen musste?

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr
start-trading Team

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