Indikatoren-Trading

Die VW Aktie war das Gesprächsthema diese Woche (KW44). Was war geschehen?

Um zu verstehen, warum die Aktie einen so rasanten Anstieg hingelegt hat, muss man verstehen, wie die Anlage in LONG und SHORT funktioniert.

LONG: Der Anleger will von steigenden Kursen profitieren. Er glaubt, es ist Potential in einem Wert, kauft deshalb Aktien und will sie nach einer Kurssteigerung wieder verkaufen.

SHORT (Leerverkauf): Der Anleger will von fallenden Kursen profitieren. Er glaubt, die Aktie des jeweiligen Unternehmens ist zu hoch bewertet. Der Investor leiht sich Aktien aus dem Bestand eines z.B. Fonds, verkauft diese am Markt, um dann die Aktien später günstiger wieder einzukaufen. Nach getätigtem Geschäft gibt der Anleger dem leihenden Unternehmen seine Aktien zurück, plus eine Gebühr. Die Differenz zwischen dem Verkaufskurs und dem Kaufkurs kann er als Profit behalten.

 

 

DER UNTERSCHIED: Der Anleger, der auf steigende Kurse setzt, riskiert maximal 100% seines Einsatzes. Geht das Investment nicht auf und die VW Aktie fällt auf NULL Euro, dann bleibt vom Kapital nichts mehr übrig. Verloren ist das Geld, das man für den Kauf der Aktien investiert hatte.

Nun zum anderen Anleger, welcher auf fallende Kurse setzt. Fällt der Kurs nicht, wie im Falle VW, sondern steigt weiter, dann kann der theoretische Verlust des Investors unendlich sein. Man weiss also nicht, wie hoch der Verlust sein wird. Wartet man zu lange mit dem Rückkauf der Aktien, kann schnell ein enormer Verlust angehäuft werden.

Wir fassen zusammen: der Anleger auf steigende Kurse verliert maximal 100% seines Einsatzes, der Anleger auf fallende Kurse kann unendlich verlieren, das ist der wesentliche Unterschied. Zurück zur VW Aktie. Was war geschehen?

Das Unternehmen Porsche möchte seine Anteile an dem Unternehmen VW aufstocken. Bis zum Sonntag war der Porsche Anteil bei 42,6%. Im Laufe des Sonntags vermeldete der Sportwagenhersteller, dass er durch Optionen zusätzlich 31,5% der Anteile gesichert hat. Zur Information: die Aufstockung der Anteile durch Optionen unterliegt nicht der Meldepflicht. In der Summe besitzt Porsche nun 74,1% der VW Aktien. Hinzu kommen die 20,2% der VW Aktien, die dem Land Niedersachsen gehören.

Also sind 94,3% der VW Aktien in festem Bestand. Im freien Handel sind nur noch 5,7%. Diese Zahl ist deshalb wichtig, weil es Informationen zufolge etwa 15% der VW Aktien leer verkauft worden seien.

Sie können nun eins und ein zusammenzählen. Es gibt nur 5,7% der Aktien, aber ca. 15% müssen wieder gekauft und zurückgegeben werden. In der Schultheorie heisst das: die Nachfrage ist größer als das Angebot – der Preis steigt. In der Theorie kann man aber auch die Finger davon lassen, wenn der Preis zu hoch ist. Bei den Shortsellern nicht. Denn diese müssen die geliehenen Aktien zurückgeben – koste es was es wolle.

Gleichzeitig ist die Sorge im Nacken, dass jeder Moment, den man zu lange wartet, den Verlust drastisch erhöhen können. Genau diese Angst zeigt der Kursverlauf der VW Aktie diese Woche (KW44). Nachdem die VW Aktie letzte Woche (KW43) bei 210€ geschlossen hatte, eröffnete Sie am Montag bei 350€. Dann nahm das Elend seinen Lauf. Am Ende des Montags war der VW Kurs bei 520€ angelangt und im Laufe des Dienstags erreichte er ein Tageshoch bei 1005 €.

Bedenken Sie, es geht hier nicht um Aktienanlage. Es geht um blanke Angst. Es war der Sprung nach den letzten Rettungsringen beim Sinken des Schiffs. Jeder weiss, es gibt zu wenige Rettungsringe für alle Passagiere. Also gibt man alles, um sich noch eines der begehrten Objekte zu sichern. Wenn Shortseller in solch eine Notsituation geraten, spricht man von einem Shortsqueeze.

Fühlen Sie sich an die Neuer Markt Zeit erinnert? Dieser Eindruck trügt. Es ist einmalig, dass ein DAX Unternehmen zum Spielball von Investoren wird. Die mangelnden Kontrollfunktionen führten dazu, das VW zwischenzeitlich das teuerste Unternehmen der Welt war. Das Geschacher um mikrige 5,7% der VW Aktien hat der deutschen Aktienkultur geschadet – der Börsenplatz Deutschland hat ein schwaches Bild abgegeben.

Die Kursschwankungen der VW Aktie haben am Montag ca. 350 Punkte im DAX ausgemacht. Am Dienstag Abend betrug der Anteil der VW Aktie 27% an der DAX Berechnung. Ohne diese Eskapaden wäre der DAX auf neue Jahrestiefs gefallen. Sämtliche Analysen von Investoren und Institutionen sind über den Haufen geworfen. Wenn das Vertrauen einmal beschädigt ist, dann wird es sehr schwer, die Investoren wieder an den Börsenplatz Deutschland zurückzuholen.

Wie gewöhnlich hat man spät reagiert. Zunächst beschloss die deutsche Börse AG zur Mitte der Woche, dass der VW Anteil im DAX ab kommenden Montag (03.11.08) auf 10% reduziert wird. Außerdem hat man am Freitag eins draufgesetzt und hat Regeln aufgestellt, dass Aktien, welche zu solchen Verwefungen im DAX führen, auch kurzfristig (am Ende des Handeltages) aus dem Index entfernt werden können.

Porsche ist der Fuchs im Schafspelz. Es gab gar keinen Grund, am Sonntag eine Ad Hoc Meldung bezüglich der Aktienverhältnisse auszugeben, keinen Grund die Märkte zu verwirren. Die lapidare Begründung, man spiele mit offenen Karten und wolle den Short Investoren die Gelegenheit geben, ihre Positionen in Ruhe glattzustellen, ist äußerst fadenscheinig – bedenkt man, dass Porsche zwischenzeitlich den Wert seiner VW Positionen verdoppelt hat.

Und die gleiche Porsche, welche für die Kapriolen verantwortlich war, zeigte sich nach den Verwerfungen gnädig. Am Dienstag Abend verkündete der Sportwagenhersteller, man werde einen kleinen Teil der VW Positionen dem Markt wieder zufügen , damit sich die Kurse beruhigen. Da wird dem Börsianer warm ums Herz.

Allein an den Kurssprüngen wird sich Porsche eine goldene Nase verdient haben, aber worum geht es wirklich? Das Ziel von Porsche ist die Kontrolle bei VW. Dafür scheint jedes Mittel recht zu sein.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr
start-trading Team

Share This