Buchtipp

Es gibt Märchen, die wahr sind, zum Beispiel bei der Fußball EM 2008. Die türkische Nationalmannschaft erlebt ein Fußballmärchen: sie hat schon drei Spiele gedreht und ihr Team zum Sieg geführt. Jeder, der aktiv Fußball spielt, oder gespielt hat, wird verstehen, wie schwer so etwas ist.


Es gibt aber auch Märchen, die gar nicht wahr sind. Zum Beispiel, dass die Hexen schuld sein sollen an den massiven Kursverlusten am letzten Freitag (20.06.2008). Es war dreifacher Hexensabbat, also der große Verfallstag für Futures und Optionen. Nach kurzzeitig steigenden Kursen zu Beginn des Handels kannte der DAX nur eine Richtung und diese war abwärts. Am Ende des Handelstages verbuchte der deutsche Leitindex einen Verlust von über 2 Prozent.


Man hatte die Privatanleger in allen Medien vor diesem Tag gewarnt. Der große Verfallstag ist „nur etwas für große Marktteilnehmer“, „halten Sie sich fern“ waren die gängigsten Warnungen. Es sollte zu großen Ausschlägen kommen, weil Terminmarkt Spekulanten die Kurse entsprechend ihrer Positionierung zu ihrem Vorteil zu bewegen versuchen. Und was kam dabei raus? Nichts.


Nicht mal ein kleiner Ausschlag. Die Ausschläge sind gewöhnlich zum Ausübungszeitpunkt, der Index zuckt dann nach oben und nach unten. Im Tageschart kann man keine großen Bewegung um 13:00 Uhr erkennen. Somit gab es auch keine nennenswerten Ausschläge bei Optionen und Zertifikaten. Kurz nach 13:00 Uhr war es dann auch schon vorbei mit dem Hexenzauber. Es gibt sicherlich die Möglichkeit, dass es zu wirklich massiven Ausschlägen kommt, aber diese ist in der Regel gering und ist mit dem medialen Drumherum nicht zu rechtfertigen. Jeder Anleger sollte trotzdem seine eigene Linie fahren und für sich entscheiden, inwieweit er sich beeinflussen lassen möchte.


Nun, zurück zu den Hexen. Wie beschrieben, haben die Hexen an dem Kursdesaster keine Schuld. Sie haben die fallenden Kurse eher noch zurückgehalten. Viele Markteilnehmer konnten noch nicht verkaufen, weil sie eventuell noch offene Kontrakte hatten, welche erst abgewickelt werden mussten.

Die Akteure, befreit von den Fesseln Ihrer früheren Positionierung, drückten erst recht auf den Verkaufsknopf und schickten den DAX noch mal um 100 Punkte in den Keller. Zuvor verlor der deutsche Leitindex intraday auch schon 100 Punkte bis zur Abrechnung um 13:00 Uhr. Am Ende blieben dann knapp 150 Punkte Verlust übrig.


Der Markt wollte fallen. Ob nun Gründe wie der steigende Ölpreis, Finanzkrisen oder Sonstiges für steigende oder fallende Kurse herhalten müssen, am Freitag war der Übeltäter bei den Hexen gefunden. Die Hexen sind allerdings unschuldig.


Eine Börsenweisheit bringt es auf den Punkt: „An der Börse machen die Kurse die Nachrichten“.


Mit freundlichen Grüßen

Ihr
start-trading Team

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