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Finanzkrise
II - die "heile Welt" Fassade bekommt Risse
Sehr
geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,
es hätte
so schön werden sollen. Zu Beginn der Woche hatten
die Anleger noch zugegriffen, hatten Aktien gekauft und
den DAX steigen lassen, am
Mittwoch dann sogar auf über 5800 Punkte getrieben.
Man wollte dabei sein, wenn es weiter hoch geht. In der
Telebörse dann am Abend sprach man von einer baldigen
Jahresendrally. Der DAX müsste sich nun ins Zeug legen
und die 5820 Punkte Marke hinter sich lassen, dann würde
es in neue Höhen gehen. Ach wie schön, dachte
das Anlegerherz und rechnete bereits die imaginären
Gewinne aus.
Am
Donnerstagmorgen dann der Blick auf die Indexstände
aus Asien, alles rot! Die Indizes in China, Japan, Singapur,
Kuala Lumpur, ach was alle in Asien waren im Minus. Und
das nicht nur ein wenig, sondern ordentlich. Was war
geschehen?
Das
Emirat Dubai bittet um Zahlungsaufschub, sechs Monate um
genau zu sein. Es kann seine Rückzahlungen nicht wie
versprochen im Dezember leisten und will mit den Gläubigern
reden. Es drücken knapp 60 Milliarden Dollar. Das ist
schon eine riesige Größe. Naja, der Boom wollte
ja auch finanziert werden. Hatten sie nicht erst kürzlich
diese selbst aufgeschüttete Insel eingeweiht, die so
aussieht wie eine Palme? War da nicht zur Eröffnung
das teuerste Feuerwerk aller Zeiten gezündet worden?
Alles mit Geld auf Pump, da lässt sich natürlich
ordentlich feiern. Hauptsache, die Musik spielt auf dem
ersten Deck, die Anleger wollen unterhalten werden.
Wie
auch immer, das Geld wurde mit vollen Händen ausgegeben.
Institute und Banken weltweit wollten an der Party im Land
der tausend Träume teilhaben und investierten unbekümmert.
Sie gaben große Kredite und glaubten an den unendlichen
Fluss des Profits.
Es
gab Warnungen, aber die wurden weggewischt, interessierte
ja keinen mehr. Denn alles war wieder in bester Ordnung.
Gute Konjunkturzahlen aus den USA wurden gemeldet, super
Wachstum in China und die EU lieferte auch die schönsten
Wirtschaftsdaten. Ganz so, als hätte es die Finanzkrise
I nie gegeben.
Die
Mitarbeiter wurden weiter entlassen, die Gewinnziele dadurch
erreicht, die Dividende wurde weiter an die Aktionäre
ausgeschüttet und der Führungsriege ein ordentlicher
Bonus gezahlt. Ganz so, als wären die vielen Unternehmen
weltweit nie gerettet worden, als wäre mit Steuergeldern
die Katastrophe nicht in letzter Minute abgewendet worden.
Nein, die Welt war wieder in Ordnung und das Spiel sollte
wieder von vorne beginnen.
Die
Berater sollten wieder unverständliche Produkte verkaufen,
die Händler mit Derivaten spekulieren, die Ratingagenturen
die entsprechenden Ratings verteilen. Ganz so wie der Vorstandsvorsitzende
von Goldman Sachs sagte: "Gottes Werk verrichten"
und somit Wohlstand für alle schaffen.
Diese
absurde Träumerei endete am Donnerstag den 26. November
2009. Die "heile Welt" Fassade, dass die Finanzkrise
I ausgestanden sei, bekommt jetzt wieder Risse. Der
Versuch zu kitten ist fehlgeschlagen.
Plötzlich
ist Staatsbankrott wieder ein Thema. Als Island Pleite
ging, interessierte es kaum jemanden, zu klein, zu gering
die Auswirkung auf die Welt, sagte man. Dann war das Land
Ungarn in der Klemme, die waren nicht klein und schnell
wurde durch den IWF geholfen. Es darf nämlich keine
Staatspleiten geben. Es konnte nicht sein, was nicht sein
darf.
Lettland
steht vor dem Aus. Jeder weiß, das Lettland fallen
wird und wenn Lettland fällt, dann fällt auch
Schweden. Wenn Schweden fällt, dann auch Dänemark.
Sie sehen, es ist nicht mehr weit, bis der erste Dominostein
umfällt. Oder bis die ersten Schneeflocken die Lawine
in Gang setzen.
Ebenso
so klar ist, dass Großbritannien und Italien die ersten
Kandidaten der Staatspleite in der Kategorie "große
EU Länder sind". Das weiß man. Ob nun darüber
berichtet wird oder nicht.
Das
alles ist bekannt, genauso wie es bekannt war, das Dubai
in Schwierigkeiten ist: seit Ende 2008 stehen Projekte still,
Hilfsarbeiter verlassen dass Land, Bauunternehmen müssen
Konkurs anmelden.
Mit
Dubai ist nun ein Glanzstück des Finanz-Casions untergegangen.
Dubai war das Land der unbegrenzten Möglichkeiten,
Geld war kein Problem. Immer größer, weiter und
höher musste es sein. Und da waren die prestigehungrigen
Banken aus Amerika und Europa die Ersten, welche dabei sein
wollten.
Nun
ist die Angst groß vor einer Kettenreaktion in
der Region, genauso wie oben für Europa beschrieben.
Fällt Dubai, dann fällt auch Abu Dhabi, dann fällt
auch Katar. Fällt die Region aus, müssen alle
Investments dieser Länder in der Welt aufgelöst
werden und das sind einige. Das hat dann globale Auswirkungen.
Die Unsicherheit ist groß, jeder versucht sein Geld
zu retten, so schnell es geht. Die Probleme in der Region
hat vielen die Augen geöffnet.
Die
Finanzkrise ist nämlich gar nicht vorbei, nie vorbei
gewesen. Es gibt noch viel größere Probleme
als in der Finanzkrise I und diesmal haben die Staaten kein
Geld mehr zu helfen. Diesmal geht es in die Pleite. Zuerst
trifft es die Banken, dann die Wirtschaft, dann den Staat.
Es mag
für den einen oder anderen dramatisch klingen, aber
es ist so. Jeder kann glauben, was er möchte und die
vorliegenden Puzzleteile anders interpretieren, aber der
Prozess des Gesundschrumpfens lässt sich nicht mehr
ändern. Wir haben bereits Anfang 2009 in unsere großen
Ausarbeitung "THE GREAT DEPRESSION" darauf hingewiesen.
Den Artikel lesen Sie: hier.
So ist
das im Leben, vorgestern noch war von einer Jahresendrally
die Rede und heute von "rette sich wer kann".
Die Finanzmarktkrise II hat es in sich, diesmal größer,
stärker und schmerzhafter als das bisher Gesehene.
Mit
freundlichen Grüßen