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Zinsen: Türkische Notenbank widersetzt sich Erdogan

Gepostet von am 29 Jan, 2014 in Finanzkrise | Keine Kommentare

Zinsen: Türkische Notenbank widersetzt sich Erdogan

Eine Notenbank sollte in jedem Land unabhängig sein. Sie sollte die nationale Währung stützen und ihre Geldpolitik nur am Wohl der Währung ausrichten. Als die türkische Notenbank letzte Woche zu ihrer Sitzung zusammenkam, beschloss sie nichts, obwohl die Lira dramatisch an Wert verlor. Nun kam man außerplanmäßig zusammen und verkündete eine Entscheidung um Mitternacht.

Die meisten Türken schliefen zu so später Stunde. Die großen Börsen und auch der türkische Finanzmarkt waren geschlossen, als die Zentralbank das tat, was sie schon vor einer Woche hätte tun müssen. Sie hob die Leitzinsen an. Aber nicht nur ein bisschen, ein paar Kommastellen, sondern richtig.

Von zuvor 4,5 % wurde der Zins auf nun 10 % mehr als verdoppelt. Der Zinssatz, für den sich Banken Geld von der Zentralbank leihen, wurde von 7,75 % auf 12 % angehoben. Zu der späten Stunde hatte man ein deutliches Signal von der türkischen Notenbank erwartet, aber so stark, damit hatte niemand gerechnet.

Die Politik einer Zentralbank beruht im Wesentlichen auf vertrauensbildenden Maßnahmen. Sie muss Zeichen setzen und dann hoffen, dass sich bei den Investoren die Gemüter beruhigen. So ein Zeichen wurde gestern Abend an die Märkte herausgegeben.

Nachdem die Glaubwürdigkeit der türkischen Zentralbank gelitten hat, konnte sie mit dieser Entscheidung etwas an Terrain zurückgewinnen. Für eine Trendwende ist es dennoch zu früh, denn zu lange hat sie sich in die Politik des Regierungspräsidenten Erdogan einbinden lassen.

Inoffiziell wird vermutet, dass die Zentralbank letzte Woche dem Druck des Ministerpräsidenten nachgegeben hatte und deshalb keine Zinserhöhung beschlossen hatte, obwohl dies dringend nötig gewesen wäre. Erdogan wollte so kurz vor den Wahlen im März keine preissteigernden Maßnahmen entschieden wissen.

Das damalige Einknicken der Zentralbank war ein schwaches Zeichen, dass die Großinvestoren nicht ungenutzt ließen. Die türkische Währung wurde direkt gegrillt, wie Döner am Spieß. Sie fiel gefühlt ins Bodenlose.

So kam der Moment, an dem die türkische Notenbank um eine Krisensitzung nicht herumkam. Sie musste handeln, ob es dem Regierungspräsidenten gefiel oder nicht. Eine schwache Währung ist nicht gut, wie wir bereits gestern verfasst haben. Auch nicht für die Türkei.

Mit der mitternächtlichen Entscheidung konnte der Kurssturz der türkischen Lira gestoppt werden. Sie notiert wieder unter 3 Lira gegenüber dem Euro, was weniger schlecht ist, als die Tage zuvor. Ob sich der dauerhafte Währungsverfall stoppen lässt, wird sich noch zeigen müssen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

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