Ayondo Banner

DAX-Anstieg: Das endet noch böse

Gepostet von am 20 Jan, 2014 in Börse | 2 Kommentare

DAX-Anstieg: Das endet noch böse

Jedem, der das Platzen der Neuer-Markt-Blase miterlebt hat, fällt es schwer, sich an dem derzeitigen Anstieg des Aktienmarktes zu erfreuen. Warum? Der Betrachter kann förmlich fühlen, wie die Anleger in den Markt gesogen werden. Immer wieder wird künstlich ein Stressmoment erzeugt, der den Massen das Gefühl gibt, sie hätten etwas verpasst. Das war damals nicht anders. Rückblickend wird man über die heutige Gier der Anleger staunen.

Die abgelaufene Woche am deutschen Aktienmarkt war verrückt. Vor allem der Spurt des DAX um fast 400 Punkte in nur zwei Tagen ließ viele Marktteilnehmer ungläubig zurück. Nach dem schwachen Wochenstart wurde eine Woche mit sinkenden, zumindest stagnierenden, Kursen erwartet. Es sollte alles ganz anders kommen.

An der Börse weiß niemand, in welche Richtung sich die Kurse entwickeln werden. Man kann sich festlegen und hoffen, dass die eigenen Annahmen richtig waren. Der Anleger muss sich also zu einer bestimmten Zeit für hoch oder runter entscheiden. Er hat auch die Möglichkeit, keine der beiden Optionen zu wählen, was gleichzeitig seine dritte Option ist. Eben nicht zu investieren.

Die Anleger befinden sich gerade in einem Rauschzustand. Sie freuen sich über den Anstieg am Aktienmarkt, ohne sich Gedanken um Korrekturen oder Risiken zu machen. Für diese Gruppe kommt nur eine einzige Option, nämlich „Kaufen“ in Frage. Allein schon diese Erwartungshaltung an den Markt ist fahrlässig, jedoch nötig, wenn man die Anleger in Sicherheit wiegen will.

Nicht wenige Investoren warten noch auf den Moment, an dem die Rally Hausfrauen und Taxifahrer erreicht und Aktien ein Thema beim Friseurbesuch ist. Erst dann ist für sie ein Börsenhype an einem möglichen Endpunkt angelangt. Was ist aber, wenn es sich diesmal um einen Anstieg handelt, an dem die einfachen Bürger gar nicht teilhaben? Wenn diese eh mit dem Aktienmarkt abgeschlossen haben oder wenn ihnen das Geld fehlt, um an der Börse zu spekulieren? Dann wird das Ende solch eines Anstiegs ohne großes Aufsehen erfolgen.

Als beim Anstieg der Preise im Neuen Markt  Höchstkurse erklommen wurden, konnte wirklich niemand, gefühlt kein einziger Anleger, etwas Negatives am Anstieg finden. Es ging nur noch darum, höhere Kursziele zu erreichen, unentdeckte Perlen zu finden und eben noch Geld lockerzumachen, damit man auch am zu erwartenden Anstieg partizipieren konnte.

Klingt diese Beschreibung ähnlich der Situation von heute? Für die Gedankenwelt der Anleger trifft das zu. Man glaubt heute, dass der DAX bald bei 10.000, 15.000 oder gar 20.000 Punkte notieren wird. Nicht, ob der Index die ausgemachten Ziele erreichen wird, sondern wie schnell, wird heute nur noch gefragt. Das alles ist besorgniserregend.

Wenn die Investoren nur noch einsteigen müssen, um zu gewinnen, dann wird jedem, der auch die andere Seite der Börsenmedaille kennt (nämlich fallende Kurse), ganz unwohl zumute. Die Börse ist keine Einbahnstraße, könnte man sagen. Solche Worte finden jedoch heutzutage kein Gehör. Eine Aktienanlage ist immer mit Risiken verbunden, könnte man einwerfen. Auch das würde nicht akzeptiert werden.  Die Anleger sind zurzeit gierig, da stören kritische Meinungen nur.

Für die meisten Anleger, die jetzt nicht mehr auf Warnungen reagieren, ist der Aktienmarkt ein wunderbarer Ort, an dem sich Geld einfach vermehren lässt. Für diese Investoren stellt sich nur noch die Frage, in welcher Höhe sie an dem Anstieg partizipieren können. Die gleiche Frage haben sich die Anleger am Neuen Markt, so kurz vor dem Platzen der Blase, auch gestellt. Das Ende ist bekannt.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

2 Kommentare

  1. Tut mir leid, widersprechen zu müssen, aber ich finde diese Einschätzung eher “betriebsblind”! Die Situation heute ist mit der des Neuen Marktes nicht zu vergleichen! Damals hatten wir eine nachvollziehbare, und nicht mal ungerechtfertigte, Euphorie am Aktienmarkt, da die Menschen erkannt hatten, was für eine großartige, bedeutende technische Neuerung dieses WWW ab jetzt und für die nächsten Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte sein wird. Eine Neuerung, die tiefgreifende Veränderungen in unser aller Alltag bringen würde, so bedeutend wie der Start der Eisenbahn und des Fernsehens zusammengenommen! Da kann man ruhig mal euphorisch werden und auf die Pioniere der Branche setzen und damit eine Übertreibung auslösen.
    Heute hingegen sehen wir die ungeliebteste Hausse aller Zeiten. Von Euphorie oder aktienempfehlenden Dienstmädchen und Taxifahrern keine Spur, im Gegenteil – ich fühle mich schon seit einem DAX-Stand von 7.000 von den Mahnern, Warnern, Unken und Crashpropheten geradezu umzingelt! Der Michel mag nämlich eigentlich gar keine Aktien, der deutsche Anleger ist ein sicherheitsorientierter Sparer, der kein Papier kauft, dass ihm statt 0,2 % Sparbuchzinsen vielleicht 6 oder 7% Dividendenrendite beschert, aber heute 50 Euro kostet und nächste Woche womöglich nur noch 35 Euro wert ist! Der Durchschnittsdeutsche besitzt Aktien meist nur sehr indirekt, über seinen Pensionsfond oder seine Lebensversicherung. Und wer sich als Privatperson dennoch auf’s Parkett wagt, kauft allenfalls Put-Optionsscheine, denn Aktien.
    https://www.boerse-stuttgart.de/rd/de/euwax-sentiment
    Bei einem DAX-Stand von 11.000, melde ich mich wieder.
    Bis dann!

  2. Ich glaube schon, dass man die Situation mit damals vergleichen kann. Im Artikel ging es ja nicht um die Situation am Aktienmarkt als Solches, sondern um das (irrationale) Verhalten der Marktteilnehmer. Ich für meinen Teil bin jedenfalls kaum von Crashpropheten umgeben, sondern nur noch von Marktschreiern, für die die 10.000 Punkte Marke beim Dax nur noch eine Frage von wenigen Stunden ist. In Zeiten, in denen hohe Arbeitslosenquoten gekauft werden, da die Zentralbanken deshalb den Geldhahn geöffnet lassen, kann ich diese Entwicklung nur kopfschüttelnd begleiten. Krise, Bankenpleiten und Milliardenverluste werden komplett ignoriert.

Leave a Reply

Share This