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Krisenpolitik: Vertrauen ist gut, Tatsachen sind besser

Gepostet von am 15 Jan, 2014 in Finanzkrise | Keine Kommentare

Krisenpolitik: Vertrauen ist gut, Tatsachen sind besser

Die Bürger sind im Laufe der vielen Krisen Vieles bereits gewöhnt. Sie sollen keine Angst um ihr Erspartes haben oder keine Sorge, dass ihnen das Finanzsystem um die Ohren fliegen könnte. Keine Angst, dass das Geld mal nichts mehr wert sein könnte. Und vor der Inflation natürlich auch nicht. Und wenn die Kanzlerin auch noch herzlich „Mutti“ genannt wird, dann ist es um den Bürger bereits geschehen. Er vertraut blind.

Während im Freundes- und Familienkreis Vertrauen eine wichtige Grundlage des Zusammenlebens ist, ist das in den vielen Krisen, die die Menschen in den letzen Jahren beschäftigen, anders. Die Finanzkrise, die Schuldenkrise oder die Eurokrise, sie alle verlangen von den Menschen Vertrauen. Ob dieses Vertrauen jedoch gerechtfertigt ist, ist zweifelhaft.

Die Menschen sollen vertrauen, dass es mit der Krise bald vorüber ist. Das z. B. Griechenland bald wieder wettbewerbsfähig ist und dass Hilfskredite nicht verloren sind. Dabei sieht und fühlt der Mensch, dass die Dinge ganz anders verlaufen, anders, als versprochen. Besonders in der europäischen Wirtschaftskrise, wo Menschen zu Hauff zu Arbeitslosen geworden sind, kann von Besserung weit und breit keine Rede sein, aber kritisches Nachfragen ist nicht erwünscht.

All die Statistiken, die den Bürgern vorgesetzt werden, basieren ebenfalls auf Vertrauen. Niemand von den Bürgern ist in der Lage, die Menge an Zahlen, z. B. für das BIP, die Inflationsrate oder die Arbeitslosenstatistik zu erfassen. Er muss also vertrauen, dass diese Zahlen einen wahren Kern haben und die Statistik gewissenhaft erstellt wurde.

Tatsache ist jedoch, trotz glänzender Statistiken, etwas ganz anderes: Der Mensch nimmt seine Umgebung wahr und sieht, dass immer mehr Menschen weniger verdienen und in unsicheren Jobs arbeiten. Er kann erkennen, dass er an der Supermarktkasse immer mehr zahlen muss. Er erlebt die Inflation, obwohl die Regierung und die Statistik etwas anders zu vermitteln versuchen, nämlich, dass es keine Inflation gibt.

An der Börse ist Vertrauen gang und gäbe. Der Anleger vertraut, dass das investierte Unternehmen seine versprochenen Planzahlen einhalten kann und er hofft, dass er in Form einer Dividendenzahlung von einem Gewinn etwas abbekommt.

Ein Großteil der Arbeit einer Zentralbank besteht im Wesentlichen darin, um Vertrauen zu werben. Sie müssen die Geldflüsse am Laufen halten und vertrauensbildende Maßnahmen ergreifen, um die Gemüter zu beruhigen. Sie sind es, die vermittelnd eingreifen. Sie versprechen, dass der Euro auf jeden Fall gerettet wird und sie versprechen, dass sie helfend bereitstehen werden, sollte sich die Krise anders entwickeln als geplant. Was unter Rettung zu verstehen ist, weiß der Bürger nicht, und das braucht er auch nicht. Er soll nur das Gefühl vermittelt bekommen, alles sei unter Kontrolle. Er soll vertrauen.

Dadurch soll er keinen (ungewollten) Fehler machen und zum Beispiel die Bankschalter stürmen. Nicht sein Erspartes von der Bank abheben und damit einen Bankenrun auslösen. Legendär ist die Beruhigungspille von Kanzlerin Merkel und dem damaligen Finanzminister Steinbrück. Diese warben im Jahre 2008 um Vertrauen, dass das Geld der Bürger bei den Banken sicher sei. Das bekräftigten sie mit der Aussage, dass der Staat für die Einlagen seiner Bürger garantieren würde.

Das hat sofort funktioniert. Die Bürger wurden besänftigt. Obwohl sie das Gefühl der Unsicherheit gespürt haben, war plötzlich das Vertrauen da. In Wirklichkeit haben die Kanzlerin und ihr Minister das Geld gar nicht gehabt, dass sie den Bürgern im Ernstfall versprochen hatten.

Das Gefühl des Menschen ist so eingestellt, dass er sehr genau wahrnehmen kann, was richtig sein kann und was nicht. Dafür benötigt er keine Statistiken oder sonstige Überzeugungsarbeit. In dem Zusammenhang erscheint das dauernde Tönen aus Berlin und Brüssel, die (Euro-)Krise sei vorüber, in einem ganz anderen Licht. Es geht ja auch nicht um Tatsachen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

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