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Eurokrise: Ist sie überhaupt noch da?

Gepostet von am 7 Jan, 2014 in Europa | Keine Kommentare

Eurokrise: Ist sie überhaupt noch da?

Vor 11 Monaten hielt Europa die Luft an, denn Zypern drohte Pleite zu gehen. Das klingt heute wie ein vergangenes Kapitel in der Geschichte Europas. Von Krise will heute niemand mehr etwas wissen. In der Zwischenzeit soll es den Krisennationen angeblich bessergehen, weil die Konjunkturen erste hoffnungsvolle Signale senden. In solch einem Umfeld will niemand aus Brüssel und Berlin mehr über eine Krise reden. Auf dem Krisenauge sind sowohl Brüssel und auch Berlin blind.

Als Zypern damals vor der Zahlungsunfähigkeit stand, ging alles ganz schnell. Europa nahm sich die Hoheit über die Gelder in den zypriotischen Banken. Sie entschied in einer Nacht- und Nebelaktion, dass mehr als 100.000 Euro zu viel für die Sparer sind. Also nahm man ihnen das Geld weg, ohne die Eigentümer der Guthaben zu fragen. Damit die Bürger auch nicht mit ihrem Geld flüchteten, hat man Guthaben eingefroren und Abhebelimits eingeführt. Das alles ist zwar kein Jahr her, aber gefühlt sind all die Krisen vergessen. Plötzlich strahlt Europa in einem neuen Licht. Krise war gestern, lässt auch Brüssel verlauten.

Dabei macht Brüssel Besserungen an ganz banalen Dingen fest. Zum Beispiel an Konjunkturprognosen. Wenn eine Umfrage unter Einkaufsmanagern zu dem Ergebnis kommt, dass die Wirtschaft in Spanien in den nächsten Monaten aufleben sollte, dann wird in Brüssel sofort gefeiert. Man redet dann von ersten Zeichen, von Hoffnungsschimmer und von ersten positiven Signalen. Ob sich die Umfrage in einigen Monaten wirklich als richtig herausstellt, ist völlig irrelevant, Hauptsache die Krise kann heruntergeredet werden. Nur darum geht es, wenn die Krise als beendet erklärt wird.

Erst kürzlich, zum Ende des letzten Jahres, war man in Brüssel außer sich vor Freude. Hatte man doch aus Spanien und aus Griechenland positive Signale erhalten. Beide Nationen würden in ihren Haushalten einen Primärüberschuss (zum Artikel) erzielen. Bürger mit gesundem Menschenverstand waren verwundert, wie sollte das gehen? Erst vor kurzem standen beide Länder vor dem Kollaps und jetzt sollen sie kerngesund sein? Der Trick der Statistik ist folgender: Man ignoriert einfach die Schulden des Staates. Ohne Schuldendienst sieht jeder Haushalt gleich besser aus.

Natürlich ist das eine Scheinrechnung, die nur täuschen soll. Sofort fing man in Brüssel an, die Werbetrommeln zu rühren. Sie wissen schon, man sehe positive Signale, man sehe eine Stimmungsverbesserung usw.

Das Wichtigste will man in Brüssel jedoch nicht sehen: Dass die tatsächliche Wirtschaftsleistung in den Krisenstaaten auf Sparflamme läuft und dass die Arbeitslosenzahl so hoch ist, dass kein Land diese bewältigen kann. Man freut sich, dass Irland keine Hilfskredite mehr benötigt, doch will man nicht sehen, was man hinterlassen hat. Irland geht es nämlich schlecht.

Nicht sehen will man in Brüssel auch die fortwährenden Anfragen aus Griechenland bezüglich einer Lockerung der Sparanstrengungen. Man brauche dringend einen Schuldenschnitt, heißt es aus Athen. Die Hellenen finden jedoch kein Gehör.

In Wirklichkeit herrscht die Wirtschaftskrise in Portugal, Spanien, Italien und Griechenland, zudem auch in Österreich, Niederlande und auch in Frankreich.

Nur in Brüssel und in Berlin ist die Welt in Ordnung. Man will nichts über die Krise der anderen wissen. Wo keine Krise sein darf, da kann auch keine Krise sein, beruhigt man die eigenen Gemüter.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading.de

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  2. Aus anderen Finanzblogs – KW 02/2014 u.a. mit Leseempfehlungen zu Commerzbank, Nordex | Kapitalmarktexperten.de - […] dann die Krise hin, einfach so verschwunden. Das versucht start-trading in seinem Artikel “Eurokrise: Ist sie überhaupt noch da?”…

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