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Primärüberschuss: Ein Grund zur Freude?

Gepostet von am 11 Dez, 2013 in Europa | Keine Kommentare

Primärüberschuss: Ein Grund zur Freude?

Kurz, nachdem Griechenland einen Primärüberschuss verkündet hat, meldet sich nun auch Spanien zu Wort und stellt einen Primärüberschuss ab dem Jahr 2015 in Aussicht. Es kommt Freude in Europa auf. Manche klopfen sich auf die Schulter und loben die harte Austeritätspolitik. Die Euroretter scheinen Griechenland und Spanien wieder in die Bahn gebracht zu haben. Ganz so einfach ist die Sache mit dem Primärüberschuss jedoch nicht.

Das Positive an dem Primärüberschuss, auch Primärsaldo genannt, ist, dass ein Land damit ausweist, dass es ohne Berücksichtigung des Schuldendienstes auf eigenen Füßen stehen kann. Vereinfacht ausgedrückt kann ein Land mehr einnehmen, als es ausgibt (bezogen auf seine Kernfinanzen). Wer sich die Lage in Spanien und Griechenland ansieh, wundert sich natürlich, woher diese positive Stimmung kommt. Die Wirtschaftsleistung ist minimal, die Arbeitslosigkeit ist auf Rekordhoch und die Schulden drücken an allen Enden.

Hier zeigt sich dann auch, wie der Primärüberschuss seine Wirkung erzielt. Man presst die Zitrone aus, bis sie keinen Saft mehr hat. In der Betriebswirtschaft könnte man sich das so vorstellen: Wenn ein Unternehmen 1000 Mitarbeiter hat und nun plötzlich nur noch einen, dann hätte das Unternehmen ebenfalls einen super Überschuss vorzuweisen, weil die Ausgaben plötzlich minimal sind. Ein Grund zur Freude? Natürlich nicht, denn das Unternehmen könnte jetzt (mit einem Mitarbeiter) nichts mehr herstellen, niemanden beliefern und bald all seine Kunden verlieren.

In den Staatshaushalten ignoriert man die Ausgabenseite und hat sie teilweise zurechtgekürzt. Man denkt sich den Schuldendienst weg, ignoriert, dass der Staat eine Fürsorgepflicht für seine Bürger hat, und senkt so alle Kosten, die nicht unbedingt nötig sind. Wenn die Kostenseite wegbricht, dann sehen auch die mickrigsten Einnahmen im Saldo positiv aus (siehe obiges Beispiel). Trotzdem ist der Staat, respektive sein Haushalt, dann noch nicht über den Berg. Auch wenn jetzt mit rosigen Worten von einem Ende der Talfahrt gesprochen wird, ist dies mit viel Neutralität aufzunehmen.

Diese plötzliche Lobhudelei auf die Primärüberschüsse kommt daher, dass sich sowohl Spanien als auch Griechenland aufhübschen wollen, um in der Zukunft wieder am Tisch der Gläubiger sitzen zu dürfen. Sie hätten bei Verhandlungen bessere Karten und könnten sich dann vielleicht für bessere Konditionen frisches Geld leihen. Wie schnell klar wird, sind und bleiben Schulden ein wichtiges Thema, denn die Zinszahlungen müssen geleistet werden. Da hilft es auch nichts, sich die Schuldentilgung wegzudenken.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

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