Schulden: Ein Neuwagen für 159 Euro

Gepostet von am 14 Nov, 2012 in Finanzkrise | 1 Kommentar

Schulden: Ein Neuwagen für 159 Euro

Die Schuldenkrise wütet in der Welt. Jeden Tag schließen Unternehmen und Arbeitnehmer rutschen in die Arbeitslosigkeit. Und warum? Weil die Menschen und auch die Unternehmen mehr ausgegeben haben als sie besaßen. Einen besonders wichtigen Anteil an der Misere trägt die Werbung. Sie preist ihre Produkte an, wohlwissend, dass viele Angebote tatsächlich viel mehr kosten, als sie dem potentiellen Kunden schmackhaft gemacht wurden. Ein Neuwagen zum Beispiel, wird für 159 Euro verkauft, möchten sie auch einen?

Die Werbung stellt die Vorteile des Fahrzeugs heraus und schließt mit dem Satz, dass man das alles für 159.- haben kann. Jetzt ist die Frage, ob der Zuhörer noch rationell weiter denkt und sich verdeutlicht, dass hier für viele Monate 159 Euro gezahlt werden müssen, dass ein Neuwagen ca. 20.000 Euro kostet, oder ob der Zuhörer bereits angefangen hat zu träumen. Folgende Gedanken könnten durch seinen Kopf gehen: "Es wäre doch schön, wenn man selbst auch einen Neuwagen fahren könnte". "Er glänzt so makellos, er riecht so neu. Und das alles für 159 Euro".

Schnell überschlägt der potentielle Käufer seine Kalkulation. Sein Einkommen, minus die regelmäßigen Kosten – ja, da bleibt noch etwas übrig. Nicht viel, aber es würde gehen. Der Empfänger der Werbung freundet sich mit der Idee des Kaufs eines Neuwagens an. Die Nachbarn werden gucken. Man wollte schon immer einen Neuwagen fahren und für 159 Euro im Monat ist das doch toll. Wer so weit gedacht hat, der wird auch zu einer hohen Prozentzahl den Kauf abwickeln. Er ist angefixt und wird sich selbst immer recht geben. Die Werbung war erfolgreich.

Auf die Werbung sind auch die vielen Menschen in den Schuldenstaaten hereingefallen. Sie haben auch gedacht, dass das, was sie jetzt günstig kaufen, ein vorteilhaftes Geschäft für sie sein wird. Das hat sich als Trugschluss herausgestellt. Menschen haben sich Immobilien gekauft und dachten, das könnten sie monatlich abtragen, obwohl sie sich die Immobilie in seinem ganzen Wert nicht leisten können. Das ist bei dem Neuwagenkäufer nicht anders. Dieser überlegt sich nicht, ob er 20.000 Euro ausgeben kann oder nicht, sondern ob er sich 159.- Euro leisten kann. Das ist ein fataler Denkfehler.

Kaum jemand könnte sich einen Neuwagen leisten, wenn er ihn direkt bezahlen müsste. So wäre es aber richtig. Gleiches gilt für die Erwerb von Immobilien, deren Kauf ebenso auf monatlichen Zahlungen basieren. Nur wer das Geld bezahlen kann, darf sich die Immobilie kaufen. Jetzt werden einige Leser sagen, dann könne man sich ja nie ein neues Auto oder Eigentum leisten? Dann lautet die schmerzhafte Realität "Ja, das ist so". Die meisten Menschen können sich den Kauf nicht leisten.

Wie aus dem aktuellen Schuldenatlas hervorgeht, sind 6,6 millionen Menschen in Deutschland überschuldet. Sie können ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen. Daran trägt die Werbung eine gehörige Portion Schuld. Sie leitet (verleitet) die Menschen zu Handlungen, die sich später als nachteilig herausstellen. Wer vielleicht meint, die Entscheidung trage der Mensch selber, jeder müsse wissen. was er macht, dann ist das nur zum Teil richtig.

Es stimmt, das jeder für sein Handeln verantwortlich ist und wenn jemand den Fehler gemacht hat, dann muss er die schmerzhaften Konsequenzen tragen. Doch der Mensch ist schwach. Er ist nach Meinung der Marketingabteilungen berechenbar und man müsse nur die richtigen Knöpfe aktivieren. Aus diesem Grund wird in Unternehmen sehr viel Geld für Marketing und Werbung ausgegeben. Die Unternehmen wissen schon warum.

Im Moment der Entscheidung ist sich der Mensch oftmals der Tragweite seines Urteils nicht bewusst. Denn was zunächst günstig erscheinen mag, kann durch versteckte und durch lange Laufzeiten zur Schuldenfalle werden, wie die aktuelle Lage in Europa zeigt.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

1 Kommentar

  1. Das Hauptproblem der Ratenzahlung ist aber, dass die meisten Leute nur Ihre derzeitigen Lebensverhältnisse berücksichtigen.

    Zum obigen Beispiel mit dem Neuwagen. Solange die 159€ beglichen werden können ist alles kein Problem. Aber sollte z.b. das Einkommen wegfallen (z.b. Arbeitslosigkeit) rutscht die Person in die Schuldenfalle. Und diese Situationen kalkulieren die meisten leider nicht.

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