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Armes Griechenland, armes Deutschland

Gepostet von am 25 Aug, 2012 in Europa | Keine Kommentare

Armes Griechenland, armes Deutschland

Jetzt war der griechische Premierminister zu Besuch in Deutschland. Er kam um zu werben. Nicht um die Kanzlerin, aber um ihr Wohlwollen. Die Griechen sind arm dran und müssen gute Miene zum bösen Spiel machen, aber auch die Deutschen haben den Griechen bereits Unmengen an Geld geliehen und sitzen mit im gleichen Boot. Im ersten Moment ist es gar nicht einfach zu sagen, wem es schlechter geht, den Griechen oder den Deutschen?

Die wirtschaftliche Lage in Griechenland ist wesentlich schlechter als die in Deutschland, das ist unbestritten. Aber die Griechen haben ihre Fallhöhe schon abgearbeitet und stehen mit dem Rücken an der Wand. Die Hellenen haben ihre Krise schon, diese steht Deutschland noch bevor. Mit jedem Tag, an dem keine Lösung, oder zumindest ein Schritt in die richtige Richtung präsentiert werden kann, schlingert auch Deutschland immer tiefer in die Krise.

Jetzt ist Samaras in Berlin gewesen. Er kam um zu bitten, denn er wollte mehr Zeit. Zeit, um die Reformbemühungen in seinem Land voranzutreiben und um die Sparziele erreichen zu können. Dass dieses Vorhaben nicht mit Erfolg gekrönt werden würde, war jedem vor dem Besuch bereits klar. So bekam er nur warme Worte von der Kanzlerin zu hören, für die er sich nichts kaufen konnte. Die Kanzlerin sagte aber deutlich, und das wurde in den Medien ausgiebig gefeiert, "sie wünsche sich, dass Griechenland in der Eurozone bleibt". Da kann es dem Griechen ganz warm uns Herz werden.

Während Griechenland arm dran ist, ist der Arm bei Deutschland bald ab. Immer öfter wird von dem Land finanzielle Hilfe gefordert, um die Schuldenkrise nicht eskalieren zu lassen. Geld war bei diesem Treffen angeblich kein Thema, doch wenn irgendwo Geld fließt, dann kommt der größte Teil aus Deutschland. Darüber sind die Deutschen nicht glücklich, doch was sollen sie machen. Es heißt treffend im Euroexperiment: man ist mitgehangen und nun mitgefangen. Armes Deutschland.

Auch wenn Deutschland den Griechen entgegen kommen wollte, geht das nicht. Sagt die Kanzlerin den Griechen mehr Zeit zu, müsste sie auch den Portugiesen oder den Spaniern mehr Zeit geben. Die Sache ist für alle Beteiligten kompliziert.

Somit ist der Besuch eher symbolischer Natur. Was hätte auch verhandelt werden können? Nichts. Die Deutschen wollen kein weiteres Geld mehr fließen lassen, Zeit wollen sie auch keine mehr geben, Pleite gehen lassen können sie die Griechen aber trotzdem nicht. Und somit versuchen alle Beteiligten eine Art freundschaftliches Miteinander zu präsentieren, das es so nicht gibt.

In Wirklichkeit geht es nur um Machtspiele. Die Kanzlerin hat die Hosen an und der griechische Premier muss zum Bittstellen kommen. Da Frankreich diesem Machtspiel in nichts nachstehen will, muss der griechische Premier gleich weiter nach Frankreich reisen und die selbe Prozedur dort über sich ergehen lassen. Armes Griechenland.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

 

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