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Eurobonds: Merkel in Not

Gepostet von am 27 Jun, 2012 in Europa | Keine Kommentare

Eurobonds: Merkel in Not

Frau Merkel hat einen großen Fehler in der Diskussion um die Eurobonds gemacht. Sie hat mit einem Laib Brot gewedelt, während die Nachbarländer vor Hunger sterben. Die Hungrigen, das sind Spanien, Italien und Frankreich, sie wollen Eurobonds, um sich aus ihrer Notlage zu befreien. Anders die Kanzlerin. Sie will die anderen weiter sparen lassen, ohne Rücksicht auf deren Verelendung und Armut. Jetzt schließen sich die Hungrigen zusammen und kesseln die Kanzlerin ein. In ihrer Not sagte sie jetzt etwas, was sie lieber nicht hätte sagen sollen.

Kanzlerin Merkel sagte auf einer Sitzung in Berlin, es werde mit ihr keine Eurobonds geben "solange sie lebe". Damit verlässt sie die politisch sachliche Ebene und wird emotional. Es geht nicht mehr um die Sache Eurobonds, jetzt geht es um das Leben der Kanzlerin. Die Wortwahl soll dabei die Dimension ihrer Entschlossenheit veranschaulichen. Sie werde also ihre bisherige Haltung um nichts in der Welt aufgeben.

Damit hat sie nun besonders schlechte Karten auf dem kommenden EU-Gipfel in Brüssel. Sie kann jetzt nur noch verlieren. Sie kann gar nicht verhandeln, da sie von ihrer Haltung nicht abweichen will (und jetzt auch nicht mehr kann). Die anderen Länder brauchen daher gar nicht mehr mit Deutschland reden, es bringt sowieso nichts, könnte man meinen. Für den EU-Gipfel sind das keine guten Vorzeichen.

Der berühmte Investor George Soros sagte kürzlich in einem veröffentlichten Interview, „Deutschland werde gehasst werden“ da es von den anderen Nationen als imperiale Macht angesehen wird. "Deutschland isoliert sich in Europa" war uns schon einmal hier einen Artikel wert. Die jetzige Vorgehensweise Frau Merkels reiht sich in die bisherige "falsche" deutsche Politik ein.

In einer Gemeinschaft darf sich kein Land besser stellen als ein anderes. Das tut Deutschland permanent. Das sind dann Töne wie „Wir haben die bessere Konjunktur“, „Wir sind wettbewerbsfähiger als ihr“, „Wir retten euch“ usw. Das schmerzt all diejenigen, die unter dem Kommando der "bösen" Deutschen stehen. Da die anderen Nationen abhängig von den Rettungsmilliarden sind, konnten sie bisher nicht widersprechen.

Die Wende kam mit der Wahl von Francois Hollande zum neuen französischen Staatspräsidenten. Er sprach den von den Einsparungen geplagten Nationen aus dem Herzen. So scharten sich die Hungrigen um den oft verkannten Franzosen.

Alleine hätten Spanien, Italien und auch andere sich nicht getraut gegen Merkel und Co anzutreten, aber gemeinsam sind die Hungrigen gierig, ihre Interessen zu wahren. Vielleicht können sie den Druck auf dem EU-Gipfel auf Deutschland erhöhen, denn sie sind jetzt in der Mehrheit. Vielleicht schaffen sie es, das Merkel in der Frage Eurobonds einknicken und einlenken muss. Dann aber würde die Kanzlerin ihr Gesicht verlieren, sowohl unter den Kollegen als auch im deutschen Volk. Das wäre ihr Ende.

Warum hat sich Kanzlerin Merkel sich zu dieser Art von Machtwort verleiten lassen? Es ist ein Ausdruck von Panik. Da sie auf dem Weg der beruflichen Kommunikation kein Gehör mehr findet, greift sie nun zu dramatischen Mitteln. Es ist wie im Bundestag, wenn ein Kanzler die Vertrauensfrage stellt. Es ist das äußerste Mittel, um die eigenen Leute hinter sich zu bringen. Das klappt des Öfteren, es kann aber auch schief gehen.

Wenn sich die Kanzlerin im Zaum gehabt hätte, dann hätte sie sagen müssen „solange ich Kanzlerin bin“ oder „solange meine Amtszeit dauert“. Aber „solange ich lebe“ war die schlechteste Ausdrucksweise, die sie hat wählen können.

Die Dramatik in der Eurobonds Diskussion nimmt nun deutlich zu. Denn tatsächlich haben alle Politiker mit der "Entgleisung" der deutschen Kanzlerin verloren. Auf dem EU-Gipfel wird es nach dieser emotionalen Standpauke einen Verlierer geben. Das ist schon einmal sicher, denn es gibt entweder Eurobonds oder eben nicht. Eine Gruppe der europäischen Nationen wird ihre Ziele nicht erreichen können. Das ist in einer Gemeinschaft schlecht, da man eigentlich gemeinsam ein Ziel erreichen will. Frau Merkel hat in ihrer großen Not der europäischen Gemeinschaft einen Bärendienst erwiesen.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

 

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