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Tiefer Fall am Aktienmarkt: Wer ist Schuld?

Gepostet von am 2 Jun, 2012 in Börse | Keine Kommentare

Tiefer Fall am Aktienmarkt: Wer ist Schuld?

Der Einbruch am Aktienmarkt wird zumeist den schwachen Konjunkturdaten angelastet. Die Kurse würden fallen, weil die Wirtschaftsdaten ein Nachlassen der Geschäftstätigkeit anzeigen. Schwache Konjunkturdaten kommen nun von überall. Aus Amerika, aus Europa und vermehrt auch aus China. Warum aber die Aktionäre panisch verkaufen und die Schuld bei den Wirtschaftsdaten suchen, erschließt sich nicht so ganz. Die Anleger waren es doch selbst, die die Kurse hinaufgetrieben hatten.

Man muss aufpassen, nicht den Falschen zu beschuldigen. Die Käufer der Aktien hatten, wie man das von Investoren erwartet, drei Schritte in die Zukunft gedacht. Sie antizipierten Wirtschaftswachstum. Wie sie darauf kamen, weiß niemand, aber es war so. Aus diesem Grund jagten sie die Kurse weit nach oben – unvorstellbar weit. Scheinbar haben sie vor lauter "in die Zukunft sehen" die heutige desolate Lage der Weltwirtschaft aus dem Blick verloren.

Warum fallen die Kurse? Weil das KGV, das Kurs-Gewinn-Verhältnis, zu hoch ist. Das ist der naheliegendeste Grund, wenn man den Bezug zur wirtschaftlichen Tätigkeit einer AG zu Grunde legt. Doch zunächst haben die Anleger das KGV einer Aktie so stark in die Höhe getrieben, dass diese unerfüllbar wurden. Die Käufer von Aktien hatten in ihrer unendlichen Gier blühende Landschaften in Europa und in der Welt erwartet.

Sie hatten viel gehofft, zum Beispiel auf China, die nimmermüde Konjunkturlokomotive. Immer wenn in Europa und in Amerika die Wirtschaft lahmte, hat man nach Asien gesehen und auf die Chinesen gehofft. Das war schon suspekt, warum man in Europa nicht selbst in der Lage war zu wirtschaften. Ja ja, die Welt ist vernetzt, sie ist global, aber muss man denn die eigene Unfähigkeit hinter der Leistung eines anderen verstecken?

So hangelten sich die Aktienkurse im ersten Quartal des Jahres 2012 nach oben, ohne dass die Konjunktur wirklich überzeugen konnte. In einem unserer früheren Artikel "Börse: Wann fallen die Kurse?" aus dem Februar 2012 heißt es:

Es ist wieder eine Phase an den Märkten, in der das Anlegerhirn nicht glauben kann, was das Auge sieht. Täglich steigen die Aktienkurse ohne Fundament und so steil und gierig, dass man glauben könnte, die Börsenkurse werden nie wieder fallen.

Während im Süden Europas die Wirtschaft an die Wand gefahren war, versuchte man noch mit positiven Worten die Lage schönzureden. Die einzigen, deren Wirtschaft nicht abgeschmiert war, waren die Deutschen. Das ist für Europa zu wenig. Außerdem ist Deutschland ein Exportland, an wen sollen sie verkaufen, wenn die anderen nicht mehr einkaufen wollen und können?

Das interessierte die Anleger rein gar nicht. Nein, die Medien haben die Werbetrommel kräftig gerührt. An allen Schrauben hat man gedreht, so dass der Aktionär das Gefühl hatte, es geht wieder aufwärts. Mitte März wurde diese Tatsache in dem Artikel "Medien: Sinkende Kurse schmecken nicht"  von uns folgendermaßen kommentiert:

In allen Medien wurde ausgiebig berichtet, warum der DAX stark ist, warum die Kurse noch sehr viel länger steigen werden und warum Aktien günstig bewertet sind. Alles Gründe, um weiter an den Aktienmarkt zu glauben. Ein steigender Markt ist etwas Gutes, so nimmt es jedenfalls der einfache Mensch auf. Diese Lücke in der Gedankenstruktur des menschlichen Hirns nutzen die Medien.

Wer den Börsenzug nicht bestieg, wurde zurückgelassen. So stieg der Druck unter den Anlegern, dabei sein zu wollen. Jeder Rückgang im Kurs wurde zur Einstiegsgelegenheit für diejenigen, die noch an der Seitenlinie warteten. Die Käufer sind schwach geworden und haben gekauft, weil die anderen gekauft haben. Ein Herdentrieb also. Die Anleger hatten sich in einen Rauschzustand manövriert, der Hype war entstanden. Es wurde noch ein Versuch unternommen, die Anleger auf den Boden der Tatsachen zu holen, fast genau am Jahreshoch, nämlich am 19. März, wurde ein Artikel mit dem Titel "Aktienhype: Verlieren Sie nicht Haus und Hof"  veröffentlicht, darin stand:

Die besondere Charakteristik eines Hype ist der Glaube, Kurse können nie wieder fallen. Genau da befinden sich die Börsenmärkte wieder einmal. Analysten prognostizieren immer neue und höhere Hochs. Es wird in der Berichterstattung oft von einer Rally im Index und bei Aktien gesprochen. Es wird hauptsächlich auf die Chancen hingewiesen. Kursrückgänge sind Kaufgelegenheiten, heißt es in  solchen Phasen. Kommt Ihnen das bekannt vor?

Zusammenfassend ist zusagen, das der Anstieg zu Beginn des Jahres keinesfalls mit einer positiven Konjunkturentwicklung einherging, damit hatten die steigenden Kurse rein gar nichts zu tun.

Wer trifft die Entscheidung, Aktien zu kaufen? Der Anleger selbst natürlich. Warum hat man also der Gier nicht widerstanden und gekauft, wo kaufen nicht angebracht war? Es wird bei der aktuellen Berichterstattung nicht auf den wirklich Schuldigen gezeigt, nämlich den Aktionär. Stattdessen versucht man es der Konjunktur auf die Schuhe zu schieben, das ist falsch.

Sechs Tage nach dem Jahreshoch des DAX, nämlich am 22. März 2012, wurde auf den fundamentalen Stimmungswandel hingewiesen. Der Artikel: "DAX fällt: Anleger flüchten aus dem Markt" mahnte zur dringenden Vorsicht:

Die Anleger flüchten aus dem Markt. Sie können gar nicht schnell genug zum Ausgang rennen. Die Stimmung ist plötzlich von rosarot in tiefschwarz gedreht. Glauben Sie nicht den gemeldeten Gründen, dass es an der Konjunktur läge. Die Flucht versteckt sich hinter einem anderen Gewand.

Die Anleger haben selbst die Aktienkurse in die Höhe getrieben und wundert sich nun, warum diese ins Bodenlose stürzen. Wären die Aktienkurse seit Herbst 2011 nicht so stark gestiegen, sondern hätten weiter bei 5000 Punkten notiert, dann wäre der Aufschrei nicht so laut, wie er eben jetzt ist. Nein, Schuld sind nicht die Konjunkturdaten, Schuld ist der Anleger selbst.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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