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Finanzmonster: Die geschürte Angst

Gepostet von am 15 Mai, 2012 in Finanzkrise | Keine Kommentare

Finanzmonster: Die geschürte Angst

In den letzten Jahren lesen wir dauernd  von Maßnahmen, die die Finanzmärkte beruhigen sollen. Wer schon länger die Märkte verfolgt, der weiss, dass das nicht immer so war. Erst seitdem das Finanzmonster mit Ausbruch der Finanzkrise so kräftig geworden ist, dass es die Menschheit scheinbar in den Abgrund reißen könnte, wird so sehr um seine Gunst gebuhlt. Während die Märkte die Keule schwingen, zittert der normale Bürger. Doch wovor fürchten sich die Menschen, die Politik und die Unternehmen?

Die Märkte sollen beruhigt werden. In der Politik heißt es "Vertrauen muss zurückgewonnen werden". Deshalb scheut diese Kaste auch kein Geld und keine Mühe, um "vertrauensbildende Maßnahmen"  in die Wege zu leiten, damit es ja nicht zu einem bösen "Irgendetwas" kommt. Denn so genau weiss das niemand. Was passiert eigentlich, wenn das Finanzmonster, die sogenannten Märkte, vor Wut Herzrasen bekommen? Stellen Sie sich vor, es würde nicht beruhigt werden, kommt es dann zu einem wilden Rundumschlag, der die Menschheit dahinrafft oder stirbt das Monster gar an Herzrasen? Das wäre doch eigentlich gut für die Menschheit, sie hätte dann einen Unterdrücker weniger.

Das Monster hat die Macht über ganze Staaten. Es diktiert Regeln und entscheidet über Wohl oder Elend. Warum muss also um das Wohlwollen solch eines Geschöpfes geworben werden, wenn es nur Unheil bringt? Sollte man da nicht zusehen, sich endlich von solch einem Monster zu befreien, als dieses noch größer und noch mächtiger zu machen? Es wäre der richtige Weg, sich von der Unterdrückung zu lösen, doch genau das Gegenteil findet statt.

Die Menschen müssen immer mehr und immer öfter wohlwollende Gaben entrichten, um nicht in den "Fokus der Spekulanten" zu geraten. Damit die Märkte weiterhin wohlgesonnen sind, werden mit Steuergeldern Staaten gerettet und Banken gestützt.  Wenn es heisst, "Staaten werden gerettet", dann ist damit ebenfalls das Retten der Banken gemeint. Wer einen Staat rettet, dann nur, damit die Banken, die in diesem Land investiert sind, nicht Pleite gehen. Ach ja, damit die Drohgebärde nicht fehlt muss natürlich noch ein "damit es nicht zu einer Katastrophe kommt" hinzugefügt werden. In Griechenland konnte man den Vorgang gut verfolgen. Griechenland wurde solange gerettet, bis die Banken fein raus waren, jetzt darf Griechenland Pleite gehen oder etwas höflicher ausgedrückt: aus der Eurozone austreten.

Vor der drohenden Katastrophe wird solange gewarnt, bis auch jeder daran glaubt, auch wenn es die meisten nicht verstehen. Zusätzlich wird vor den Auswirkungen eines Bankenruns gewarnt. Auch vor den Auswirkungen einer Bankenpleite haben alle schlotternde Knie. Dieser Zustand ist so gewollt. Nur wie die Auswirkung einer Bankenpleite aussehen mag, das bedeutet, warum sie so fürchterlich sein soll, das weiss irgendwie niemand. Vielleicht ist es gar nicht so schlimm. In den USA gehen jede Woche Banken pleite und es juckt überhaupt niemanden. Die Übersicht der US-Bankenpleiten finden Sie hier.

Vielleicht erinnern sich einige Leser noch an den Ausbruch der Finanzkrise. Als im September 2008 das Finanzunternehmen Lehman-Brothers kurz vor der Pleite stand, da hiess es in den begleitenden Meldungen "AU WEIA – jetzt fliegt uns alles um die Ohren". Die Bank hätte mit hoch explosivem Derivaten spekuliert, hätte dies und jenes getan. Sie wäre zu groß, um keine Auswirkungen auf die Welt zu haben, so hieß es jedenfalls damals. Die an die Bürger gerichtete bedrohliche Kommunikation lässt sich so zusammenfassen: Wenn diese Bank Pleite geht, dann ist alles aus.

Dann ging die Bank tatsächlich Pleite und wir waren alle noch am Leben. So schlimm war die Pleite also gar nicht, wie man den Menschen in den Medien ausgemalt hatte. Sie hat uns nicht einmal aus dem Schlaf geweckt. Es war sogar insofern gut, da ein Bösewicht weniger umherlief.

Die Medien und die Politik werden nicht müde, vor einer Katastrophe in der Finanzwelt zu warnen. Die geschürte Angst ist gewollt, damit die Menschen weiter gefügig sind: Damit sie ihr mühsam Erspartes in Form von Steuergeldern spenden, um ja nicht die Finanzmonster zu erzürnen. Niemand will die Katastrophe heraufbeschwören bzw. verschulden. Tatsächlich wäre eine Pleite von Finanzinstituten eine reinigende Maßnahme. Es gibt auch die Möglichkeit einer kontrollierten Pleite, sofern man das wollte.

Bisher lebt die Politik gut im Fahrtwind der Finanzmonster. Sie nimmt von den Bürgern und gibt es den Finanzinstituten. Diese wiederum verschonen die Politik. Das geht solange gut, bis die Geduld der Menschen ausgereizt ist. Fliegt der Schwindel auf, dann helfen auch keine vertrauensbildenden Maßnahmen mehr. Es könnte bald soweit sein.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading.de

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