Verlässt Griechenland die Eurozone?

Gepostet von am 11 Mai, 2012 in Europa | Keine Kommentare

Verlässt Griechenland die Eurozone?

In Kürze werden Schlagzeile in den Nachrichten zu lesen sein wie "Griechenland verlässt die Eurozone". Fast schon amüsant sind dann im Rückblick die Beteuerungen der Politik. "Einen Austritt darf es nie geben" und "Europa muss zusammenhalten" oder "eine Rettung sei ohne Alternative", hieß es damals. Während die Menschen das griechische Fass ohne Boden schnell erkannten, zögerte die Politik keinen Moment, gutes Geld dem schlechten nachzuwerfen. Jedes Mal, wenn die Lage in Athen schlimmer wurde, wurde der Ruf nach Hilfsmaßnahmen um so lauter. Bis jetzt, denn jetzt kann man sich plötzlich einen Austritt vorstellen.

So erklärte diese Woche der Chef der Ratingagentur Fitch "einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone für verkraftbar". Das sind einmal starke Worte. Lange Zeit waren es die Ratingagenturen, die ein Schreckensszenario an die europäische Wand malten. Sie wurden nicht müde, vor einer Katastrophe zu warnen, für den Fall, dass ein Land aus dem Verbund ausscheren sollte. Doch diese Töne scheinen nun der Vergangenheit anzugehören.

Plötzlich sind Dinge möglich, die man vor nicht allzu langer Zeit für unmöglich gehalten hat. Wo sind eigentlich Frau Merkel und Herr Schäuble? Diese beiden sollten sich diese fundamentalen Veränderungen in Europa mit ansehen. Was die Menschen die ganze Zeit wussten wird nun Realität. Die Griechen werden bald aus der Gemeinschaft austreten.

Die Medien helfen mit vollen Händen mit, ein Bild der bösen Griechen zu malen, die sich nämlich nicht retten lassen wollen. Wer nicht will der hat schon, ist das aktuelle Motto. Man selbst habe ja alles für eine Rettung getan, klopft man sich selbst auf die europäische Schulter, aber wenn die Griechen die Sparmaßnahmen nicht umsetzen wollen, dann kann man auch nichts dafür. Europa wäscht sich die Hände in Unschuld.

Die Börsen schimpfen ebenfalls auf die "nervenden" Griechen. Sie verderben ihnen immer wieder die Kurse, so hört man vom Börsenparkett. Man hat genug von dem Land am Südost-Zipfel des Kontinents.

Was jetzt kommt, ist leicht vorherzusehen. Der Austritt wird, wie in der heutigen politischen Landschaft üblich, in Worte verpackt, welche nicht der Wahrheit entsprechen. Es wird heißen, der Austritt der Griechen war ein Muss zum Wohle der anderen europäischen Staaten. Außerdem wird man die Vorteile eines Austritts auch für das hellenische Land herausarbeiten. Was auch immer geschieht, es ist zum Wohle Europas, werden Merkel, Schäuble und Juncker nicht müde werden zu betonen.

Da darf sich der Leser getrost an den Kopf fassen und fragen: Wo bitte wart ihr Ahnungslosen der politischen Bühne am Anfang der Krise, bevor all die Milliarden versenkt wurden? Die Bürger haben es von Anfang an gewusst. Einige Experten auch. Viele Blogs ebenfalls. Nur die angeblichen Euroretter wollten von einem möglichen Austritt Griechenland nichts hören.

Griechenland wird jetzt sanft aus der Eurozone "gleiten". Es wird so ähnlich sein, wie wenn ein Unternehmen einen Mitarbeiter weggelobt. Am Ende wird man den Griechen auf die Schulter klopfen, man wird ihnen viel Erfolg wünschen und die europäische Tür schließen, sobald sie raus sind.

Für Griechenland ist ein Austritt etwas Sinnvolles, da sie sich aus dem Korsett der Eurowährung lösen und die eigene Währung Drachme wieder einführen kann. Für Euphorie ist aber kein Platz. Das Land hat keine wirtschaftlichen Strukturen und keine Produkte und Güter, mit denen es international konkurrenzfähig ist.

Sollte sich noch ein Leser über den Zeitpunkt wundern, warum genau jetzt viele in der Politik und in der Wirtschaft umschwenken und einen Austritt Griechenlands für möglich halten, dann ist die Antwort recht einfach: der Drops ist gelutscht, die Messe ist gesungen. Griechenland musste so lange auf den Beinen gehalten werden, bis die Banken gerettet werden konnten. Diese sind jetzt aus dem Schneider, Altpapiere (Risikopapiere) sind entsorgt und obendrein ein kleines Polster an Eigenkapital angehäuft. Für die Politik ist die Aufgabe Griechenland damit erledigt.

Denn es war nie ihr Ziel das Land zu retten. Griechenland kann nun aus dem Verbund austreten.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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