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Merkel oder Hollande? Einer lügt bereits.

Gepostet von am 8 Mai, 2012 in Europa | Keine Kommentare

Merkel oder Hollande? Einer lügt bereits.

Es gibt im Leben jedes Menschen immer einen Moment, in dem er sein Gesicht wahren muss. Er muss zu seiner Meinung und zu seinem Wort stehen, sonst wird er unglaubwürdig. Auf genau so einen Moment steuert Europa jetzt zu. Der neue französische Präsident Hollande hat all seinen Wählern versprochen, das europäische Fiskalpaket neu zu verhandeln. Die Kontrahenten Merkel, Schäuble und Juncker halten dagegen und haben eine Neuverhandlung ausgeschlossen. Einer der Parteien lügt, nur wer?

Denn egal wie die Diskussion zu Ende geht, einer von beiden wird nicht zu seinem Wort stehen können. Gibt Hollande nach, dann werden ihm die Franzosen nicht mehr vertrauen können. Ein Präsident der nicht zu seinem Wort steht, unmöglich für das stolze französische Volk. Hollande hat noch ein weiteres Dilemma. Gibt er nach und lässt die bisherigen Vereinbarungen zum Fiskalpaket unverhandelt, dann verliert er ebenso sein Gesicht gegenüber allen anderen Politikern. Man wird ihn als einen Dampfplauderer hinstellen, als einen Schaumschläger. Niemand wird ihn bei zukünftigen Verhandlungen ernst nehmen.

Auf der anderen Seite stehen die Personen Merkel, Schäuble und Juncker. Alle haben vehement, deutlich und unmissverständlich klargestellt, dass mit ihnen eine Neuverhandlung des Fiskalpakets nicht möglich ist. Diese Personengruppe will ihre erreichten Ziele nicht in Frage gestellt wissen und will durch Druckaufbau den neuen französischen Präsidenten in die Schranken weisen. Für die eben genannten Politiker ist das gelegentliche Flunkern nichts Neues, das wurde während der Schuldenkrise oft genug bewiesen. Berühmt ist die Aussage der Kanzlerin Merkel, dass sie eine Rettungsmaßnahme für Griechenland ausschließt.

Merkel, Schäuble und Juncker sehen die aufmüpfige Art von Hollande als eine Art Wahlkampfverspechen, mit dem man es jetzt nicht mehr so genau nehmen muss. Hollande hat dem Volk nach dem Mund geredet, hat die Stimmen zum Sieg erhalten und nun ist Schluss mit der Dampfplauderei. Das eine war vor der Wahl, jetzt ist nach der Wahl. Da gelten andere Regeln. Dazu gehört, dass sich Hollande der europäischen Dominanz aus Berlin und Brüssel beugen muss. So jedenfalls ist das Wunschdenken.

Doch so einfach wird das nicht sein. Die Franzosen haben ein Ass im Ärmel. Sie sind für die europäische Rettung genauso wichtig wie Deutschland. Sie können ebenso Forderungen stellen und hier kann besonders Deutschland diese nicht ignorieren. Denn ohne Frankreich funktioniert auch ein (noch) solventes Deutschland nicht.

Jetzt rächt sich, dass Frau Merkel ihre Antipathie gegenüber dem Wahlgewinner Hollande schon während den französischen Wahlen zum Ausdruck gebracht hat und sich öffentlich zum Kandidaten Sarkozy bekannt hat. Das deutsch-französische Tischtuch ist zerschnitten, auch wenn sich die Kanzlerin auf den Antrittsbesuch des neuen Präsidenten "freut".

Für den Beobachter ist die Ausgangslage kaum mehr an Spannung zu überbieten. Auf der einen Seite der scheinbare Eurogegner Frankreich. Ist Ihnen aufgefallen, dass die ganze Zeit Hollande und damit auch Frankreich in den Medien als Eurogegner dargestellt werden, obwohl Frankreich noch vor Wochen mit Sarkozy als Präsident unermüdlich für die Eurorettung gekämpft hat? Vorsicht vor den Medien, der vierten Macht im Staate. Sie versucht, Meinungen zu schüren, auch wenn es nicht der Wahrheit entspricht. Frankreich kann trotzdem für Europa sein und doch das Fiskalpaket in Frage stellen. Wer hat denn gesagt, dass es nur einen Weg der Lösung der Krise gibt?

Die Eurogegner sind also die Franzosen, während die obigen drei die glühenden Anhänger der Eurorettung sind. In Kürze wird eine Entscheidung fallen. Einer der Parteien wird dann seine Anhängerschaft schamlos belogen haben, denn das was heute gesagt wird, wäre nicht die Wahrheit.

Es sieht sehr danach aus, dass der Kandidat Hollande nicht mehr zurück kann (auch nicht will), ohne sein Gesicht zu verlieren. Wenn Frankreich in Europa noch Ernst genommen werden will, muss der neue Präsident sein Versprechen einlösen. Zieht er seinen Plan durch, dann darf an den heutigen und zukünftigen Aussagen von Merkel, Schäuble und Juncker gezweifelt werden.

Wie kann man sich als Bürger noch auf die Politik verlassen, wenn das, was sie sagt, nicht der Wahrheit entspricht. Von Lügnern will sich niemand retten lassen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich immer mehr Wähler von den etablierten Parteien abwenden, da diese sie in diese ausweglose Lage gebracht haben.

Entweder Merkel oder Hollande, einer muss einen Rückzieher machen, wer wird es sein?

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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