Frankreich gewinnt mit Hollande

Gepostet von am 7 Mai, 2012 in Europa | Keine Kommentare

Frankreich gewinnt mit Hollande

Frankreich hat gewählt. Sarkozy wurde abgewählt, der Kandidat Hollande hat gewonnen. Glaubt man den vielen Meldungen am heutigen Morgen, hat Frankreich mit diesem Ergebnis verloren. Es ist besonders auffällig, dass sich die Medien mit diesem Kandidaten nicht anfreunden möchten. Sie lassen keine Möglichkeit aus, den neuen Präsidenten als ungeeignet zu präsentieren. Das ist nicht nur schade, sondern grob unsportlich. Warum sollte Frankreich verloren haben?

Die Ausgangslage ist ganz einfach zusammen zu fassen. Sarkozy war nicht mehr der Präsident, den sich die Franzosen wünschten. Also wurde er abgewählt. Was eigentlich ein demokratischer Prozess ist, wird nicht als dieser in den Medien gewürdigt. Man interpretiert in Europa die Demokratie ganz anders seit dem Ausbruch der Finanzkrise. Das ist kein schöner Weg.

Wenn nun ein Sozialist die Macht übernimmt und verspricht, er werde der Präsident aller Franzosen werden, dann ist das etwas Positives. Er werde die sehr Reichen besteuern, damit der Staat sich weniger  verschulden muss und er werde die bisherigen europäischen Abmachungen zur Diskussion stellen, dann sind das erst einmal keine falschen Ansichten. Die Abmachungen von Sarkozy und Merkel waren auch kein demokratischer Prozess, sondern eher eine Klüngelei. Im Kleinen wurde etwas beschlossen und den anderen Staaten kraft Stärke und Dominanz aufgedrückt. So handelt die EU eben.

Besonders groß sind die Sorgen nun in Berlin und Brüssel, dass Hollande die eisenbeschlagene Richtung nicht mittragen wird. Er wird den Plan, den man mit der Fiskalunion eingeschlagen hat, in seiner  jetzigen Form nicht mittragen wollen. Er wird das Wohl der Franzosen höher werten als das Wohl Europas. Auch Berlin könnte sich ein Scheibchen davon abschneiden, das Wohl der eigenen Bürger besser zu schützen.

Die Medien kennen keine Gnade. Bereits Stunden nach der Wahl zum Präsidenten wurden die ersten Artikel veröffentlicht, warum der siegreiche Kandidat seine Versprechen nicht einlösen kann, warum er die Franzosen enttäuschen wird usw. Solche Töne wurden schmerzhaft vermisst, als bei der letzten Bundestagswahl die FDP groß auftrumpfte. Warum gab es von journalistischer Seite dort keine kritischen Berichte? Man erinnere sich nur an die Versprechen der Liberalen "Mehr Netto vom Brutto". Da hielt man sich auffallend zurück. Die Medien unterstützen die Wahlsieger.

Die Medienlandschaft hat offensichtlich Sorge, dass ihr eingeschlagener Weg, nämlich bedingungslos der Führung von Merkel und Sarkozy im Rahmen der Eurorettung zu folgen, ein falscher ist. Sie hätten (und haben) damit auf das falsche Pferd gesetzt. Damit das Volk nicht kapiert, was die Medien vorhatten, Europa "alternativlos" zu retten, wird nun versucht, an dem Fall von Hollande zu arbeiten, noch bevor dieser sein Amt angetreten hat. Man will es ihm schwer machen.

Jeder Präsident ist aber seinem Volk verpflichtet und nicht einer Organisation oder anderen Regierungen. Und gerade deshalb hat Frankreich nicht verloren, Frankreich hat gewonnen. Die Menschen wollen eine Politik, die sich um seine Bürger kümmert. Sie haben sich für den Kandidaten Hollande entschieden und somit die Richtung für die kommende Zeit ausgegeben.

Für einen kurzen Moment hört man die Stimme des Volkes. Auch in Griechenland ist es so. Das Volk ist mit dem eingeschlagenen Weg der Euroretter nicht einverstanden. Alle bisher Regierenden verlieren stark an Zustimmung. Das sollte den EU-Verantwortlichen endlich deutlich machen, dass ihr Handeln nicht im Sinne der europäischen Bürger ist. Genau das sollten die Medien herausarbeiten. Sie sollten die Meinung der Menschen besser wiedergeben und nicht die Meinung der Regierenden weiterleiten.

Die Franzosen haben sich nicht irritieren lassen. Sowohl der Kandidat Hollande hat gewonnen als auch Frankreich. Egal, was die Medien dazu sagen.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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