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Trading: Im Kopf der Anleger

Gepostet von am 30 Apr, 2012 in Trading | Keine Kommentare

Trading: Im Kopf der Anleger

Manche Dinge passieren nur im Kopf. Zum Beispiel ein Traum. Egal, ob man glücklich oder schweißgebadet aufwacht, das Geträumte ist nie passiert. Wenn ein Anleger den DAX handelt und dabei short oder long geht, dann legt er sich mental für eine Richtung fest und handelt diese. Ebenso wie im Traum kann er Phasen durchleben, die nicht geschehen sind. Zum Beispiel dann, wenn er short ist und der Markt steigt. Die angedachte Kursbewegung passiert dabei nur im Kopf. Die Verluste aber sind real.

Jeder, der den Markt handelt, legt sich in einer gewissen Art im Kopf fest. Jeder Trader ist in seiner Tendenz eher short oder eher long. Mit dieser Brille verfolgt er auch den Markt. Manch ein Leser mag einwerfen, dass Trading emotionslos sein muss, der Trader offen für beide Richtungen sein muss. Das ist zwar in der Theorie richtig, aber in der Praxis nicht anzutreffen. Der Mensch ist keine Maschine, weshalb die großen Spieler am Markt sich meist den Handelscomputern anvertrauen. Diese sind nicht unfehlbar, doch sie haben keine Brille auf.

Die Brille des menschlichen Anlegers zwingt ihn nämlich, das Gesehene in seiner bevorzugten Richtung zu interpretieren. Wenn der Markt nach einer Zeit sinkender Kurse wieder steigt, dann liest der "Bär" die steigenden Kurse als eine Korrektur des zuvorigen Kursverfalls. Es würde ihm kaum in den Sinn kommen, dass dies der Beginn eines starken Anstiegs sein könnte. So beginnt sein Albtraum, indem sich der Trader, der auf fallende Kurse setzt, gegen die Mehrheit stellt. Für ihn ist seine gehandelte Richtung und die daraus erfolgten Handelsentscheidungen richtig.Tatsächlich liegt er aber falsch.

Der Trader erträumt sich seine zukünftige Marktentwicklung. Mann muss von einem Traum reden, da die fallenden Kurse nicht einsetzen. Der Markt steigt nämlich weiter. Somit passiert das Gewollte, nämlich eine Umkehr im Index, nur im Kopf des Traders. Für denjenigen, der den Mark shortet, steigt mit jedem weiteren Kursanstieg die Rechtfertigung der eigenen Position. Der DAX zum Beispiel war bei 6700 ein guter Shortkandidat, bei 6800 Punkten wohl erst Recht, wird dabei angenommen. Mit dieser Interpretation shortet sich der Trader ins Abseits oder, um in der Traumsprache zu bleiben, in den Albtraum.

Um seine Position zu rechtfertigen bzw. zu untermauern wird nachgekauft. Die Anzahl der Scheine (Knock-Outs) oder der Kontrakte (CFDs) wird erhöht. Man will es dem Markt zeigen. Was man bisher in größeren Zeitebenen analysiert hat, wird auch auf kleinere erweitert. Dann sieht der Trader eine Umkehr in sehr kleinen Zeitebenen und sieht damit seinen Einstieg oder seine Aufstockung der Position als sinnvoll an. Da aber die Geschehnisse auf dem Parkett anders sind als im Kopf des Traders erdacht, ist der Resultat zu erahnen. Der Trade geht schief.

Die treibende Kraft beim Trading ist der Kopf. Ansonsten könnte sich jeder Mensch ein Tradingsystem kaufen und sich zurücklehnen. In seinen Gedanken und persönlichen Einschätzungen passieren die Handelsentscheidungen, die sich durch die Umsetzung auf die Kurse auswirken. Der Mensch ist wie er ist, dazu gehören auch seine Schwächen.

Die Börse lebt davon, dass die Dinge im Kopf der Anleger passieren. Die Anleger glauben zum Beispiel, nur weil das Markt-Sentiment 60/40 für die Bullen ist, wäre das ein Kontraindikator und der Markt müsste drehen. Jeder, der schon einmal gehandelt hat, wird wissen, dass den Kursen das selten etwas ausmacht. Indizes und Aktien können auch bei solch einem einseitigen Sentiment weiter steigen. Die Interpretation der Marktlage ist individuell und passiert eben im Hirn.

So sind die Marktteilnehmer aktuell erneut gespalten, ob der Anstieg von letzter Woche eine Korrektur ist oder der erste Anlauf zu neuen Jahreshochs. Jeder Trader (Bullen & Bären) hat dabei seine Gründe parat und malt sich bereits die zukünftige Entwicklung aus. Ob dieser Traum zur Wirklichkeit wird (der Trader liegt richtig), oder in einem Albtraum endet (der Trader liegt falsch), das entscheidet noch immer der Markt.

Warum? Weil der Markt die Summe Geschehnisse in den Köpfen der Ableger wiedergibt.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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