EZB schießt sich ins Knie

Gepostet von am 6 Mrz, 2012 in Europa, Finanzkrise | Keine Kommentare

EZB schießt sich ins Knie

Aua! Der Schuss ging wohl nach hinten los. Da hat die EZB geflutet und geflutet, weil sie dachte, mit viel Geld wird die kränkelnde Wirtschaft auf die Beine kommen und was ist passiert? Der Großteil des vielen neuen Geldes verlässt die Tresore der Banken nicht, nur ein kleiner Teil wird verwendet. Nicht mal dieser Teil wird so verwendet, wie von der EZB erträumt, sondern damit wird am Aktienmarkt gezockt. Die EZB gefährdet das Finanzsystem, anstatt es zu schützen. Die europäische Zentralbank hat auf ganzer Linie versagt.

Die EZB hat den Banken in sehr kurzer Zeit bereits 1 Billion Euro geliehen. Kurz vor Weihnachten waren es 490 Milliarden Euro für 523 Banken. Ende Februar wurden 530 Milliarden Euro an 800 Banken ausgegeben. Eigentlich sollte mit diesem Geld die Wirtschaft wieder auf die Beine kommen. Blühende Landschaften sollten in Europa sprießen. Mit Geld kann man alles erreichen, das weiß man nicht erst seit dem Film "Ein unmoralisches Angebot", mag der gute Herr Draghi gedacht haben. Für ihn gilt: Es ist nicht die Frage, ob die Wirtschaft in Gang kommt, sondern ab welcher Menge an frisch gedrucktem Geld sich der Konjunkturmotor anfangen wird zu bewegen. 

Bisher taugt der europäische Schmierstoff nicht viel. Schon zweimal wurde in die Vollen gegangen und Kapital von der EZB erschaffen. Das klingt nach Gottes Arbeit und erinnert an den Chef der US Bank Goldman Sachs, Larry Blankfein, der nicht minder im heiligen Dienst steht wie der EZB Chef Draghi. Dieser US-Mangager sagte voller Überzeugung: " Wir (die Bankenwelt) verrichten Gottes Werk" (mehr hier).

Die Banken können unmöglich im heiligen Dienst stehen, da sie selbstsüchtig sind. Sie denken immer zuerst an sich und dann an ihre Aktionäre. Von Enthaltsamkeit oder dem Dienen der Allgemeinheit ist nichts zu spüren. Das Geld der EZB war ursprünglich für die Allgemeinheit gedacht. Was haben die Banken daraus gemacht? Sie saugten sich mit frischem Geld voll und behalten nun das Geld. Offiziell darf die EZB keine Abmachung mit den Geschäftsbanken über die Nutzung des frischen Geldes treffen. Unter der Hand hat man aber gehofft, dass die Banken das Geld an Wirtschaft und Private weiterreichen. Das machen die Banken aber nicht. Es mangelt an Vertrauen, ob das Geld wieder zurückkommt. Der Mangel an gegenseitigem Vertrauen kann mittels der Übernachteinlagen bei der EZB verfolgt werden. Diese sind auf den Rekordwert von 820 Milliarden Euro angestiegen. 

Die EZB ist nun in der Klemme. Sie hat versucht, ihren Plan mit einem großkalibrigen Gewehr durchzusetzen. Das hat bisher nicht geklappt. In den Medien wird von einer "Bazooka" oder einer "dicken Bertha" gesprochen. Der Schuss ist nach hinten losgegangen. Jetzt hat die EZB sehr viele Banken mit günstigem Geld aufgeblasen, wodurch eine Rettung durch einen Staat überdimensional erschwert wurde. Die Staaten müssen jetzt viel mehr Geld in die Hand nehmen als vor Draghis "ich-drucke-jetzt-Geld" Aktion.

Niemand sollte schwere Systemrisiken eingehen, bei dem das Ergebnis nicht im Geringsten abschätzbar ist. Leider sitzt jetzt an der EZB Druckerpresse ein Mann, der glaubt, jedes Problem könnte mit der entsprechenden Menge an frischem Geld gelöst werden. Wenn das Problem die Banken sind, und das sind sie offensichtlich in diesem Fall, dann muss mit dem weiteren Drucken aufgehört werden. Die Banken müssen zum Rapport antanzen. Da aber niemand, auch die EZB nicht, die Finanzinstitute zwingen kann mit geliehenem Geld etwas zu tun, was sie nicht tun wollen, bleibt das Problem der Liquiditätsversorgung der Wirtschaft ungelöst.

Die EZB hat gar kein Druckmittel mehr in der Hand. Die Leitzinsen sind bereits tief. Die Märkte sind bereits geflutet. Die Risiken für die Finanzwelt sind überdimensional erhöht worden, anstelle verringert zu werden. Die EZB hat sich völlig verzockt, leider müssen die Bürger dafür bluten. Diese müssen die Konsequenzen tragen und für die zügellose Gelddruck-Orgie gerade stehen. Inflation, wir kommen.  

Die EZB hat sich selbst demontiert. Sie hat sich blamiert, sie hat sich während der Schuldenkrise unglaubwürdig gemacht, sie hat sich sogar vor den Karren der Politik spannen lassen. Sie hat alles auf eine Karte gesetzt, um noch einmal Vertrauen zurückgewinnen zu können. Das hätte sie geschafft, wenn ihre Intervention erfolgreich gewesen wäre. Ist sie aber nicht.

Die EZB hat auf ganzer Linie versagt. Die bisherigen Maßnahmen verpufften und auch die Liquiditätsschwemme geht an ihrem Ziel vorbei. Zurück bleibt eine schwache Institution (europäische Zentralbank), die bellt, aber nicht beißt. Eine Organisation, die sich nur noch humpelnd vorwärtsbewegen kann, denn sie hat sich selbst zu stark verletzt.

Die Märkte vertrauen der EZB nicht mehr. Ohne Vertrauen funktioniert das Finanzsystem nicht. Herr Draghi sollte wissen, dass man nicht mit großen Waffen spielen darf. Game Over.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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