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Europa: Irland stellt sich quer

Gepostet von am 29 Feb, 2012 in Europa, Finanzkrise | 1 Kommentar

Europa: Irland stellt sich quer

Ein Moment der Freude ging durch Europa, als gestern Abend über die Ticker lief, dass Irland sein Volk über das zukünftige EU-Fiskalpaket abstimmen lassen will. Inmitten der jahrelangen EU-Diktatur begehrt endlich ein Schuldenland auf und sagt: Wir, das Volk, wollen selbst über unsere Zukunft entscheiden. Das ist ein wichtiges Zeichen für die Demokratie, ein Zeichen, dass es noch Nationen gibt, die die Bürger befragen wollen. Während das Volk jubelt, schmollt die Politik.

Die Iren sind ein störrisches Volk. Sie sagen nicht zu allem gleich ja. Das ist in der europäischen Vergangenheit nicht anders gewesen. Und das ist auch gut so, weil von den Ja-Sagern haben wir in Europa mehr als genug. Die europäische Führungsriege, dargestellt von Sarkozy und Merkel, hatte es sich so schön ausgemalt, wie sie Europa umkrempeln wollen. Die Idee: Wir werden den anderen Ländern mal zeigen, wie man ordentlich spart. Und wenn eine kranke Nation sparunwillig sein sollte, dann werden wir disziplinarische Maßnahmen anwenden, wir werden uns in euren Haushalt einmischen, um euch dann wieder in die Spur bringen. So haben es sich die EU-Führenden gedacht. Ein gemeinsames und demokratisches Europa sieht anders aus.

Von nationaler Souveränität ist in den obigen Vorstellungen nichts zu hören. Das will die EU auch nicht. Sie will nur Ja-Sager um sich herum. Wenn die europäischen Nationen nur etwas mehr Mumm hätten, dann müssten sich die Bürger nicht vorschreiben lassen, wie krumm eine Salatgurke sein soll, welche Glühbirne ausgewählt werden darf und vor allem dürften die europäischen Bürger endlich ihre Wasserflasche mit an Board eines Flugzeuges mitnehmen. All diese sinnlosen Vorschriften kommen nämlich aus Brüssel und werden (wurden) bisher hingenommen.

Jetzt geht ein Ruck durch Europa. Der irische Bürger soll über seine Zukunft entscheiden. Den EU-Rettern gefällt so eine Idee gar nicht. Wie kommt ein Staat dazu sein Volk zu fragen? Beim letzten Mal als die Griechen das eigene Volk fragen wollten, war die Entrüstung in Brüssel so groß, dass der damalige Premier Papandreou für seine demokratische Idee aus dem Amt befördert wurde. Europa hat die Wahl verhindern können.

Der Ausgang solch einer Wahl wird zum Wohle des Volkes ausgehen und nicht zum Wohle der elitären Politik der EU-Retter. Europa hat bereits mit Großbritannien und Tschechien zwei Länder verloren, die nicht die neue Fiskalunion mittragen wollen. Mit Finnland und Ungarn stehen weitere Länder bereit, die sich sehr kritisch gegen eine Schuldenbremse und gegen eine Einmischung in lokale Haushalte ausgesprochen haben. Diese Länder werden auch nicht mitmachen wollen

Und jetzt auch noch Irland. Wenn Irland nicht mitziehen sollte, dann wird das eine Signalwirkung auf weitere Länder haben. Vor allem für die Bürger anderen Nationen, die erkennen werden, dass die Menschen noch über Europa entscheiden können und nicht Europa über die Menschen.

Es ist an der Zeit, dass die Politik zu ihren Aufgaben zurückfindet, nämlich zum Wohle des Volkes zu agieren und die Demokratie zu schützen. Irland hat es geschafft, einen Funken Hoffnung zu wecken, dass es noch eine Demokratie in Europa gibt, die auch gelebt wird und nicht nur auf dem Papier verankert ist.

Wir drücken den Iren die Daumen, die richtige Entscheidung zu treffen.

 

Mit freundlichen Grüßen,

ihr

start-trading Team

1 Kommentar

  1. “Inmitten der jahrelangen EU-Diktatur begehrt endlich ein Schuldenland auf und sagt: Wir, das Volk, wollen selbst über unsere Zukunft entscheiden.”

    Naja, das ist allzu euphorisch beschrieben. Die Regierung muss laut Verfassung ein Referendum zuassen, das ist alles. Und im Nein der vergangenen Referenden in Irland drückte sich die Unzufriedenheit mit der eigenen Regierung aus. Die aktuelle Regierung wird alles tun, um dem Volk bei seiner Entscheidung “für Europa” keinen Spielraum zu lassen. http://www.irlandnews.com

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