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Deutschlands zwei Gesichter

Gepostet von am 26 Feb, 2012 in Europa, Finanzkrise | Keine Kommentare

Deutschlands zwei Gesichter

Manchmal kann man sich über die Deutschen nur wundern. Das ist nicht nur im Urlaub so, wenn anstatt lokale Speisen zu verzehren keinesfalls auf das geliebte heimische Schnitzel verzichtet werden will. Nein, auch in der Politik spielen die Deutschen eine besondere Rolle, wenn es darum geht, anderen Wasser zu predigen und selbst Wein zu trinken.

Besonders auffällig ist diese Haltung in der Griechenlandkrise. Das Land solle sparen, hieß es zu Beginn der Krise, später wurde der Ton rauer und es hieß, das Land muss sparen. Man schrak sogar nicht einmal davor zurück, einen eigenen Sparkommissar absenden zu wollen, der sich in die Belage der Griechen einmischen sollte.

Gemeinsam mit Brüssel zwingt man den Griechen Sparmaßnahmen auf, die das Land unmöglich schultern kann. Das Ergebnis kann man an den Konjunkturdaten verfolgen. Mit jedem neuen Jahr der Krise rutscht das Land immer tiefer in die Rezession. Man hat das Land bewusst abgewürgt. Man hat noch den letzten Tropfen aus der griechischen Zitrone gepresst, um die Gläubiger zu schonen.

Die zwei Gesichter Deutschlands werden hieran deutlich: Bei den anderen kann man das Unmögliche fordern, nur bei sich selbst, da gelten die eigenen Regeln nicht.

Denken Sie nur einmal an die letzten Gehaltsverhandlungen der Gewerkschaften für mehr Gehalt  für die Arbeitnehmer. Jeder Forderung wird mit Entrüstung der Unternehmenden und der Arbeitgebervertreter abgetan. Man könne unmöglich bei der Gehaltsforderung Zusagen machen, denn das würde Arbeitsplätze kosten. Die deutsche Industrie würde im internationalen Vergleich an Konkurrenzfähigkeit verlieren.

Na, klingelt es? Die Deutschen verweigern jeglichen Eingriff, der ihnen die Konkurrenzfähigkeit kosten würde. Gleichzeitig sind sie Weltmeister darin, die verschuldeten Staaten mit Spardiktaten und mit Sparvorschlägen zu überhäufen. Die anderen sollen kräftig an Konkurrenzfähigkeit verlieren.

Es bleibt nämlich nicht bei Vorschlägen. Besonders Deutschland tut sich hervor mit Drohungen und Forderungen, um ja kein Entrinnen des am Boden liegenden Staates zu ermöglichen.

Möglicherweise schlagen die Deutschen mit dieser Taktik zwei Fliegen mit einer Klappe. Sie retten mit den Rettungsmilliarden ihre eigenen Banken und gleichzeitig stürzen sie einen ungeliebten Konkurrenten tiefer in die Rezession. So entledigt man sich des Wettbewerbers und kann seine Produkte konkurrenzloser am Weltmarkt verkaufen.

Dabei gilt Griechenland noch als kleines Land mit Testcharakter. Aber auch Italien und Spanien sollen Sparen und da geht es um wirkliche, harte Konkurrenz.

Die Deutschen sind schlau. Selten werden sie in taktischen Dingen überrascht. So kann man davon ausgehen, dass die Bundesregierung schon von Anfang an wusste, wohin Griechenland steuern würde. Jetzt, wo die Gläubiger aus dem Schneider sind, kommen gerade  aus Deutschland die ersten Rufe, Griechenland solle die Euro-Zone verlasen. Ein Schelm, wer da nicht eins und eins zusammen zählt.

Die anderen sollen Wasser trinken, die Deutschen nehmen ein großen Schluck aus dem Weinglas.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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