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Eurokrise: Scheidung droht

Gepostet von am 16 Feb, 2012 in Finanzkrise, Staatsbankrott | Keine Kommentare

Eurokrise: Scheidung droht

So schnell kann es in einer Beziehung gehen. Noch vor wenigen Jahren schwor man sich die ewige Treue: Das war der Gemeinschaftsschwur zwischen Griechenland und Europa. Jetzt, nach wenigen Jahren Euro-Ehe stehen Griechenland und die anderen Mitgliedstaaten vor dem Aus. Man versteht sich einfach nicht mehr, man hat sich, wie heißt es so schön, auseinandergelebt. Zurück bleiben nur noch die Erinnerungen an die schlechten Dinge der gemeinsamen Zeit, vor allem wird der Ton rauh.

Wenn die Liebe verflogen ist, dann auch die Rücksichtnahme auf die Gefühle der jeweils anderen Nation. So poltern EU-Kommission, Euro-Staaten, Junker, Sarkozy, Merkel und Schäuble einfach drauflos, mit manchmal doch sehr verletzenden Aussagen. Die gleichen Akteure wundern sich dann, warum die jeweils andere Seite sie nicht versteht. Es ist halt leicht, vom hohen Ross aus zu sprechen, wenn man nicht bis zum Hals in Schulden steckt.

Es ist einfach, vom Sparen zu reden. Es ist auch einfach, Sparvorschläge und Sparideen vorzubringen, solange man sie nicht im eigenen Land durchsetzen muss. So geschieht es in Richtung Griechenland seit Jahren seitens der Europäischen Union. Und nun kommt der Schlag ins Gesicht der Griechen: Nach Jahren der rigiden Spardiktate aus Europa stellen sich die gleichen Personen hin und fragen unverblümt: Warum wächst die griechische Wirtschaft denn nicht?

Die Griechen sind mittellos, deshalb müssen sie sich die Belehrungen und manchmal auch Beschimpfungen aus Europa anhören. Das ist zwar nicht schön in einer Beziehung, aber leider die Realität. Besonders schlimm muss es für die Griechen sein, wenn aus Europa solche Ideen vorgeschlagen werden wie: verkauft doch griechisches Eigentum wie zum Beispiel die Akropolis. Man stelle sich nur einmal vor, jemand würde den Deutschen sagen, verkauft das Brandenburger Tor. Da kann man nur den Kopf schütteln und an der Kompetenz der Personen zweifeln, die solche Ideen aufbringen. Das tut natürlich weh und lässt die Griechen sich immer weiter von Europa distanzieren. Ein türkisches Sprichwort besagt: man muss den Mundgeruch derer ertragen, die dir etwas zu sagen haben (im Sinne: derer, die dir etwas zu geben haben). Das kann umgangssprachlich der Chef sein, der einem das Gehalt überweist. Bei den Griechen sind es die die Euro Finanzminister und die Troika, die die nächste Tranche freigeben müssen.

Wenn eine Beziehung zerrüttet ist, dann wird der Ton rauh. Man könnte auch sagen kriegerisch. Die Griechen sprechen von einem Krieg einzelner europäischen Nationen, die die Griechen aus dem Euroverbund haben wollen. Die Deutschen sprechen davon, dass die Griechen "Opfer" bringen müssen. Dass es ohne "schmerzhafte" Einschnitte nicht gehen wird. Die Fronten sind verhärtet, die Verteidigungslinien aufgefahren. Die Griechen wollen sich nichts mehr aus Europa sagen lassen. Man hat sich auch nichts mehr zu sagen.

Ist eine Beziehung erst einmal an diesem Stadium angelangt, dann sind die Zweifel an den ehrlichen Absichten des jeweils anderen Partners nicht mehr fern. So sagte Bundesfinanzminister Schäuble: "Man könne sich nicht sicher sein, dass Griechenland auch zu dem stehe, was es jetzt verspreche". Das war ein Frontalangriff auf die europäischen Nachbarn aus dem Südosten des europäischen Kontinents. So sollte man nicht miteinander reden. Nicht, wenn man sich noch helfen will.

Die Antwort aus Athen ließ nicht lange auf sich warten. Der griechische Staatspräsident Papoulias nahm dazu Stellung und sagte "Schäuble beleidigt mein Land". Zurück bleiben die Trümmer einer kaputten Beziehung.

Im Moment befinden sich Griechenland und Europa in der letzten Phase einer Beziehung. Wer gesteht sich das Ende dieser Partnerschaft zuerst ein?

Es ist so: Man hat sich nichts mehr zu sagen und man will sich auch nicht mehr sehen. Da man das aber aus ökonomischen Gründen noch tun muss, versucht man den Schein zu wahren. Außerdem will man vor den Nachbarn nicht derjenige sein, der zuerst aufgegeben hat. Man will auch nicht als derjenige dastehen, der nicht bis zu Letzt gekämpft hat. Trotzdem ist klar, dass beide Parteien, Griechenland und Europa, innerlich schon seit längerem kein Paar mehr sind.

Wer beendet die europäische Leidensgeschichte zuerst? Das ist die Frage, auf die unsere Leser in Kürze eine Antwort bekommen werden. Beide Seiten haben begonnen, Zusagen nicht mehr einzuhalten. Sie spielen die Verzögerungstaktik um zu sehen, bei wem zuerst der Geduldsfaden reißt. 

Entweder sagen die europäischen Nationen, wir können mit den Griechen unmöglich weitermachen oder die Griechen sagen, wir treten aus der europäischen Gemeinschaft aus, ohne euch geht es uns besser.

Wir alle werden die jetzt folgende Scheidung in Europa miterleben.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

 

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