Abstufung: Europa ist sitzen geblieben

Gepostet von am 14 Jan, 2012 in Finanzkrise, Staatsbankrott | Keine Kommentare

Abstufung: Europa ist sitzen geblieben

S&P hat ihre Ankündigung wahr gemacht und hat neun Staaten in Europa eine Senkung der Kreditwürdigkeit verpasst. Man könnte auch sagen “ein schlechtes Zeugnis” ausgestellt. Es ist wie in der Schule. Wenn man schlechte Leistungen erbringt, dann bleibt man sitzen und muss das Schuljahr wiederholen. Sogar einen blauen Brief hatten die betroffenen Nationen erhalten. Gebessert haben sich ihre Leistungen nicht. So ist die Abstufung nur richtig.

 

Bereits gestern Nachmittag hatte S&P begonnen, die Staaten über die Neubewertung zu informieren. Schnell wurde an den Finanzmärkten das Gerücht herumgereicht, dass ein Ergebnis noch am Freitag Abend präsentiert wird. Der Euro reagierte sofort und fiel stark, der DAX segelte ebenfalls nach Süden. Dann beruhigten sich die Gemüter, denn das wichtigste für die Märkte ist die Nachricht, dass Deutschland sein “Triple A Rating” behält. Die Bestnote für den Musterschüler bleibt erhalten.

 

Deutschland soll den Euro-Karren aus dem Dreck ziehen. Es ist ein wichtiges Rad und muss funktionsfähig bleiben, so die Meinung des Marktes. Vor lauter Freude hat man ignoriert, dass das andere Rad des Euro-Karrens (Frankreich) bereits einen Bruch erlitten hat. Die Grande Nation verlor ihre Bestnote. Ob man mit einem Rad noch weitermachen kann, wird im Moment noch nicht thematisiert.

 

Hier kommen die Noten der Ratingagentur Standard & Poor’s, die gestern Abend veröffentlicht wurden. 9 Länder wurden heruntergestuft, 4 davon gleich um zwei Stufen, 5 um eine Stufe.

 

Land  vorher  nachher  um
Belgien AA AA  =0
Deutschland AAA AAA  =0
Estland AA- AA-  =0
Finnland AAA AAA  =0
Frankreich AAA AA-   -1
Irland BBB+ BBB+  =0
Italien A BBB+   -2
Luxemburg AAA AAA  =0
Malta A A-   -1
Niederlande AAA AAA  =0
Österreich AAA AA+   -1
Portugal BBB- BB   -2
Slowakei A+ A   -1
Slowenien AA- A+   -1
Spanien AA- A   -2
Zypern BBB BB+   -2

Quelle: Standard & Poor’s

 

Warum jetzt auf einmal das Durcheinander groß ist, warum man von einem Schaden für Europa spricht und die Ratingagentur als Bösewicht hinstellt, ist nicht ganz klar. Denn es ist nichts passiert, was überraschen sollte.

 

Der blaue Brief wurde doch Anfang Dezember von S&P versandt. Jeder Staat, der in der Zwischenzeit seine Leistungen nicht verbessert hat, wusste doch, was auf ihn zukommen würde. Auch die Staatenlenker wussten, was auf sie zukommt. Somit ist die (wohl künstliche) Empörung eine einstudierte Reaktion.

 

So stand in diesem Blog am 03. Januar 2012 geschrieben: (hier)

Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat ihren nächsten Schritt bereits angekündigt. Es war Anfang Dezember 2011, als sie den Ausblick von fünfzehn der 17 EU Länder auf negativ gesetzt hat. Wenn ein Staat auf die Liste mit dem Ausblick negativ kommt, ist es nicht mehr fern mit der nächsten Abstufung. Es gab noch eine Hoffnung einer Abstufung zu entgehen, indem eine Besserung der Schuldenkrise eingeleitet worden wäre. Dem ist aber nicht so, der letzte EU-Gipfel ging klanglos und ohne Ergebnisse zu Ende. Die Ratingagentur S&P wird ihre Ankündigung jetzt wahr machen.

 

Die Ratingagentur macht nur ihren Job. Der Euro-Karren ist nicht erst seit gestern in den Dreck geraten. Es ist nicht so, als hätte man Europa keine Zeit gegeben, sich herauszuarbeiten. Der Euro-Karren ist schon seit Jahren im Dreck und kein Land in Europa wollte ihn bisher wirklich herausziehen.

 

Besonders dreist war der Kommentar des EU-Währungskommisars Olli Rehn zu den Neubewertungen der Kreditwürdigkeit verschiedener Euroländer. Er sagte, die Abstufungen kommen zu einer Zeit, in der die Länder “an allen Fronten entschlossen auf die Schuldenkrise reagieren“. Also das muss man dem Mann lassen, ohne rot zu werden kann er so einen falschen Satz von sich geben. Die Länder haben bisher nichts an ihrer Schuldensituation verändert. Immer, wenn der Schuh am schmerzhaftesten gedrückt hat, wurden Sparmaßnahmen angekündigt, dann diskutiert und manchmal abgesegnet. Fakt ist aber: die Schulden blieben hoch.

 

Europa hat sich im letzten Jahr nicht mit Ruhm bekleckert. Kein EU-Gipfel und kein Treffen der Euro-Retter hat eine Lösung der europäischen Schuldenkrise bewirkt. Darauf muss eine Ratingagentur reagieren. Das hat S&P gestern Abend getan und den betroffenen Ländern das schlechte Zeugnis ausgehändigt.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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