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Inflation – Deflation. Was denn nun?

Gepostet von am 5 Jan, 2012 in Inflation, Wirtschaft | Keine Kommentare

Inflation – Deflation. Was denn nun?

Die meisten Menschen suchen bei der Antwort zu der obigen Frage eine einzige Antwort. Kommt jetzt die Inflation, bei der die Preise davongaloppieren, oder bekommen wir bald eine Phase, bei der die Preise stetig fallen? Das wäre dann die Deflation. Wer schon einmal in einem Sommerregen gestanden hat, während es regnete und gleichzeitig die Sonne schien, wird die Antwort bereits erahnen.

Es muss nicht nur eines davon eintreffen. Darin liegt ein Denkfehler, dem die meisten Menschen verfallen. In einer Wirtschaftsgemeinschaft können beide Faktoren auftreten, es kann sowohl Inflation als auch Deflation gleichzeitig vorhanden sein. Aber der Reihe nach.

Die Märkte werden derzeit mit frischem Geld geflutet. Erst vor kurzem hat die EZB den europäischen Banken eine halbe Billion Euro geliehen. Aber auch all die Jahre zuvor, während die Finanz- und Schuldenkrise bekämpft wurde, monetisierte die EZB Staatsanleihen von klammen Nationen. So wurde dem Markt immer mehr Geld zur Verfügung gestellt, der sich in einer Preisexplosion entladen muss.

Für eine Deflation spricht, dass das globale Wachstum stark zurückgeht. Für wen soll noch produziert werden, wenn die Bürger immer weniger Geld zur Verfügung haben? An wen soll exportiert werden, wenn andere Staaten rapide sparen müssen? China als letzter Anker des globalen Wachstums sieht das Ende seiner Expansion gekommen. Vielleicht haben Sie es bereits gemerkt, man spricht kaum noch über die aufstrebenden Staaten in Asien, warum auch? Diese Staaten konnten nur solange stark wachsen, solange sie für die USA und für Europa produzieren konnten, das hat sich für die nächsten Jahre erledigt. Sowohl Europa als auch Amerika müssen sparen.

Soweit zu den Rahmenbedingungen der Deflation. In diesem Umfeld des wirtschaftlichen Rückgangs werden im Rahmen des Konkurrenzkampfes die Preise vieler Güter gesenkt. Die Preise fallen. Arbeitnehmer werden durch die schwache Auftragslage entlassen, dadurch haben sie weniger Geld zum Ausgeben zur Verfügung und können weniger Waren nachfragen, dadurch sinkt wiederum die Nachfrage.

Außerdem werden Bürger und Unternehmen aufgrund der unsicheren Lage versuchen, ihr Geld zusammenzuhalten. Die Bürger werden versuchen, das Wenige, was sie haben, zu sparen. Die Unternehmen werden auf Investitionen verzichten. Beides beschleunigt den Preisverfall am Markt, da die verbleibenden Unternehmen um die wenigen verbleibenden Nachfrager/Käufer buhlen müssen. Die Preise fallen weiter.

Es ist nun wichtig, das große Ganze im Auge zu behalten. Inflation, Deflation und Depression sind die Kandidaten, die man beachten muss. Das Zusammenspiel dieser drei ergibt die Antwort, welches Szenario eintreffen wird.

Die Inflation wird sich zu Beginn im Wesentlichen bei den Nahrungsmittelpreisen bemerkbar machen. Schnell folgen dann Preissteigerungen für Güter, die einen inneren Wert haben. Da die Bürger das Ersparte noch irgendwie sinnvoll einsetzen wollen, werden sie zügig noch Arbeiten an Häusern und Garten verrichten lassen. Die Preise für Dienstleistung/Handwerk steigen ebenfalls. Es kommt eine Spirale der Preisanstiege zustande. Preise für Immobilien, für Aktien und für Edelmetalle werden steigen. Es ist aber so, dass eben nicht alle Güter im Preis steigen.

Die Deflation macht sich zu Beginn besonders bei den Konsumartikeln bemerkbar. Der Wettkampf der Unternehmen, noch um die letzten Kunden zu kämpfen, lässt die Preise purzeln. Preise für Unterhaltungselektronik, Textil und Kraftfahrzeuge sinken stark. Der Kampf um die letzten Marktanteile lässt die Unternehmen noch weitere Preiszugeständnisse machen.

Die Deflation ist erstmals eine gefühlt angenehme Sache. Das Papiergeld wird mehr wert, man kann mehr damit mehr einkaufen. Dadurch, dass die Preise stetig fallen, warten die Konsumenten mit ihren Einkäufen, weil die Preise ja in wenigen Wochen noch tiefer sinken werden. Das zwingt die Unternehmen zu weiteren Preissenkungen, da die Nachfrage immer weiter zurückgeht. Die Preiszugeständnisse fallen den Unternehmen am Anfang nicht so schwer. Aufgrund des schwächeren wirtschaftlichen Umfeldes entlassen die Unternehmen ihre Mitarbeiter. Damit gehen die Kosten zurück und für eine kurz Zeit können somit weitere Preissenkungen durchgeführt werden.

Nun wird klar, warum die beiden Szenarien Inflation und Deflation gemeinsam eintreffen werden. Beide Ereignisse finden zur gleichen Zeit statt. Es kommt auf die Betrachtung an, welche Güter und Produkte sich im Preis verändern. Während zum Beispiel Miete, Auto und Computer im Preis fallen, können Kaffee, Milch und Brot im Preis steigen. Es gibt nicht nur das Eine. Es gibt in der Wirtschaft keine Grenze, wo die Inflation oder die Deflation entlangführt.

Genauso wie die Inflation ist die Deflation schleichend. Die Bürger merken keinen Schlag, der eine Veränderung von heute auf morgen ankündigt. Sie gewöhnen sich langsam an den Preisanstieg bzw. Preisverfall.

Es gibt Phasen, in denen die Inflation oder die Deflation dominiert. Wir gehen davon aus, dass durch eine erste deflationäre Schockwirkung der Markt erst einmal zum Stillstand kommt. Das kann durch Bankenpleiten, durch Staatspleiten oder ähnliches beginnen. Mit einem Schlag wird fast jede Transaktion angehalten werden. Die Phase der Deflation dominiert zunächst.

Als Reaktion werden die Zentralbanken das tun, was sie schon immer tun: den Markt mit neuem Geld ertränken. Billigere Zinsen sind nicht mehr drin, da dieses Schwert bereits stumpf ist. Die Flutung führt dann zu einer stark steigenden Inflation. Siehe dazu auch die Ausarbeitung THE GREAT DEPRESSION aus dem Jahre 2009 (hier).

 

Mit freundlichen Grüßen,

 

Ihr

start-trading Team

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