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Eurobonds: Wie die Medien berichten

Gepostet von am 24 Nov, 2011 in Finanzkrise | 1 Kommentar

Eurobonds: Wie die Medien berichten

Im Hintergrund wird heftig verhandelt, ob Eurobonds nun eingeführt werden sollen oder nicht. Das Ziel ist es, den Euro zu stärken. Es sieht so aus, als wollen die meisten Staaten die Eurobonds Lösung haben, bis auf Deutschland, denn die Deutschen sträuben sich noch. Dabei fällt auf, dass die Medien auf Zeit spielen und eine zögerliche Frau Merkel so oft wie möglich platzieren. Untermalt wird die Diskussion um die Eurobonds mit kämpferischen Worten. Die Medien haben einen Plan.

 

Wenn über die Haltung Deutschlands berichtet wird, dann heißt es im Allgemeinen, dass die Deutschen die Pläne für gemeinsame Eurobonds kritisieren. Besonders deshalb, weil die Deutschen Angst vor einer daraus zu erwartenden Inflation haben. “Deutschland hält Eurobonds für den falschen Ansatz“, wird sogleich klargestellt. Damit erst gar keine Diskussion aufkeimen soll: “Eurobonds bleiben für Deutschland ein Tabu“. Gut, die Deutschen wollen scheinbar nicht. Sie scheinen aber im Euroverbund die einzigen zu sein, da die Meldungen immer nur das Land aus der Mitte Europas vorschieben. Über die anderen Nationen wissen wir bisher nichts.

 

Zunächst ist klar: Die Deutschen wollen keine Eurobonds. Das wird in der Presse dann als “Euro-Rettung: Merkel gegen den Rest Europas” ausgewiesen. Gemalt wird das Bild von Schwarz und Weiß, bei dem die Grenzen folgendermaßen abgesteckt sind: Wir Deutschen gegen Euch Europäer. Und damit die starken Deutschen auch entsprechend auftreten, wird das dann mit deutlichen Worten ausgedrückt. Es heißt: “Merkel bügelt Kommissionsvorschläge um Eurobonds ab“. Abbügeln ist schon ein gemeines Wort, nachdem sich die EU-Kommission so viel Mühe mit der Ausarbeitung der Pläne gegeben hat. Die Haltung aus Berlin erzürnt natürlich Brüssel, die Reaktion lässt nicht lange auf sich warten: “Streit um Eurobonds: Barroso sauer auf Merkels ‘Nein’‘”. Zusätzlich wird von Seiten der EU gedroht: “EU Kommissar Barroso “warnt” Deutschland” und mit “Wachsender Druck auf Deutschland” eine Änderung der bisherigen Haltung erwartet. Die Art, wie man zwischen Berlin und Brüssel miteinander umgeht zeigt, dass hier nicht gemeinsam nach Lösung gesucht und gearbeitet wird, sondern dass die Parteien sich in einer giftigen Atmosphäre befinden, in der verhandelt, oder sich eher bekriegt wird.

 

Vorbereitung zu einem JA zu Eurobonds?

Die Medien haben immer Absichten. Wollen sie vielleicht ein JA vorbereiten? Denn die ablehnende Haltung wird mit Schlagzeilen untermalt die zwar ein NEIN schreiben, aber ein VIELLEICHT kommunizieren. Es heißt dann im Artikel “Die Bundesregierung ist bisher dagegen” oder “Deutschland sträubt sich gegen Einführung von Eurobonds” und weiter “Berlin ringt mit Eurobonds“. All die benutzten Schlüsselwörter zeigen den großen innerlichen Druck, mit dem Deutschland um eine Stellung zu den Eurobonds ringt.

 

Die Nachricht, die die Medien transportierten wollen, ist Folgende: Wir Deutschen wollen eigentlich nicht, aber zum Wohle Europas können wir uns mit der Idee von Eurobonds ausnahmsweise anfreunden.

 

So heißt es weiter: “Deutschland könnte unter Umständen zustimmen” und “Merkel will sich Debatte über Eurobonds stellen“. Ach so, plötzlich will man also doch diskutieren. Mit jedem weiteren Tag kommt man scheinbar den Eurobonds näher, denn jetzt beharrt man in Berlin nicht mehr auf seinem bisherigen Standpunkt: “Kein absolutes “Nein” zu Euro-Bonds” wird getitelt. Und mit jeder weiteren Minute schwindet die ursprünglich so “harte Haltung” der Deutschen und weicht einer Zustimmung. Denn nun lauten immer mehr Titel “Die Front gegen Euro-Bonds bröckelt” oder “Risse in der deutschen Front gegen Euro-Bonds“. Die Medien machen den Sack zu, denn so wird der Boden zur  Zustimmung geebnet.

 

Noch ist die deutsche Haltung ein “JA”, das sich noch ziert. Die Beobachter können ein “JA” schon erahnen, aber ein klares Bekenntnis fehlt noch. Dieser Teil kommt aus Hollywood. Die beiden Hauptdarsteller auf der Leinwand werden bald zueinander finden. Noch ist die Situation etwas holprig, aber der Zuschauer kann bereits erahnen wie sich Hugh Grant und Julia Roberts in der Schlusssequenz in den Armen liegen werden. Die Finanzmärkte machen sich schon mal etwas Hoffnung, so heißt es entsprechend “DAX macht einen Satz“.

 

Die Nationen, die in der Kreide stecken, müssen natürlich für die Eurobonds sein. Diese hoffen, dass die Deutschen endlich einknicken bzw. zur Besinnung kommen und der Idee von Eurobonds, die nicht neu ist, zustimmen. Im Grunde geht es um eine gemeinsame Ausgabe von Anleihen als Verbund und nicht mehr als einzelner Staat. Alle haften für alle. Natürlich haben die südlichen Länder gar kein Geld, um im Notfall “haften” zu können. Also haften nur Deutschland und ein bisschen Frankreich.

 

Die Deutschen können selbst entscheiden, wie ihre Zukunft aussieht, mit oder ohne Euro. Das wird aber von den Medien ausgeblendet. Stattdessen wird die Zerrissenheit gezeigt, mit der Deutschland den eigenen Standpunkt verteidigt, aber letztendlich doch ein “Ja zu Eurobonds” sagen wird, obwohl man das scheinbar nicht will. Die Medien haben es geschafft, dass die Leser ein deutsches “Nein” in Erinnerung behalten werden, egal wohin die weitere Reise geht. Das war auch das Ziel.

 

Sollten Sie im Zusammenhang von Eurobonds auch etwas von Stabilitätsanleihen lesen, dann ist das ein und dasselbe. Da das Wort Eurobonds bereits negativ behaftet ist, will man der Sache einen neuen Glanz geben, und nennt es deshalb anders.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

 

1 Kommentar

  1. Die Merkel grenzt unser Land immer recht deutlich vom Rest Europas ab. Ob man das gut findet, kann sich jeder selber überlegen.

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