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Wirtschaftskrise: Die Illusion zerbricht

Gepostet von am 22 Nov, 2011 in Finanzkrise, Wirtschaft | 1 Kommentar

Wirtschaftskrise: Die Illusion zerbricht

Trotz anders lautender Beteuerungen kann man es dennoch fühlen. Die Finanzkrise geht in eine neue Runde und diesmal betrifft es nicht nur die Banken, sondern die Bürger direkt. Das Konstrukt von Schuldenbergen befindet sich im Wanken, es fühlt sich so an, als wenn nur nur noch ein kleiner Schritt fehlt, bis alles zusammenfällt. Das Besondere ist, alles passiert vor unserem geistigen Auge. Wir sind dabei, wie die Illusion zerbricht.

Es war bisher offensichtlich nicht allzu schwer, dem Bürger ein X für ein U vorzumachen. Es begann damit, dass man von Regierungsseite beteuerte, dass die Bankeinlagen in Sicherheit sind. Der Moment, an dem Kanzlerin Merkel und der damalige Finanzminister Steinbrück das Volk beruhigten, ist uns allen noch in Erinnerung. Das passierte natürlich nicht aus Volksnähe, sondern aufgrund der existierenden Gefahr eines Bankenruns. Eigentlich muss man noch einen Schritt zurückgehen um zu verstehen, wann die Illusion begann: es war der Moment, als alle Welt eine Pleite der Lehman Brothers Bank für ausgeschlossen hielt. Viele Offizielle haben nicht einen Moment ungenutzt gelassen um zu beteuern, dass so eine große Bank nicht pleite gehen kann, und es passierte doch. Damit begann offiziell die erste Runde der Finanzkrise.

Der nächste Meilenstein waren die nicht für möglich gehaltenen Staatspleiten in Europa. Jeder, der auch nur das Wort Staatsbankrott in den Mund nahm, sprach gehen eine Mauer der Ignoranz. Das geht überhaupt nicht, wurde vehement beteuert. Und während einige Bürger sich der Beruhigung hingaben, meldete sich Irland als erste Nation Europas zu Wort und musste zugeben, dass die Krise sie in Schieflage gebracht hat. Sie brauchten dringend Geld. Die wirkliche Nummer eins war Island, aber als Staat ist es sehr klein.

Einige Leser werden sich erinnern, wie die damaligen Bekundungen formuliert waren. Irland sei jetzt eine Ausnahme, man könnte daraus nicht gleich ein Problem in Europa herbeireden. Und noch bevor die Tinte auf dem Papier getrocknet war, kam auch Griechenland als Bittsteller zum Vorschein. Auch das griechische Schuldenproblem wurden mit der gleichen Ignoranz  abgetan, wie das der Iren zuvor.

Über den Verlauf der griechischen Krise wurde in diesem Blog viel geschrieben und kann über die Suchfunktion noch einmal nachgelesen werden. Worum es geht, ist: Die Illusion wurde bis zuletzt aufrecht erhalten. Die gleiche Illusion, dass Banken nicht pleite gehen werden und das Staaten nicht bankrott gehen können.

Erst wollte man keinem Staat helfen, dann nur ein wenig, dann über einen Rettungsfonds. Eine einmalige Einzahlung in den Fonds sollte reichen, eine Ausnahme sozusagen. Die reichte aber nicht und musste schnell vergrößert werden. Die Erhöhung der Mittel reichte dann auch nicht. Es war zu jeder Zeit immer falsch, was auch immer gesagt wurde. Jegliches Versprechen wurde nie so eingehalten, wie es versprochen wurde. Man belog das Volk schamlos. Es ging weiter mit den Rettungsmaßnahmen. Dann hatte man eine ganz neue Lösung präsentiert, wie man das Volumen des Rettungsfonds hebeln könne. Die Menschen verstanden nicht, wie aus 440 Mrd. auf einmal über 1 Bio. Euro werden sollten, doch man glaubte den offiziellen Stellen noch. Je wilder die Ideen, desto dreister der Versuch der Täuschung, könnte man meinen.

Die schöne Illusion, "man habe die Sache unter Kontrolle", ist nur Schall und Rauch. Seit genau drei Jahren haben die Verantwortlichen nicht einen Schritt machen können, der eine Besserung der Lage erwirkt hätte. Das ist ebenso traurig wie ernüchternd. All die Beteuerungen von Merkel und Sarkozy haben sich zu keiner Zeit als sinnvoll herausgestellt. Denken Sie nur an die unzähligen Banken Stresstests, die waren alle für die Katz. Denn die Stresstests fanden auch nur zur Beruhigung des Volkes statt, aber gebracht haben sie nichts. Die Illusion war von offizieller Stelle: "Wir  haben die Banken auf Herz und Nieren geprüft, ihr (Bürger) braucht euch keine Sorgen machen". So wahrte man den Schein. Keine paar Wochen später war die belgisch französische Bank Dexia Pleite, die im Test noch als gut aufgestellt befunden wurde. So leicht täuschte man die Bürger.

Wo sind die Ergebnisse der Gipfel, die man so oft anberaumt hatte, um endlich eine Lösung der Schuldenkrise zu erarbeiten? Nein, liebe Leser, es ist so, wie die Realität uns die ungeschminkte Lage die ganze Zeit schon zeigt. Daran ist nichts schönzureden. Die Bürger haben sich aber lieber der Illusion hingeben wollen. Obwohl die Fäden aus den Händen der Lenker rutschen, man will nicht wahr haben, was nicht zu leugnen ist. Die Schuldenkrise ist viel größer, als dass ein paar Regierungsverantwortliche sie lösen könnten.

Auffällig ist, dass all die Medien, die während des ersten Teils der Finanzkrise immer und vehement bemüht waren, eine Verharmlosung der Krise zu erwirken, jetzt genau in die andere Richtung schießen. "Was passiert mit meinem Geld, welche Anlage ist noch sicher, zerbricht Europa usw. sind nur einige Schlagzeilen, mit denen versucht wird, sich wieder bei den Lesern "einzuschmeicheln". Wo waren die Medien, als der Goldkurs noch bei 700$/uz notierte, wo waren die Medien, als der DAX noch über 7400 Punkte gehandelt wurde? Warum haben sie damals nicht gewarnt?

Sie sehen, die Illusion ist permanent um uns, und es ist wichtig, auf seine eigene Urteilsfähigkeit zu vertrauen. Es ist jetzt so, dass dieser Schein am Abbröckeln ist. Hastige Maßnahmen, um weiter eine Scheinwelt aufrecht zu erhalten, bei der alles in Ordnung zu sein scheint, taugen nicht mehr. Neue Regierungen können nichts mehr am Gang der Dinge verändern und frisches Geld verbessert die Lage in der Welt auch nicht mehr.

Aus einer Finanzkrise, mit Bankenkrise, Staatenkrise und  Schuldenkrise, wird jetzt eine Wirtschaftskrise. Die Wachstumsaussichten fallen in sich zusammen, es bleibt nichts mehr von den vollmundigen Versprechungen übrig. Wachstum ist nicht immer das, wofür man es hält. So konnte man sich die letzten Jahre mit Konjunkturprogrammen durch die Krise schleppen, aber die Lage zum Positiven verändern, das konnte man nicht.

Die Bürger realisieren nun, dass man ihnen immer nur Beteuerungen gemacht hat, aber zu keiner Zeit das Versprochene eingelöst hat. Mal werden nach irgendwelchen Sitzungen irgendwelche Ergebnisse gefeiert, um sie dann in wenigen Wochen wieder zu verwerfen. Wer soll unter diesen Umständen noch einmal auf eine Lösung hereinfallen? Wohl niemand.

Jetzt kann jeder eins und eins zusammenzählen, dass wenn alle Länder der Erde sparen müssen, es kaum mehr Nachfrage  gibt, wofür die Unternehmen produzieren müssen. Wenn niemand die Güter kauft, dann wird man auf die Produktion verzichten. Gibt es keine Produktion, braucht man keine Maschinen und braucht keine Mitarbeiter. Willkommen in der Realität.

Die Krise frisst sich nun durch zu den Bürgern. Es ist Zeit, sich der Relität zu stellen. Die Illusion hat lange genug die wirkliche Lage beschönigt. Machen Sie sich selbst ein Bild. Bilden Sie sich selbst ein Urteil.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

Aktualisierung: Einen Folgeartikel zum Thema mit dem Titel "Die Illusion geht weiter" finden Sie: hier

1 Kommentar

  1. Super Blog, Super Artikel. 3 Jahre zusammengefasst. Kurz, prägnant, für jedermamm verständlich. Klasse Arbeit

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