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Trading: Handeln, was man sieht

Gepostet von am 17 Nov, 2011 in Trading | Keine Kommentare

Trading: Handeln, was man sieht

Ein Trader muss dauernd entscheiden, ob er long oder short geht. Dies ist nicht immer einfach, denn was er denkt und wie er handelt, ist nicht immer dasselbe. Um sich die Handelsentscheidung zu vereinfachen, bedient er sich der Hilfsmittel wie der technischen Analyse des Charts oder der Nutzung von Indikatoren. Ist eine Grundlage geschaffen und ein günstiger Einstiegszeitpunkt analysiert, dann schreit der Chart “kaufen”, aber der Trader zögert. Was hält den Trader davon ab, zu agieren?

 

Beim Trading kommt es auf schnelle Entscheidungen an. Zu lange nachzudenken und zu zögern kann in bestimmten Situationen Geld kosten. Zum Beispiel wollen Sie aus einer Position heraus, haben den Finger schon auf dem Verkaufsknopf und wollen noch kurz die nächsten paar Bewegungen des Basiswertes abwarten (vielleicht fällt er noch ein wenig). Während Sie noch zögern, schmilzt Ihr Gewinn hin, weil der Basiswert steigt, obwohl Sie short sind. Short bedeutet, auf fallende Kurse zu setzen, long das Gegenteil.

 

Gut, sagt sich der Trader, an diesem Bereich scheinen also Käufer bereit zu stehen, die den Basiswert nicht weiter fallen lassen wollen. Der eilig beschlossene Plan lautet: Wenn der Basiswert gleich wieder an diese Marke kommt, verkaufe ich. Leider tut der Basiswert dem Trader diesen Gefallen nicht und steigt weiter. Obwohl der Trader immer noch im Plus ist, zögert er zu verkaufen. Der Grund ist einfach. Er hat sich mental einen Ankerpunkt gesetzt. Er weiß, wie weit seine Position bereits im Plus war. Wenn er beispielsweise bereits mit 110 Euro im Gewinn war, warum soll er jetzt mit 70 Euro aussteigen, denkt er sich. Das Gehirn hängt an den 110 Euro und hemmt den Trader, den Verkaufsauftrag abzuschicken.

 

Was vielleicht beim Lesen dieses Artikels als ganz logisch und umsetzbar scheint, also das Verkaufen der Position auch mit 70 Euro Gewinn, ist im echten Börsenhandel etwas ganz anderes. Wer noch nicht an der Börse aktiv war, wird sich das nicht vorstellen können. Es gibt Beispiele, bei denen Privatleute aus wenig Geld ein Millionenvermögen machen konnten und dieses dann wieder verspekuliert haben. Für einen Außenstehen klingt das unverständlich. Der Trader hätte doch die Hälfte weglegen können, heißt es dann oft. Für denjenigen, der gehandelt hat, ist die Lage eine ganz andere. Für ihn ist die Summe erst einmal eine Zahl und er will es vermehren. Wenn das Konto bereits siebenstellig war, dann will der Trader das auch wieder sehen. Gehen die folgenden Trades aber schief und die Verluste verringern sein Kapital, dann erhöht er seinen Einsatz und erhöht auch das Risiko. Er will ja zurück zu seinem Ankerpunkt, nämlich einem siebenstelligen Kontostand. Meist geht die Erhöhung des Risikos ins Auge und der Trader verliert auch den Rest. Jemand, der nicht an der Börse gehandelt hat, kann sich nicht in die Köpfe derjenigen hineindenken, die dem Druck des Marktes ausgesetzt sind. Die Trader müssen sich sowohl gegen die anderen Marktteilnehmer behaupten, als auch gleichzeitig den hohen psychologischen Druck aushalten. Da kann das logische Denken zu kurz kommen. Das ist so.

 

Oft kommt es vor, dass nach einem Anstieg der Basiswert (z.B. DAX) an einen Widerstand angelangt ist und diesen dann langsam aber sicher beginnt zu überwinden. Mit jeder neuen Kursfestsetzung kann man die Überwindung verfolgen. Und obwohl der Trader sieht,  dass der Widerstand gerade gebrochen wird, hemmen ihn seine Gedanken. Er kann einfach nicht einsteigen und seinen Stopp direkt unter die ehemalige Widerstandslinie (jetzt Unterstützung) legen. Sein Gehirn lässt ihn diesen Schritt in diesem Moment nicht ausführen.

 

Es schießen ihm Gründe durch den Kopf, warum der der DAX genug gestiegen ist, dass jeder Anstieg auch einmal ein Ende hat, warum der Index nicht weiter steigen darf und warum der DAX auf jeden Fall eine Verschnaufpause braucht. Außerdem gesellen sich auch die fundamentalen Gründe des Börsenumfeldes zu den bisherigen. Die Schuldenkrise wütet. Wie kann der Markt da weiter steigen, wenn die Staaten bald bankrott gehen werden? Alles für sich genommen sind begründete Argumente, warum der Trader jetzt nicht kaufen darf (kann). Der Trader lässt den Finger vom Kauf.

 

Es passiert, womit nicht gerechnet wurde. Der Basiswert steigt munter weiter. In dem oben dargestellten Fall war der Trader nicht investiert, er wollte aber. Er hat nicht gekauft, als der Widerstand gebrochen wurde. Die Chance ist vertan. Das wurmt umso mehr, weil der Trader doch vor dem Rechner saß und die Gelegenheit nicht genutzt hat. Er hat gesehen, das der Widerstand gebrochen wurde, aber reagiert hat er nicht. Die Stimmung ist dahin.

 

Es kommt bei allen Tradern vor, dass man bestimmte Bewegungen für unmöglich hält. Somit ist unser Trader aus diesem Artikel nicht alleine. Die Charttechnik hat sich genau aus diesem Grund für den kurzfristigen Handel an dem Märkten etabliert. Man kann bestimmte Regeln schon vor dem Eintritt definieren. Jeder Trader kann an Trendlinien seinen Verkaufskurs mit Limit versehen und die Position wird automatisch verkauft, sobald das Verkaufsniveau erreicht wird. Der Gewissenkonflikt wird dadurch vermieden. Der Trader muss nicht zögern und setzt seinen Plan wie vorgesehen um.

 

Beim Trading darf man handeln, was man sieht. Oft sind die ersten Eindrücke des Traders gar nicht verkehrt. Diese werden nur mit den starren Gedanken im Kopf abgeglichen und dann nicht verwirklicht. Wenn also das Gesehene umsetzt wird, dann wird der Trader erstaunt sein, wie richtig sein Gefühl oftmals ist. Es versteht sich, dass “handeln, was man sieht” nicht bedeutet, wild hin und her zu klicken. Einen Plan muss der Trader trotzdem haben.

 

Die Zusammenfassung lautet: Der Trader soll öfter in die eigene Analysefähigkeit vertrauen und diese nicht mit seinen Gedanken zerreden. Die Gedanken passieren nur im Kopf des Traders, der Markt lässt sich dadurch nicht beirren.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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