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Aktienkultur nimmt Schaden

Gepostet von am 16 Nov, 2011 in Börse, Trading | Keine Kommentare

Aktienkultur nimmt Schaden

Die Aktionäre haben ihre  Orientierung verloren. Mal fallen die Aktienkurse ins Bodenlose, um dann am folgenden Tag  himmelhoch zu steigen. Mal ist Italien gerettet, dann wieder nicht. Die Hoffnung lässt die Börsen entzücken, das Ergebnis verbreitet dann wieder Ernüchterung. Es scheint, als bewegen sich die Börsen nur noch in Extremen. Solch starke Ausschläge sind nichts für die Masse, immer mehr Anleger bleiben den Aktienmärkten fern.

 

An einem Tag steigen die Bankaktien in Europa, weil es möglicherweise eine Rettung für einen Schuldenstaat gibt. Am nächsten Tag schmieren sie wieder ab, weil die Rettungsmaßnahme noch nicht zu Ende diskutiert ist. Die Kurse bewegen sich nicht mehr in Schüben, oder in Richtungen, wie das vor langer Zeit einmal üblich war. Bei dem wilden Hin und Her kommt für den Anleger nichts Verwertbares heraus. Wie herum man es auch dreht, die Aktionäre verabschieden sich vom Aktienmarkt, denn für sie gibt es nichts mehr zu verdienen.

 

Die Ausschläge, auch Volatilität genannt, an den Börsen sind grotesk geworden. Was führt zu den Ausschlägen? Zum einen ist da die Technik. Computer der institutionellen Anleger analysieren automatisch die Märkte und handeln mit ultraschnellen Rechnern gegeneinander. Sie verursachen starke Kursbewegungen, die von den menschlichen Anlegern nur verdutzt verfolgt werden. Der Börsianer sitzt nur auf der Auswechselbank und darf zusehen. Wie es aussieht, teilen die Finanzunternehmen den Kuchen unter sich auf, das ist kurzfristig zwar möglich, aber langfristig machen sie die Aktienkultur kaputt.

 

Viele Kursbewegungen sind unverständlich und für viele Marktteilnehmer nicht mehr vermittelbar. Vieles passiert ohne Bezug zur Realität. Die Kurse machen was sie wollen und damit werden die eh schon wenigen Aktionäre in Deutschland auch noch vergrault. An manchen Tagen ist die Diskrepanz von Marktumfeld und Marktverlauf besonders groß. Besonders schlechte Daten treffen dann auf einen DAX, der drei Prozent zulegt. Da kann man als Anleger nur verzweifeln.

 

Sicher, die Börse ist immer psychologisch und der zukünftigen Entwicklung vorraus. Somit muss man ihr eine Toleranz zugestehen, dass Kurse willkürlich ausschlagen. Doch über kurz oder lang finden Kurse zurück zu einer angemessenen Bewertung. Zum Beispiel fallen die Kurse  von Goldmienen Aktien, wenn es nicht so läuft wie versprochen, oder Solaraktien kommen unter die Räder, wenn die zuvor präsentierten Zukunftsaussichten einfach keinen Gewinn abwerfen. Mit etwas Verzögerung pendeln sich die Kurse auf das Niveau ein, auf dem sie einen fairen Wert widerspiegeln.

 

 

Die aktuelle Lage an den Börsen:

Doch wie sich die Situation jetzt an den Märkten darstellt, das ist völlig daneben. Am Beispiel der Commerzbank Aktie kann man gut sehen, wie undurchsichtig der Markt geworden ist. Man sieht anhand des Kursverlaufs wie “fremd” die Aktie den Aktionären geworden ist.

 

 

Die Sprünge sind eklatant. Sie sind viel zu stark für einen DAX Wert. So kann kein Aktionär mehr eine Interpretation über die zukünftige Wertentwicklung wagen, geschweige denn einen Einstieg planen. Im Chartbild ist der Verlauf der Commerzbank Aktie über ein Quartal visualisiert. Zuerst fällt sie von 2,11€ auf 1,46€, dann geht es wieder hoch auf 2,05€ um dann erneut zu fallen auf 1,54€. Danach geht es wieder von vorne los: Wieder folgt ein deutlicher Anstieg auf 2,09€ und schlussendlich ein tiefer Fall auf 1,45€.

 

Zwei Dinge sind hervorzuheben: Während die obigen Angaben Zahlen und Ziffern sind, muss man sich vor Augen führen, dass solche Ausschläge zwischen 2 Euro und 1, 50 Euro in Prozenten ausgedrückt 25-32% des Aktienkurses ausmachen, je nachdem, welchen Ausgangspunkt man nimmt. Das ist viel zu viel, um einen DAX Wert als Anlagemöglichkeit in Betracht zu ziehen.  Ausserdem passieren diese Schwankungen  innerhalb von nur 3 Monaten. Also in nur 12 Wochen bewegt sich die  Commerzbank Aktie vier mal um 30% je Richtung. Da wird auch der stärkste Investor unruhig.

 

Im Gegensatz zu den Anlegern haben die Banken an dem Hin und Her ihre Freude. Zum einen verdienen sie hervorragend an den Provisionen, denn wenn Aktienpositionen bei so starken Schwankungen ausgestoppt werden, dann muss (will) der Aktionär wieder in seine Aktie, sobald sich die Gelegenheit führ ihn ergibt. Oder der Aktionär schwört den Bankaktien ab und schichtet um in defensive Werte. Bei jedem Akienkauf oder -verkauf klingelt dabei die Kasse der Bank, die die Transaktion ausführt. Sie lässt sich für die Dienstleistung gut bezahlen.

 

Zum anderen bekommt die Bank fast zinslos Geld von der Zentralbank und kann damit im Eigenhandel selbst an der Börse investieren. Schwankungen sind gut für die Händler und Trader, da sie, im Gegensatz zu den Aktionären, immer in beide Richtungen agieren. Hauptsache, der Markt bewegt sich, ob hoch oder runter ist unerheblich. Für die professionellen Anleger gilt: Mit jeder Schwankung können über Short- oder Longinvestments Profite erzielt werden.

 

 

Das passiert, wenn Aktionäre keine Aktien mehr kaufen:

Als Leser dieses Artikels könnte man meinen: Ja, so ist die Börse, lasst sie doch handeln. Diejenigen, die sich an der Volatilität austoben wollen, sollen das doch machen. Doch die Sache gestaltet sich nicht so einfach. Denn an der Börse braucht es Käufer und Verkäufer. Wenn also wegen der oben beschriebenen Abläufe die Aktionäre nicht mehr gewillt sind, am Aktienmarkt zu investieren, dann wird keine Börse mehr funktionieren. Denn es wird an der Gegenpartei für ein Geschäft fehlen.

 

Es braucht an der Börse Menschen, die Aktien kaufen und verkaufen. Wenn die Bank an Provisionen verdienen will, dann muss jemand auch eine Aktienposition eingehen bzw. Aktien veräußern. Sonst gibts nichts zu verdienen für das Finanzinstitut.

 

Wenn die Finanzunternehmen Kunstprodukte wie Zertifikate, Knockout-Scheine oder CFDs vertreiben, dann basieren deren Bewertungen auf Basiswerten. Das heisst, es muss Bewegung in Aktien geben, damit die Kunstprodukte sich im Preis verändern. Wenn der Aktienmarkt mangels Interesse ausgetrocknet ist, dann lässt sich auch in diesem Marktsegment nichts verdienen.

 

Fonds und Hedgefonds leben von ihren Kundeneinlagen. Diese Gruppe braucht immer wieder Interessierte, die in Aktien investieren wollen, aber nicht selbst handeln möchten. Die Fonds verwalten das Geld ihrer Kunden und investieren in Aktien. Wenn sich aber die Personengruppe der Käufer von Fondsanteilen vom Aktienmarkt verabschiedet, weil der Markt für sie unverständlich geworden ist, dann verlieren die Fonds/Hedgefonds ihre Einlagen und die Herausgeber der Fonds verlieren ebenfalls.

 

Die Käufer und Verkäufer brauchen sich gegenseitig, weil sie nur zusammen ein Geschäft abschließen können. In der Regel brauchen die großen Spieler die kleinen Anleger, die regelmäßig zum falschen Zeitpunkt kaufen. Wenn also die Bank eine Phase steigender Kurse hinter sich hat und nun eigene Aktien an die Neuaktionäre verkaufen will, dann braucht sie Menschen, die bereit sind auf ihre Lockrufe zu reagieren und Aktien erwerben. Sobald die Investoren dem Aktienmarkt den Rücken kehren, dann sitzen die Finanzinstitute auf ihren Wertpapieren und es kommt kein Geschäft mehr zu stande.

 

Wenn sich also Banken und Broker über das viel zu schnelle Hin und Her an den Märkten freuen, dann ist das kurzfristig gewinnbringend aber langfristig geschäftsschädigend. An der Börse sind die Gewinne der einen die Verluste der anderen. Wenn keine neuen Aktionäre Geld in den Markt bringen, weil sie verschreckt über das Börsengeschehen sind, dann werden auch die Finanzinstitute kaum mehr am Aktienmarkt verdienen können.

 

Es ist wichtig, dass vor lauter Zockerei die Aktienanlage als Investmentmöglichkeit nicht vollständig verunstaltet wird. Es muss noch Hoffnung auf eine Bewertbarkeit einer Aktie und eines Marktes gegeben sein. Wenn, wie in der jetzigen Periode, jede Marktbewegung zum Lotteriespiel wird, dann kann man den Ausspruch “in Aktien anlegen, heisst in Werte zu investieren” getrost vergessen.  Dieses Image ist stark angekratzt.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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