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Italien wieder an der 7% Marke

Gepostet von am 15 Nov, 2011 in Finanzkrise, Staatsbankrott | 2 Kommentare

Italien wieder an der 7% Marke

Italienische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren sind schon wieder an der kritischen 7% Marke angelangt. Die Märkte misstrauen der Regierung Monti, dass sie ihr Schuldenproblem in den Griff bekommt. Kurzzeitig konnte im Rahmen des Rücktritts des ehemaligen Staatschefs Berlusconi eine Art Hoffnung geweckt werden, dass sich nun die Dinge zum Positiven wenden. Doch die Märkte haben den Daumen bereits wieder gesenkt.

Manche Dinge sind so einfach wie klar. Nur weil ein neuer Besen ins Haus kommt, heißt das noch lange nicht, das er besser kehrt. Für den ersten Moment wird der neue Besen den Eindruck erwecken, er sei viel besser als der alte. Sieht vielleicht moderner aus usw. Doch wo soll der neue Besen mit dem Dreck (Schulden) hin? Der alte Besen hat den Dreck unter den Teppich gekehrt und der neue kehrt den Dreck nun unter die Kommode. Der Dreck ist zwar aus dem Blick, aber weg ist er trotzdem nicht.

Was die Hausfrau weiß, scheint für die Anleger neu zu sein. Mit der Ernennung von Mario Monti zum Regierungschef und der Absegnung des Sparpaketes ging ein Freudenschrei durch die Anlegerschar. Die Börsen stiegen rasant und die Zinssätze für italienische Staatsanleihen fielen wieder unter die 7% Marke. Man ging davon aus, dass sich die Lage beruhigt habe.

Jetzt werde sich alles ändern, jetzt kommt Italien zurück auf den Weg der Besserung, dachte man. Menschen fielen sich in die Arme und die Straßen von Mailand bis Sizilien waren voll von hupenden Autos. Sich über den Abgang von Berlusconi zu freuen ist eine Sache, aber die Schulden werden dadurch nicht weniger. Bisher ist ja an den Schulden nichts verringert worden.

Ein Sparpaket ist eine Absichtserklärung. Das ist genauso, als wenn Sie die Absicht haben, Ihr Auto am Wochenende zu waschen. Ihre Frau wird sich freuen. Doch wer weiss, was bis zum Wochende noch passiert? Heute ist erst Dienstag. Vielleicht kommt etwas dazwischen, vielleicht haben Sie keine Lust, vielleicht hat etwas anderes bis dahin Priorität. Es muss nicht einmal an Ihnen liegen, es können auch Ereignisse auftreten, die Sie gar nicht beeinflussen können.

In dem Sparpaket stehen solch abstruse Dinge wie, daß Italien das Rentenalter wie gefordert anhebt. Von derzeit 60 Jahren stufenweise auf 67 Jahre. Die Anhebung auf 67 Jahre ist erst für das Jahre 2026 vorgesehen. Die Umsetzung dieses Punktes im Sparpaket ist also erst in 15 Jahren geplant. Vielleicht wird jetzt klarer, warum die Märkte sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Mit solch "billigen" Ablenkungsmanövern kann man keinen Gläubiger hinters Licht führen.

 

Quelle: Bloomberg

 

Es sind nämlich zwei verschiedene paar Schuhe, ob die EU fordert, dass Italien ein Sparpaket absegnet, damit es eine Hilfszahlung erhält, oder ob Italien sich am Markt finanzieren muss und auf das Geld der "echten" Zahler angewiesen ist.

Die wirklichen Geldgeber trauen Italien nicht zu, dass es den Schuldenberg von 1,9 Billionen Euro auch nur im geringsten abbauen kann. Deshalb ist auch die Rendite der italienischen Staatsanleihen wieder an der wichtigen 7% Marke angelangt. Es heißt, dass ohne Hilfe kein Land eine Staatsfinanzierung bei Zinssätzen über 7% aufrecht erhalten kann. Allein im nächsten Jahr braucht Italien 300 Mrd. Euro frisches Kapital. Welcher Gläubiger soll ihnen das Geld zu akzeptablen Zinssätzen leihen?

Für die Märkte ist der Fall Italien eindeutig. Der Daumen ist bereits gesenkt. Man traut dem Land nicht zu, sich selbst aus der Schuldkrise herauszuziehen. Da ist es unerheblich, was die EU beteuert, die EZB will, oder die italienische Regierung von sich gibt. Das einzige, was noch zu wirken scheint, ist die Blendung der Bürger.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

2 Kommentare

  1. Italien erhält doch (noch) gar keine Hilfszahlungen.

    • stimmt. Die Wortwahl „neue Hilfszahlungen“ kann diese Assoziation hervorrufen. Gemeint ist, dass ein Sparpaket eine Vorbedingung ist, dass es überhaupt Hilfszahlungen geben kann. Wir entfernen das „neue“ aus dem Text.

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