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EZB: überraschende Leitzinssenkung

Gepostet von am 3 Nov, 2011 in Finanzkrise, Wissen | Keine Kommentare

EZB: überraschende Leitzinssenkung

Feuer Feuer Feuer, jemand muss Feuer rufen. Es brennt in der Eurozone. Die Lage ist so schlimm, dass die europäische Zentralbank völlig unerwartet die Leitzinsen um 25 Basispunkte auf nun 1,25% gesenkt hat. Was zunächst als ein Schritt der Schwäche interpretiert werden sollte, lässt die Börsen auf neue Tageshochs springen. Es gibt noch mehr billiges Geld.

Den Weg des billigen Geldes sind die EU-Bürger doch schon so lange gegangen und es hat nichts gebracht. Die amerikanische Notenbank FED macht seit Jahren nichts anderes und flutet die Märkte. Und wo sind sie angekommen? Die Wirtschaft liegt brach und Millionen Amerikaner hungern. Die einzigen, die vom billigen Geld profitieren, sind die Finanzmärkte. Diese schießen in ungeahnte Höhen. Doch man darf eines nicht vergessen. Die Börsen sind eine Welt für sich. Sie sind nicht das echte Leben. Im Falle von den USA heißt es in einem anderen Artikel "Wallstreet ist nicht Amerika".

Die EZB erachtet die Wirtschaft in der europäischen Union als schwach und versucht durch die Leitzinssenkung die Wirtschaft zu stimulieren. Die Rechnung ist aber ohne die Banken gemacht. Zwischen der EZB und der Wirtschaft stehen die Banken, nur diese vergeben die Kredite. In der Theorie sollen sich die Banken zum günstigen Leitzinssatz der EZB Geld besorgen und dann an die Wirtschaft weitergeben. Das machen die Banken aber nicht, weil sie der Wirtschaft nicht trauen und Sorge haben, dass sie das geliehene Geld nicht wieder sehen (Stichwort: Unternehmenspleiten). Die Banken leihen sich das billige Geld von der EZB und investieren es im Eigenhandel an den Rohstoff- und Aktienmärkten. Das ist der Grund, warum die Börsenkurse weiter steigen, ohne dass sich das jemand erklären kann.

Wenn die Wirtschaft schwächelt, dann im Zuge dessen auch die Ergebnisse der Unternehmen. Das bedeutet auch, dass der Aktienkurs fallen wird, weil das Unternehmen in der Bewertung zu teuer wird. Ein Unternehmen, das heute 5 Mrd. Euro im Jahr erwirtschaftet und an der Börse bei gleichbleibender Aktienanzahl 70 Euro kostet, ist offensichtlich zu teuer, wenn das Unternehmen nur noch 2 Mrd. Euro Gewinn macht. Mit einer leichten Verzögerung werden also auch die Aktienmärkte die schwache Wirtschaftslage abbilden.

Kurzfristig interessiert das die Märkte nicht, denn da ist ja noch das billige Geld. Es kaschiert die wirkliche Lage. Wenn immer mehr Geld in den Finanzmarkt fliesst, dann sind die Anleger auch bereit, in dem obigen Beispiel für dieselbe Aktie 90 Euro hinzulegen, obwohl das zu teuer ist. Die Aktienmärkte profitieren kurzfristig von dem günstigen Geld, das die EZB bereitstellt.

Der neue italienische EZB Präsident Draghi hat mit seiner ersten Amtshandlung eine Überraschung gelandet. Warum er das getan hat, bleibt im Dunkeln. Ein Dankeschön für diesen Posten vielleicht, oder eine helfende Hand für Italien, wer weiss das schon.

Die EZB ist für eine stabile Währung verantwortlich. Dass die EZB das nicht so genau nimmt und sich lieber vor den Karren der Politik spannen lässt, konnten wir bereits bei seinem Vorgänger Trichet verfolgen. Die Inflation ist zu hoch in der Eurozone, da wirkt eine Leitzinssenkung wie ein brennendes Streichholz auf Benzin. Ein kaum kontrollierbares Feuer ist entfacht.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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