Viele Fragen sind noch offen

Gepostet von am 28 Okt, 2011 in Finanzkrise | Keine Kommentare

Viele Fragen sind noch offen

Die wesentliche Nachricht aus Brüssel ist: “Viele Fragen sind noch offen”. Und obwohl das so ist, scheint das die Börsen nicht zu stören. Mit einem Kursfeuerwerk quittierten sie die positiven Ergebnisse aus dem EU-Gipfel. Doch niemand weiß warum. Endlich wird die Ursache des Problems anpackt, sagt die Kanzlerin, nur niemand aus der Politik kann sie benennen. Europa ist scheinbar gerettet, aber niemand weiß so recht wie. Es sind einfach zu viele Fragen offen.

 

Besonders verwunderlich war das Kursfeuerwerk an den Börsen. Wie wild stiegen die Börsenkurse den ganzen Tag über, angefacht von Handelssystemen, die jedes Hoch weiter zukauften, egal wie weit der DAX schon war. Zum Schluss wurde ein Kurszuwachs von über 5% erwirtschaftet.

 

Besonders ins Auge fielen die Pluszeichen bei den Bankenwerten. Deutsche Bank und Commerzbank gewannen um sage und schreibe über 15%. Die Banken freuen sich, aber worüber? Die Frage kann nur unbeantwortet bleiben. Jedenfalls bestimmt nicht, weil sie auf 50% Ihrer Investments in Griechenland verzichten müssen. Die Banken verlieren Geld, wovor sie im Vorfeld und in den Diskussionen zur Griechenland Rettung immer gewarnt haben, und die Anleger sind in Ekstase. Was unter normalen Umständen zum Kurseinbruch geführt hätte, war gestern ein Grund zum Feiern. Verkehrte Welt eben.

 

Griechenland sei einer Rettung näher gekommen, wird nach dem EU-Gipfel verlautbart. Die Frage ist nur wie? Stellen Sie sich vor, Sie haben keine Einnahmen mehr und haben nur Rechnungen zu begleichen. Jetzt belaufen sich Ihre Verpflichtungen auf beispielsweise 2000 Euro im Monat, die Sie nicht haben. Jetzt sagt Ihnen jemand einen Schuldenschnitt zu von 50%. Gut, dann müssen Sie jetzt jeden Monat 1000 Euro an Schulden bedienen. Aber auch die 1000 Euro haben Sie nicht. Wie also Griechenland geholfen wurde, um wieder eigenständig zu handeln und nicht mehr am Tropfe der EU zu hängen, bleibt ein Brüsseler Rätsel.

 

Überhaupt, wie ist es möglich, dass die Welt am Vortag des entscheidenden EU-Gipfels am Abgrund stand, und einen Tag später scheinbar alles wieder in Ordnung ist? Wie können Menschen so gebannt auf ein Ereignis fokussiert werden, um am Folgetag vor Erleichterung zu sprühen. Und wie können Anleger Angst um Europas Zukunft haben und die die Aktienkurse trotzdem steigen? Fragen über Fragen.

 

Sind wir Europäer jetzt gerettet? Sind alle europäischen Bürger gerettet oder nur die Griechen? Und wenn die Griechen einen Schuldenschnitt bekommen, was ist dann mit den Portugiesen oder den Spaniern? Bekommen die auch einen Schuldenschnitt? Wie werden die Ratingagenturen reagieren? Ist ein Schuldenschnitt ein Eingeständnis einer Staatspleite oder nicht? Wird sich die Bankenwelt nun verändern? Hat man etwas aus den Fehlern gelernt? Gibt es gesetzliche Regelungen, um einer erneuten Schieflage vorzubeugen? Was ist eigentlich konkret die Lösung, die den Bürgern und den Aktienmärkten als rettende Lösung verkauft wurde?

 

Für ein Problem, das scheinbar gelöst sein soll, sind einfach zu viele Fragen offen.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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