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Sind Stützungskäufe sinnvoll?

Gepostet von am 11 Sep, 2011 in Wirtschaft | 1 Kommentar

Sind Stützungskäufe sinnvoll?

Die Nachbarn aus der Schweiz haben es vorgemacht. Einfach mal handeln und nicht um die Gunst der Märkte buhlen, so wie die ängstlichen EU Parlamentarier aus Brüssel. Die Schweizer Nationalbank (SNB) hat eine Untergrenze für das Umtauschverhältnis Euro/Franken eingeführt. Demnach ist der Wechselkurs auf 1,20 EUR/CHF festgelegt. Diese Untergrenze wird sie mit allen Mitteln verteidigen, liess die SNB veröffentlichen. Die T-Aktie wurde auch mal gestützt, das ging damals ordentlich daneben. Sind Stützungskäufe überhaupt sinnvoll?

 

Stützungskäufe bedeuten, dass jemand einen bestimmten Preis garantiert, an dem ein Kurs gestützt wird. In diesem Fall sagt die SNB (Swiss National Bank): sollte der Wechselkurs des Euro zum Franken unter 1,20 Franken fallen, dann werden wir das nicht “tolerieren” und solange am Markt intervenieren (Euros kaufen), bis der garantierte Wechselkurs wieder hergestellt ist.

 

Warum macht die Notenbank das? Der Schweizer Franken ist eine Fluchtwährung. Dadurch, dass die Welt eine globale Schulden- und Finanzkrise durchlebt, flüchten immer mehr Menschen aus Euros und Dollars in die eben seit langem “sichere” Währung Franken. Diese enorme Nachfrage stärkt den Wert der Währung und macht es den Schweizer Unternehmen unmöglich, auf dem Weltmarkt zu konkurrieren.

 

Die Schweizer Nationalbank will also absichtlich die eigene Währung schwächen, um ihren Unternehmen die Konkurrenzfähigkeit zu erhalten. Was sich erstmal wie eine ehrenvolle Absichtserklärung liest, hat auch seine Tücken.

 

Dazu ein Beispiel aus dem Aktienmarkt:

Einige unserer Leser haben bestimmt die Zeit des Neuen Marktes miterlebt, so auch der Autor dieses Artikels. Folgendes ereignete sich damals, um den Kurs einer großen Aktie zu stützen.

Es begab sich zur Anfangszeit des High Tech Booms im Jahre 1996, als auch die Volksaktie der Telekom das Licht des Börsenparketts erblickte. Erfreut über die sprudelnden Einnahmen, nämlich durch die Ausgabe der neuen Aktien (Ausgabe Kurs 28,50 Mark (14,57 Euro)), plante man gleich die zweite Trance und gab diese im Jahre 1999 zu  einem Preis von 39,50 Euro heraus.

 

Im Fahrtwind der Techblase am Neuen Markt stieg auch der Aktienkurs der Telekom bis auf 103 Euro (Frühjahr 2000). Als dann im ersten Halbjahr 2000 die Kurs wieder abbröckelten, wurden die Medien kritischer und das Volk unruhig. Zu teuer hatten einige Anleger gekauft und nun verloren die Anleger an der Volksaktie, obwohl man eigentlich mit ihr reich werden wollte. Jedenfalls sollte sie die Rente aufbessern, wie der ehemalige Vorstandschef Ron Sommer mal sagte. Das stellte sich als Trugschluss heraus.

 

Der Aktienkurs fiel stetig, auf 85 Euro und dann auch unter 70 Euro. Diejenigen, die zu Preisen nahe 100 Euro gekauft hatten, mussten massive Verluste verkraften. Diejenigen, die bei den ersten beiden Tranchen bedacht wurden, sahen ihre Buchgewinne dahin schmelzen. Das Sentiment an der Börse drohte zu kippen. Vorbei war es mit der gemeinschaftlichen Euphorie.

 

Mitte 2000 nutzte die Telekom die Gelegenheit, noch die letzten Anleger mit T-Aktien zu überschwemmen und gab die dritte Tranche heraus, diese zu einem Kurs zu 66,50 Euro. Doch der Ausgabekurs hielt dem Verkaufsdruck des Marktes nicht stand. Der Aktienkurs der T-Aktie fiel unter den Ausgabekurs und notierte bei ca. 60 Euro.

 

Jetzt wuchs der Unmut in der Bevölkerung. Viele hatten die T-Aktie im Depot und schauten sorgenvoll auf die Verluste, die immer größer wurden. Auch das Unternehmen Telekom sah sich massiven Anfeindungen ausgesetzt. Nicht nur die Bürger schimpften, auch die Medien und ebenso die Analysten ließen kein gutes Haar mehr an dem deutschen Telekommunikationsunternehmen. Kritisiert wurde die viel zu teure Einkaufspolitik des Unternehmens.

 

Hier, werte Leser, kommt der Bezug zu der Aktion der Schweizer Nationalbank und deren Stützungskäufen.

 

Das Management der Telekom rief die Konsortialbanken zusammen. Das waren die Deutsche Bank und Konsorten. Diese hatten die T-Aktie beim Börsengang begleitet. Die Telekom wollte ein Ende der fallenden Kurse sehen. So ginge es nicht weiter. Seit dem Hoch bei 103 Euro fiel der Aktienkurs und die Zeichner der dritten Tranche waren bereits im Minus. Die Banken sollten etwas unternehmen.

 

Die Deutsche Bank und die anderen Banken schlossen sich zusammen und vereinbarten eine Stützung des Aktienkurses bei 63,50 Euro. Immer, wenn der Aktienkurs unter diese Marke fiel, kauften die beauftragten Banken T-Aktien und wenn der Kurs ca. 65 Euro erreichte, beendete man die Stützungskäufe.

 

Wenn etwas garantiert wird, in diesem Fall die Stützung des Aktienkurses bei 63,50 Euro, dann wissen das die anderen Marktteilnehmer natürlich auch. Clevere Anleger begannen nun die T-Aktien bei knapp 65 Euro zu verkaufen und kauften diese bei unter 63 Euro zusammen mit den Konsortialbanken. Tiefer konnte der Preis ja nicht gehen, da sie gestützt durch die Bankenkäufe wurde. So war das war ein sicherer Kauf. Sobald der Aktienkurs etwas stieg, verkauften die Anleger gleich wieder. Das wiederholten sie immer, sobald sich die Gelegenheit ergab.

 

Die Nachteile kamen schnell zum Vorschein. Der Aktienkurs stieg nie weiter als 65 Euro, weil viele Anleger gleich verkauften. Und zweitens, was viel dramatischer war, die Konsortialbanken investierten Milliarden für den Kauf von T-Aktien, welche möglicherweise gar nicht soviel wert waren. Die Depots der Deutschen Bank und anderen quollen über vor T-Aktien und eine Stabilisierung war nicht in Sicht.

 

Die Stützung der T-Aktie gelang nur für wenige Tage. Dann musste die Maßnahme abgebrochen werden. Zum einen konnten auch die Banken nichts gegen die gewaltige Macht des Marktes ausrichten, zum anderen glaubten auch die Finanzinstitute, dass die Aktie zu zum Preis von 63,50 Euro zu teurer  ist. Was als kosmetische Maßnahme geplant war, wurde viel zu gefährlich für die Teilnehmer. Man zog sich zurück aus dem Markt. Als die Stützung ausblieb, fiel der Aktienkurs unter die 60 Euro Marke und dann auch noch weiter ins Boldenlose. Heute notiert sie unter 10 Euro.

 

Die Nachricht dieser Rückblende ist, dass eine Stützungsmaßnahme nicht immer den Effekt haben muss, den man sich erhofft. Das ist im Falle des Wechselkurses vom Euro zum Franken ähnlich dem oben genannten Beispiels der T-Aktie. Die garantierte Intervention der SNB wird die Investoren in die Spekulation auf dieses Währungspaar locken und deren Grenzen voll austesten lassen.

 

Die Schweizer Nationalbank muss das Geld für die Stützung aus ihren Reserven nehmen und wenn das nicht reicht, dann drucken. Das wird den Franken schwächen. Sammelt sie durch Markteingriff zu viele Euros ein, dann geht sie ein gefährliches Spiel mit hohem Risiko ein. Denn Sie setzt alles auf eine Karte und hat mit dieser Aktion den Devisenkeller voll mit Euros. Sollte im Laufe der Zeit der Euro nichts mehr wert sein, weil im Rahmen der Schuldenkrise die europäische Währung zerbricht, dann hätte die SNB alles auf eine Karte gesetzt und verloren. Sie sehen, ganz so einfach ist das nicht mit dem Stützungskauf.

 

Eine Institution die öffentlich eine Stützungsmaßnahme ankündigt, möchte Stärke zeigen und mit diesem Schritt die Märkte abschrecken nicht weiter mit der Währung zu spekulieren. Ob das gelingt, werden wir gemeinsam verfolgen können.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

1 Kommentar

  1. Die Sparer und Großsparer dieser untergehenden Welt müssen sich entscheiden, ob sie alles verlieren wollen oder sicher und mit gutem Gewissen alles behalten dürfen, wenn sie nur auf die Möglichkeit verzichten, weiterhin unverdiente Knappheitsgewinne (arbeitsfreie Kapitaleinkommen) auf Kosten der Mehrarbeit anderer zu erpressen. Als Gegenleistung gibt es eine Welt, in der man leben kann:

    http://www.deweles.de/files/wahrscheinlichkeit.pdf

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