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Eurobonds und EZB Käufe

Gepostet von am 16 Aug, 2011 in Finanzkrise, Staatsbankrott | Keine Kommentare

Eurobonds und EZB Käufe

Die Eurobonds sollen nun die nächste mögliche Rettungsmaßnahme darstellen. Noch ist es nicht soweit, doch hinter den Kulissen wird hart darüber verhandelt. Mit der Einführung von Eurobonds soll ein starkes Signal Richtung Märkte ausgesendet werden, damit diese endlich von Europa ablassen. In die gleiche Richtung arbeitet auch die EZB, sie kauft Anleihen, um die Schuldnernationen zu stützen. Jegliche Intervention wird als Erfolg, als eine Art Rettung, dargestellt. Sie ist tatsächlich nur der letzte Strohhalm, der mit jeder Aktion nur brüchiger wird.

 

Die EZB hat in der letzten Woche für 22 Mrd. Euro in den Anleihemarkt interveniert. Dort hat sie Papiere von Schuldnerstaaten gekauft, die sonst niemand haben will. Das ist eine große Schwäche für für die betroffenen Länder und es zeigt, das die Schuldenorgie von den Märkten nicht mehr toleriert wird. Wenn kein Investor bereit ist, den jeweiligen Nationen noch Kapital zur Verfügung zu stellen, dann ist die Lage ziemlich ausweglos.

 

Die Stützungskäufe, wie der Name schon sagt, stützen, damit niemand umfällt. Sie sind das letzte Mittel. Diese Hilfsmaßnahme wird nun dermaßen oft angewandt, dass auch kein Investor mehr davon beeindruckt ist. Es ist sogar so, dass mit jeder Aktion die Lage schlimmer wird. Dies scheint aber in der EU noch nicht angekommen zu sein. Jedesmal wenn es heißt, der Brand ist gelöscht (zum Beispiel vor der Sommerpause: Griechenland ist gerettet), brennt das Objekt aber weiter. Es wird nämlich nie gelöscht, sondern nur kaschiert. Glaubwürdigkeit sieht anders aus. Wer soll unter diesen Umständen dem Retter noch glauben?

 

Es trägt auch nicht zur Glaubwürdigkeit bei, wenn die EZB 22 Mrd. Euro ausgibt, um Staatsanleihen zu kaufen, und nicht sagt, für welche Papiere sie soviel Geld ausgegeben hat. Auch hier zeigt sich, wie fern die EU/die Politik von dem tatsächlichen Marktgeschehen ist. Die Finanzakteure wissen bereits, daß das Geld vornehmlich für Aufkäufe von spanischen und italienischen Anleihen aufgewendet wurde. Diese Länder sind in schweren Turbulenzen.

 

Oft wird die Intervention der EZB in den Medien als Stärke verkauft, die sie nicht ist. Es ist ein Handeln in größter Not. Denn jedes Mal, wenn die EZB einschreitet, bedeutet das, dass es niemand anderen am Markt gab, der Anleihen von der entsprechenden Nation kaufen wollte (jedenfalls nicht zu den gebotenen Zinsen). Wenn ein Land keine neuen Kredite bekommt, dann kommt der Geldkreislauf zum Stehen. Das darf in den Augen der EZB niemals passieren, denn dann wäre ein Staat der EU bankrott. Wenn ein Staatsbankrott eintritt, wäre auch die EZB Pleite, da sie nur noch wenig Eigenkapital besitzt.

 

Die aktuelle Diskussion um Eurobonds hat ebenfalls die Absicht, eine beruhigende Wirkung auf den Finanzmarkt auszuüben. Auch in diesem Fall soll Stärke bewiesen werden, indem man öffentlich bekundet: “wir alle, die Staaten der EU, stehen für einander ein“. Wenn also Euroanleihen ausgegeben werden, dann haften alle EU Nationen gemeinsam.

 

Auch hier ist es wie im Falle der EZB.  Tatsächlich ist eine Eurobonds Einführung keine Stärke, sondern eine Schwäche. Übersetzt  bedeutet das nämlich: “die meisten unserer Nationen sind nicht mehr in der Lage, selbst Anleihen auszugeben“.

 

Sollten Eurobonds eingeführt werden, würde das in keinem Fall eine Rettung der Schuldenkrise erwirken, sondern die  die finale Phase der Schuldenkrise einleiten. Der derzeit existierende Verbund könnte dann nicht mehr aufrecht erhalten werden. Die EU würde zerbrechen, weil die wenigen zahlenden Länder nicht bereit sein werden, für die Schulden der anderen zu zahlen.

 

Das ist der Hintergedanke einer Eurobonds Einführung. Die EU wird zu einer Transferunion, indem die  starken Länder für die Schulden der schwächeren Ländern garantieren (und bei Bedarf zahlen). Die Anleihekäufer hätten kurzfristg eine höhere Sicherheit für ihr Investment, weil mehr und stärkere Länder für die eingesetzte Summe garantieren als bisher. Für die Einzahler wie Frankreich und Deutschland würden die Kapitalmarktzinsen steigen, da es zu einer Angleichung des Zinsniveaus kommen würde.

 

Doch die Märkte, wie man die Finanzakteure ehrfürchtig nennt, wissen, dass die Einführung der Eurobonds wohl der letzte Sargnagel für die todkranke EU ist. Egal, was die Politik noch probiert, eine Rettung ist nicht mehr möglich. Alle Nationen und die Politik hatten bereits seit mehreren Jahren die Gelegenheit, eine wirkliche Rettung zu erwirken, die Chance wurde nicht genutzt. Das Signal, das man jetzt in Richtung Finanzmärkte senden will, kommt zu spät.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

 

 

 

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