Ayondo Banner

Warum werden Leerverkäufe verboten?

Gepostet von am 12 Aug, 2011 in Börse, Trading, Wissen | 1 Kommentar

Warum werden Leerverkäufe verboten?

Die Schuldigen für den Crash an den Börsen sind gefunden. Es sind die bösen Leerverkäufer. Daraufhin haben die Länder Frankreich, Italien, Spanien, Griechenland und Belgien kurzfristig ein Verbot von Leerverkäufen auf zumeist Finanztitel verhängt. Das soll die fallenden Kurse stoppen und die Marktturbulenzen eindämmen. Es wird versucht, fallende Kurse per Gesetz zu verbieten, dass das nicht möglich ist, weiss der Marktteilnehmer, das Gesetz aber machen Politiker fernab der Realität.

Was Leerverkäufe sind ist hinlänglich bekannt. Jemand leiht sich Aktien und verkauft diese am Markt mit der Hoffnung, dass der Aktienkurs fällt. Später kauft der Leerverkäufer die Aktien billiger wieder zurück. Dann gibt er die Aktien dem Leiher zurück und zahlt ihm eine kleine Gebühr, weil er die Aktien leihen durfte. Die Differenz vom Verkaufskurs zum Wiedereinkaufskurs kann er behalten, dass ist dann sein Gewinn.

Ein Beispiel: Sie leihen sich Commerzbank Aktien von einem Fonds, der die Aktien im Depot liegen hat. Der Fonds denkt sich die Aktien liegen eh herum, also mache ich das Geschäft und verdiene ein paar Euros dabei. Sie bekommen nun 10.000 Aktien der Commerzbank und verkaufen diese für 3 Euro am Markt. Wenige Tage später notiert die Commerzbank Aktie bei 2 Euro und sie kaufen 10.000 Aktien an der Börse zurück. Diese 10.000 Stück geben sie dem Fonds wieder. Als Leihegebühr wurde 4% vereinbart zum Wert der Aktien zum Ausgabezeitpunkt. Das wären 1.200 Euro (30.000 Euro*4%), die der Fond als Gebühr erhält. Für den Leerverkäufer bleiben somit 8.800 Euro Gewinn.

Es wird gerne vorgeschoben, die Leerverkäufer würden über das Streuen von Gerüchten Unternehmen in die Knie zwingen. Aktionäre würden verängstigt werden und daraufhin würden diese ihre Aktien verkaufen. Die Kurse würden damit zum Fallen bewegt werden. Was nicht erwähnt wird: Unter Händlern sind Gerüchte ganz normal, auch für steigende Kurse wird versucht, die Marktteilnehmer zum Handeln zu animieren. Wie ist das, wenn Gerüchte gestreut werden, dass eine AG bald einen großen Auftrag erhalten wird? Schnell positionieren sich die Käufer auf der Kaufenseite und treiben den Kurs nach oben. Jeder möchte vor der Verkündung der guten Nachricht eingedeckt sein. Ob das Gerücht wahr oder unwahr ist, weiss zu diesem Zeitpunkt niemand. Üblich sind ebenso unbestätigte Meldungen über bevorstehende Fusionen und oder super Geschäftszahlen. All das sind Werkzeuge der Händler, die für steigende Kurse sorgen sollen.

Es ist also ein Unding, an den Börsen etwas verändern zu wollen, indem man in das Verhalten der Marktgesetze eingreift. Die Ursache für solch ein Handeln ist darin begründet, dass steigende Aktienkurse einen Wohlstand bedeuten. Wenn Aktien steigen, dann werden die Aktionäre zum Gewinner. Deren Depot steigt an und die Inhaber werden wohlhabender. Unternehmen sind mehr wert, wenn der eigene Aktienkurs steigt.

Tatsächlich weiss aber jeder, der sich mit der Börse beschäftigt hat, dass die Preise für Aktien Schall und Rauch sind. Ob nun eine BMW Aktie heute 58 Euro oder morgen 53 Euro kostet, macht für das Wohl des Unternehmens keinen Unterschied. Wer weiss denn, ob die Bewertung bei 58 Euro nicht zu hoch und bei 53 Euro gerechtfertigt ist. Deshalb sind Aktienkurse kein echter Wertmesser. Der Einfachheit halber werden Aktien als Zahlungsmittel (z.B. bei Firmenübernahmen) nicht berücksichtigt.

In den letzten Tagen waren die Medien voller Schuldzuweisungen, warum die Märkte verrückt gespielt haben. Oft waren es die bösen Hedgefonds, die leerverkauft haben; es waren die Handelssysteme, die agressiv mit verkauft haben; es waren die ausgelösten Stopp-Loss-Aufträge, die den Markt immer tiefer haben fallen lassen. Aber auf die einfachste Lösung kam niemand: Die Anleger wollten ihre Aktien verkaufen.

Bei der Funktionsweise der Börse sind die Werkzeuge der Käufer und der Verkäufer immer ausgeglichen. Das weiss derjenige, der schon einmal gehandelt hat. Aber nicht die Politk, die fernab der Handelssäle agiert.

Wie das Ying Yang Symbol herrscht eine Balance zwischen den Kräften. Wenn also die Kurse durch die obigen Gründe zum Fallen gebracht werden, dann ist dies ebenso möglich für steigende Kurse. Zum Beispiel positionieren sich kapitalstarke instituionelle Anleger am Markt und kaufen Aktien verschiedener Unternehmen und treiben deren Kurse in die Höhe. Trendfolgesysteme der Handelscomputer erwachen zum Leben und kaufen in den Trend hinhein und lassen die Kurse noch weiter steigen. Der Gegenpol für Verkaufsaufträge, die durch Stopp-Loss initiert werden, ist die Eindeckung der Shortpositionen von Leerverkäufern. Das heisst, da die Aktien steigen, sind die Leerverkäufer offensichtlich falsch positioniert, sie machen mit jedem Kursanstieg einen größeren Verlust. Daher sind sie gezwungen, ihre Aktien am Markt zurück zu kaufen, um die Shortposition zu schliessen. Dadurch werden sie zm Käufer an der Börse und erhöhen die Nachfrage nach Aktien, die Kurse steigen weiter, noch mehr Shortseller kommen in Bedrängis und auch diese müssen ihre Aktien am Markt zurückkaufen. Ein extremes Beispiel, bei dem Leerverkäufer in Bedrängnis kamen, ist die VW-Aktie.

Es ist also unrichtig, wenn nun diejenigen Marktteilnehmer als Bösewichte hingestellt werden, die ein Interesse daran haben, fallende Kurse zu sehen. Fallende Kurse gehören zum Handel an der Börse wie der Hahn auf den Kirchturm. Jeglicher Aktionismus, der jetzt zu Tage kommt, wird bald wieder verschwinden.

 

Einen ausführlichen Artikel, wie Leerverkäufe funktionieren und worin der Unterschied zur herkömmlichen Fondsstrategie besteht, finden Sie: hier

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

1 Kommentar

  1. Mit Gerüchten kann man schon die Trader zum handeln bringen, das ist aber nichts neues. Das wird also nicht die Uhrsache für den Crash sein. Wenn aber alle genannten Tetsachen auf Mal zusammen eintreten, dann könnten das wohl die Uhrsachen sein.

Trackbacks/Pingbacks

  1. Kleine Presseschau vom 25. Juli 2012 | Die Börsenblogger - [...] Tim Schäfer: In welchen Fällen “Buy and Hold” funktioniert und wann nicht start-trading.de: Warum werden Leerverkäufe verboten? [...]

Leave a Reply

Share This