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Schuldenschnitt, aber unauffällig

Gepostet von am 19 Jul, 2011 in Finanzkrise, Staatsbankrott | Keine Kommentare

Schuldenschnitt, aber unauffällig

Verfolgt man dieser Tage die Nachrichten, dann erkennt man, dass die Meinung zu einem Schuldenschnitt in Griechenland sich dreht. Noch vor wenigen Wochen war dies undenkbar, doch jetzt will man endlich ein Signal an die Märkte senden. Man will eine Lösung präsentieren. Diese soll Griechenland die Schuldenlast nehmen, die Banken schonen und vor allem die Ratingagenturen blenden.

 

Der einzig wichtige Punkt bei der unendlichen Geschichte des europäischen Schuldendramas ist, wie kann die EU eine Lösung forcieren, bei der die Ratingagenturen diese auch als Lösung akzeptieren? Denn die Angst sitzt im Nacken, dass eine Lösung vorgestellt wird, diese dann umgesetzt werden soll, und die Ratingagenturen darauf mit einer “Default” Wertung für Griechenland die Staatspleite aktivieren.

 

Denn davor haben die Politiker Angst. Eine Staatspleite in der EU soll auf keinen Fall eintreten. Besonders die EZB weigert sich strikt gegen einen Schuldensschnitt, denn sie weiss genau, dass dann die EZB in Schieflage gerät. Eine Grafik, wie das Verhältnis zwischen Eigenkapital und Verbindlichkeiten der EZB aussieht, ist in dem Artikel “EZB ist Pleite” dargestellt. Auch der neue Bundesbankpräsident Weidmann möchte einen Schuldenschnitt in Griechenland vermeiden. Er gehört zur EZB und weiss über die Folgen genauestens Bescheid. Er darf keinen Schuldenschnitt befürworten.

 

Die Politk ist im Gegensatz zur EZB etwas aufgewacht und sieht die Unabwendbarkeit eines Schuldenschnitts. Bisher wurde schon Geld an die Helenen überwiesen und bald darauf brauchte man wieder frisches. So kann es nicht weiter gehen. Das kann man den Steuerzahlern auch nicht mehr vermitteln. Damit die Griechen endlich auch einmal zu Luft kommen, muss man ihnen etwas von der Schuldenlast nehmen. Aber wie?

 

Denn die Wächter über die griechischen Staaatsanleihen stehen bereit. Die großen drei Ratingagenturen Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch nehmen jeden Lösungsvorschlag gleich auseinander und sie können mit ihrem Urteil die nächste Finanzkrise in Gang setzen, sollte die wie auch immer geartete griechische Lösung nicht ihre Aktzeptanz finden.

 

Ein zugegeben simpler Trick der Politik war es, keinen Schuldenschnitt auszurufen, sondern den Gläubigern folgenden Deal vorzuschlagen. Dabei sollten die Gläubiger die aktuellen Schuldtitel gegen langlaufende tauschen. Die Freude der Politik, man erinnere sich nur an Sarkozy und Merkel vor den Kameras, die diese Idee Mitte Juni ausgearbeitet hatten, währte nicht lange. S&P machte sofort klar: Das ist ein versteckter Schuldenschnitt. Wir werden das mit einem Zahlungsausfall werten.

 

Damit war die Idee gestorben. Es wird also in der EU nun eiligst eine Lösung gesucht, die dann am Donnerstag beim Krisengipfel verabschiedet werden kann. Es muss eine sein, die die Ratingagenturen blendet. Eine die so aussieht wie: Die Griechen zahlen ihre Schulden schon, wenn auch anders als normalerweise, irgendwie später, oder sonstirgendwie.

 

Sie sehen schon, es klingt nicht überzeugend, wie die Politiker die Märkte beruhigen wollen. So wird das nichts. Entweder sie finden innerhalb kürzester Zeit einen rettenden Vorschlag oder es sieht düster aus für uns alle. Denn die Kosequenzen einer “keine Lösung”, die ist für niemanden absehbar. Es muss also eine Lösung sein, die die Ratingagenturen mittragen. Denn nur diese können eine Finte der Politik aufdecken bzw auffliegen lassen. Alle anderen stecken irgendwie in der Lösungserarbeitung mit drin und werden jegliche Rettung bejubeln, auch wenn sie keine ist.

 

Die Politiker in Brüssel brauchen sich nichts vormachen. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, in wenigen Tagen eine Lösung aus dem Hut zu zaubern. Die Politik hat in mehreren Jahren keine Lösung erarbeitet, warum also sollte es jetzt klappen? Ein Schuldenschnitt ist unausweichlich, das muss nun eingestanden werden, obwohl man es lange geleugnet hat.

 

Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass Ende dieser Woche ein Schuldenschnitt für Griechenland präsentiert wird. Aufzupassen gilt es bei der genauen Formulierung. Der Schuldenschnitt muss als eine gute Lösung herhalten, die auch die Ratingagenturen mittragen, oder zumindest soweit blenden, dass diese keinen Default ausrufen.

 

Da die Hoffnung äusserst gering ist, dass so ein Coup gelingt, ist diese Woche eine äußerst spannende. Der Goldpreis zeigt bereits die Nervosität an und notiert fest über 1600$/uz. Es bleibt spannend.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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