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US-Jobmarkt ist miserabel

Gepostet von am 15 Jul, 2011 in USA, Wirtschaft | Keine Kommentare

US-Jobmarkt ist miserabel

Die Arbeitsmarktsituation in den USA war schlecht, ist immer noch schlecht und wird noch schlechter. Diese Erkenntnis ist zwar nicht neu, aber der Arbeitsmarkt wird immer wieder ausgiebig diskutiert, es wird gemutmaßt, und von Besserung geredet. Die Realität sieht dann ganz anders aus. So auch geschehen letzte Woche, bis die Ernüchterung folgte. Die Finanzmärkte reagierten entsprechend. Der DAX sprang zunächst hoch und fiel dann tief.

Am Donnerstag den 7. Juli hungerten die Börsianer geradezu auf die vorläufigen Arbeitsmarktzahlen des Dienstleisters ADP. Dieser versetzte die Märkte dann auch in Feierlaune, weil 157.000 neue Jobs im Privatsektor geschaffen worden sein sollen, obwohl nur 95.000 erwartet worden waren.

Eine wichtige Frage drängt sich auf: Wer hat sich bei den Erwartungen dermaßen verschätzt? Haben die Analysten geschlafen oder der Dienstleister ADP sich vertan? Eine Abweichung von Plan-Zahl zu Ist-Zahl um 65% zeugt nicht von großem Vertrauen in die Ausarbeitung. So waren die Meldungen dann im Ticker auch übersäht mit dem Worten "unerwartet" und "überraschend". Keiner hatte mit solch einer starken Besserung des Arbeitsmarktes gerechnet.

Bei der Präsentation dieser Zahlen muss natürlich auch hinterfragt werden: Was bedeutet es, wenn 157.000 neue Jobs geschaffen wurden? Nehmen wir an, alle diese neuen Stellen sind gering bezahlt. Zum Beispiel die neuen Beschäftigten arbeiten im Supermarkt hinter der Kasse und helfen Tüten einpacken. Jeder bekommt nun die Stunde 4$ und arbeitet täglich 8 Stunden. Dann sind das 32$ am Tag und bei 30 Tagen sind das 960$ im Monat.

Der Arbeitnehmer muss davon seine Krankenversicherung und seine anderen privaten Versicherungen bezahlen, dann seine Miete oder Darlehen auf sein Haus, möglicherweise Kreditkartenschulden abtragen und sich noch Benzin und Lebensmittel kaufen. Sie sehen, damit kann keine dieser neu geschaffenen Stellen die amerikanische Wirtschaft anschieben, geschweige denn den Konsummotor in Bewegung setzen. Eine neue Stelle ist nicht gleich ein neuer Boost für die amerikanische Wirtschaft, darauf will das vorherige Beispiel hinaus.

Die Märkte wollten aber feiern, der DAX sprang gleich um 30 Punkte nach der Veröffentlichung nach oben und gemeinsam mit den anderen Indizes wurde die gute Stimmung auch bis in den Feierabend mitgenommen. Das war am Donnerstag.

Am Freitag den 8. Juli begannen die Märkte erneut euphorisch und der DAX machte sich auf, um über 7500 Punkten zu notieren. Dieser Ausflug nahm dann ein jähes Ende als um 14:30 Uhr die tatsächlichen amerikanischen Arbeitsmarktzahlen veröffentlicht wurden. Diese sind von öffentlicher Stelle und nicht von irgendwelchen privaten Dienstkleistern. Die Zahlen waren katastrophal.

In dem riesigen Land USA wurden im Juni nur 18.000 neue Stellen geschaffen. Im Privatsektor wurden 57.000 Stellen neu geschaffen (der ADP Bericht vom Vortag sprach von 157.000 Stellen) und im öffentlichen Sektor wurden 39.000 Stellen gestrichen. Saldo sind die soeben erwähnten 18.000 Stellen. Das ist nichts.

Die USA ist in einer sehr schlechten wirtschaftlichen Lage und muss sich dies endlich auch eingestehen. Egal ob die Wallstreet feiert und die Börsenkurse steigen oder nicht. Die meisten Menschen haben keine richtige Arbeit. Die Arbeitslosen werden fortlaufend mehr und nicht weniger. Die Zunahme zeigt sich auch in der Arbeitslosenquote welche um 0,1 Prozentpunkte auf 9,2 Prozent gestiegen ist. Trotz zahlreicher Konjunkturprogramme bessert sich die Lage am Arbeitsmarkt nicht.

Die Märkte reagierten schockiert. Am Donnerstag noch gefeiert und am Freitag folgte die Ernüchterung. Wie ein Strich fiel der DAX um über 100 Punkte. So schnell konnten die meisten Marktteilnehmer gar nicht verkaufen, wie die Kurse fielen. Die Börsianer wollten sich eine Erholung der US-Konjunktur herbeireden und wurden kalt erwischt.

Man kann um das amerikanische Problem drum herumreden, aber Fakt bleibt: Die USA hat heute keine flächendeckende Industrie, um seine Menschen dauerhaft beschäftigen zu können. Das meiste der produzierenden Arbeit hat man ins billige Asien verlagert. Und nur von Dienstleistung kann keine Nation ewig leben.

Der so wichtige Konsummotor für die amerikanische Wirtschaft (ca. 70% der amerikanischen Wirtschaftsleistung beruht auf dem Konsum) wird sich also in kurzer Zeit nicht erholen können, diese Erkenntnis konnte sich Ende letzter Woche bei allen Beteiligten durchsetzen. Auch die weltweiten Börsen. Diese schmierten teilweise drastisch ab.

Es wird bereits von einer Arbeitsmarktkrise in den USA gesprochen. Die USA sollten nicht auf eine Erholung der eigenen Wirtschaft hoffen, sondern eher hoffen, dass die Rezession nicht noch schlimmer ausfällt, als sie bisher schon ist. Die Lage am Arbeitsmarkt bleibt vorerst schlecht.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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