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Griechenland – so einfach ist das

Gepostet von am 20 Jun, 2011 in Finanzkrise, Staatsbankrott | Keine Kommentare

Griechenland – so einfach ist das

Dieser Artikel soll dem Leser die Möglichkeit geben, einen Moment inne zu halten und sich das Schuldendrama um Griechenland etwas aus der Distanz anzusehen. Man kommt nämlich durcheinander, wenn dauernd von deutschen Hilfen, faulen Griechen, gierigen Spekulanten und bösen Ratingagenturen gesprochen wird. Am Ende weiß niemand mehr, wer schuldig und wer unschuldig ist. Alle beschuldigen sich gegenseitig und eine Lösung des Problems ist nicht in Sicht.

 

Das Schuldenproblem wird viel zu hoch gekocht und dermaßen verkompliziert, dass es nur wenige verstehen. Besonders die Bürger sollen von einer Lösungsfindung ausgeschlossen werden. Der Grund ist einfach: ein Sachverhalt wird verkompliziert, damit die Ursache, das wahre Problem, nicht angepackt wird. Das ganze Gezeter um eine Lösung dient nur dazu, die Bevölkerung von den wahren Schuldigen abzulenken.

 

Zu verantworten haben das Schuldenproblem in Griechenland die Gläubiger, die in diesem Land investiert haben. So einfach ist das.

 

Keine Schuld haben die Bürger Europas, die haben mit dem griechischen Schuldenproblem nichts zu tun. Oder haben Sie irgendeine Bank oder eine Versicherung beauftragt, in Griechenland zu investieren? Ihre Schuld ist es nicht.

 

Die Lage ist nämlich so: da saßen windige Vorstände von zumeist Finanzinstituten zusammen und haben sich, anstatt z.B. in deutsche Staatsanleihen zu investieren, lieber hochverzinste griechische Staatsanleihen gekauft. Die werfen eine bessere Rendite ab. Und wenn das Geschäft positiv ausgeht, dann macht sich das gut im Geschäftsbericht und macht sich natürlich auch bemerkbar im Bonus.

 

Jeder Investor wusste was er tat, als er griechische Papiere kaufte. Das ist wichtig und sollte jedem EU-Politiker, der um neue Rettungshilfen schachert, auch so deutlich gesagt werden. Die Investoren haben sich bei vollem Bewusstsein für ein Engagement in Griechenland entschieden, also sollen sie auch die Verantwortung dafür tragen, wenn es Verluste zu beklagen gibt. So einfach ist das.

 

Um noch einmal die Einleitung dieses Artikels aufzugreifen: von den Medien und von der Politik wird die aktuelle Schuldendiskussion verkompliziert, damit keiner die wirklichen Schuldigen ausmachen kann. Dahinter steckt Absicht. Ist Ihnen aufgefallen, dass die wahren Schuldigen nun unschuldig sind und die Unschuldigen schuldig? Die Finanzinstitute werden umworben, werden um mögliche freiwillige Hilfen gebeten, sie werden geschützt und geschont. Der Bürger, der außer im Urlaub gar nichts mit Griechenland zu tun hat, wird mit den drastischen Worten wie „unausweichlich“, „systemrelevant“ und „Kollaps des Finanzsystems“ zu einer Rettung gedrängt. Die Tatsachen werden permanent verdreht.

 

Wenn die Gläubiger nun schimpfen wollen, die Ratingagenturen hätten ausgewiesen, Griechenland wäre sicher, dann ist das ausschließlich das Problem der Investoren. Diese haben am Ende den Vertrag geprüft und die Unterschrift darunter gesetzt. Und wenn sie immer noch ein Problem mit den Ratingagenturen haben, dann sollen diese das doch untereinander klären. Im Juristendeutsch besteht das Problem „im Innenverhältnis“. Also nur zwischen den beiden beteiligten Vertragsparteien. Wie kommt der EU-Bürger dazu, für die Fehlinvestition die Schulden zu bezahlen?

 

Es muss immer wieder gesagt und wiederholt werden. Die EU-Bürger haben mit dem Schuldenproblem in Griechenland (und in jedem anderen Land) nichts zu tun. Nutzen Sie die Kraft der Wiederholung. Dann wird es sich festigen.

 

Die Politik macht nämlich genau das Gleiche. Sie wiederholt vehement, wie ausweglos die Situation ist, wie katastrophal die Auswirkungen sein werden, und dass eine Hilfe unausweichlich ist, zum Wohle aller. So wird die Bevölkerung auf ein „muss geholfen werden“ geprägt, obwohl das nicht wahr ist.

 

All die Kumpane um Juncker und Barroso herum wissen auch nicht, was die Auswirkungen einer Staatspleite sein werden. Sie machen den Bürgern nur Angst und schützen die Finanzindustrie. Es geht fortwährend nur um die Frage: müssen die Banken und Versicherungen ihre Verluste in ihren Bilanzen ausweisen. Ist Ihnen das einmal aufgefallen? Es geht nie um eine wirkliche Rettung eines Landes, es geht immer um die Rettung der Finanzindustrie.

 

Im Moment wird mit jeder kleinen Hilfe, mit jedem neuen Treffen, nur Zeit gewonnen. Zeit, die die Banken und Versicherungen brauchen, um sich von den griechischen, portugiesischen oder anderen gefährlichen Papieren zu trennen. Die EZB kauft die Ramschpapiere auf. Wenn es dann zu einer Staatspleite kommt, dann macht nämlich die EZB den Verlust und nicht die Unternehmen aus der Finanzindustrie. Die EZB erhält ihre Gelder von den Beiträgen der jeweiligen Länder, und die sammeln die Gelder beim Steuerzahler ein. Am Ende zahlt wieder der Bürger.

 

Es wird dauernd auf Griechenland gezeigt und beschuldigt, das ist aber nur die halbe Wahrheit. Die Griechen haben nur das Geld genommen, das man ihnen gegeben hat. Wenn Ihr Nachbar einer einfachen Arbeit mit einfachem Lohn nachgeht und von Luxus träumt, dafür von zehn verschiedenen Banken einen Kredit für PKW, Möbel, Elektrowaren, also für Konsumausgaben bekommt, dann das Geld ausgibt und somit den Kredit nicht bedienen kann, dann ist der Schuldige die Bank und sie muss mit dem Verlust leben. Das ist logisch.

 

Die verschiedenen Banken hätte nie mehrere Kredite an Ihren Nachbaren gewähren dürfen. Ebenso hätten die Banken und Versicherungen nicht soviel Geld auf einmal in griechische Anleihen investieren dürfen. Es hat sie ja niemand gezwungen. Was für 99% der Menschen völlig logisch ist, ist für die Politik etwas ganz anderes. Die Politik spricht ihren Bürgern die logische Denkfähigkeit ab und stellt die Sache viel komplizierter dar. Warum? Um die Spuren zu den tatsächlichen Tätern zu verwischen.

 

Es ist aber nicht kompliziert. Die Banken und Versicherungen haben gezockt und in Griechenland falsch investiert. Dabei haben sie ihr Risikomanagement nicht eingehalten. Wer das Risiko eingeht, muss auch mit den Verlusten leben. So einfach ist das.

 

Eine letzte Anmerkung: es wird bei der Berichterstattung immer nur die Organisation ( Banken, Versicherungen, Finanzindustrie im Allgemeinen) benannt, aber die Gesichter werden nie präsentiert. Irgendwer in der Bank hat seinerzeit den Kauf von griechischen Staatsanleihen angewiesen, die Verträge unterschrieben, die Transaktion durchgewunken und die Buchhaltung hat das Geschäft gebucht. Es gibt also genügend Mitwisser dieses Vorgangs, die man zur Verantwortung ziehen kann. Welcher Vorstand hat hier Mist gebaut? Welcher Aufsichtsrat hat geschlafen? Wer hat das Dilemma mit den griechischen Papieren zu verantworten? Eine Aufarbeitung wäre so einfach, wenn man nur wollte.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

 

start-trading Team

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