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Porsche – wie konnte es soweit kommen?

Gepostet von am 27 Jun, 2009 in Börse, Wirtschaft | Keine Kommentare

Porsche – wie konnte es soweit kommen?

Immer wieder stellen sich Anleger die Frage: Wie kann ein so ein erfolgreiches Unternehmen wie Porsche, das in den letzten Jahren Milliarden verdient hat, plötzlich vor der Insolvenz stehen? Das Unternehmen hat doch erfolgreich Autos verkauft und müsste doch vor Gesundheit strotzen?


Für die interessierten Anleger bleibt nur die Verwunderung und der Wunsch, zu erfahren wie es zu dieser Situation kommen konnte.


Wir erklären in unserem heutigen Artikel in einfachen und klaren Worten, wie es zu dieser kläglichen Situation des Sportwagenherstellers kommen konnte.


VW und Porsche waren schon einmal Thema in einem unserer vorherigen Artikel, nämlich als die VW Aktie plötzlich auf tausend Euro gestiegen ist. Den Artikel können Sie unter folgendem Link nachlesen: (hier)


Wir schließen hier an den obigen Artikel an. Die Absicht von Porsche ist die Kontrolle bei VW. Dafür hat Porsche aus verschieden Mitteln 74,1% der VW Aktien gekauft, beziehungsweise sich die Aktien durch Call Optionen gesichert. Das bedeutet, sie kaufen heute die Kaufoptionen für eine VW Aktie. Die VW Aktie wird zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft fällig. Der Inhaber der Call Option kann am Stichtag den Verkäufer (meist Banken) zur Herausgabe der Aktien auffordern. Sofern man die Call Optionen selbst bezahlt hat, ist das auch kein Problem


Nun muss man wissen, dass Porsche dieses heiße Geschäft mit fremdem Geld getätigt hat; das bedeutet, es waren Kredite von Banken. Die Banken wiederum haben ein natürliches Interesse ihr geliehenes Geld so weit wie möglich zu schützen. Deshalb gehen diese ein Gegengeschäft ein und verpflichten Porsche über Put Optionen bei fallenden VW Kursen Aktien abzunehmen oder die Wertsteigerung der Put Optionen auszuzahlen.


Zusammenfassung:
Porsche will die Mehrheit bei VW. Dafür kauft es Aktien und Call Optionen. Die Transaktion wird durch Fremdkapital finanziert. Die Kapitalgeber sichern sich das Geschäft mit Porsche über Put Optionen auf VW. Dies tun sie für den Fall der Fälle, dass der Aktienkurs wieder Erwarten fällt.
Nun hat es Porsche aus verschiedenen Gründen nicht geschafft VW zu übernehmen, deshalb häufen sich die Probleme:


Erstes Problem:
Der Aktienkurs fällt im Oktober 2008 und Porsche läuft Gefahr, Geld nachschießen zu müssen. Aus der Not heraus gibt Porsche die im obigen Artikel erwähnte ad-hoc Nachricht heraus und katapultiert die Aktie nach oben. Weg von der Marke an der entweder die Put Optionen ausgezahlt werden müssen, oder Porsche die dem Put Schein zugrunde liegenden VW Aktien kaufen muss. In beiden Fällen würde Porsche mehr Geld benötigen.


Zweites Problem:
Sind die Put Optionen nicht fällig, weil der Kurs hoch genug steht, dann müssen die Call Optionen bezahlt werden. Die Banken haben den Kauf getätigt und wollen nun die VW Aktien an Porsche abgeben. Porsche braucht Geld.


Das gleiche Muster hat die Schaeffler Gruppe genutzt. Über verschiedene Banken hat sie Call Optionen kaufen lassen, damit sie Continental übernehmen konnte. Als die Firma Schaeffler das Geld aufbringen musste, um die Continental Aktien zu erwerben, fehlte ihr schlichtweg das Geld. Aufgrund der schwierigen Finanzmarktlage wollte auch keine Bank frisches Geld verleihen oder die bestehende Kreditlinie verlängern.


Drittes Problem für Porsche:
Die in Anspruch genommenen Kredite der Banken werden fällig. Da aber Porsche VW noch nicht übernommen hat, muss sie die Kredite selbst bezahlen. Porsche hat aber kein eigenes Geld (mehr) und bekommt bisher auch kein frisches.


Die Schlinge zieht sich enger zusammen - Porsche braucht Geld. Das Unternehmen hat nun Verbindlichkeiten, welche sie nicht bedienen kann. Da aufgrund der Finanzkrise die Banken kaum noch neue Kredite vergeben, ist Porsche in allergrößter Not. Sollte kein Kapitalgeber gefunden werden, droht die Insolvenz. Derzeit wird mit einem Staatsfonds aus Katar verhandelt.


Warum bringt sich solch ein renommiertes Unternehmen in diese missliche Lage, werden Sie jetzt vielleicht fragen. Ganz einfach. VW hat viel Geld. Man wollte mit Krediten die Kontrolle bei VW übernehmen und dann die Übernahme des viel größeren Konkurrenten mit deren Geld (VW Kasse) bezahlen. Das war der Plan.


Jetzt könnte noch die Frage offen sein, warum so spekulativ? Warum wagt sich Porsche auf so dünnes Eis? Auch diese Frage kann beantwortet werden. Porsche erwirtschaftet seit Jahren hervorragende Ergebnisse. Aber nicht durch die Verkäufe ihrer Sportwagen, sondern durch Spekulationsgeschäfte. Seit mehreren Jahren ist bei Porsche der Gewinn höher als der Umsatz. Deshalb spricht man bei Porsche auch von einer Bank mit angeschlossener Autoproduktion. Für Porsche ist die Zockerei nichts Neues.


Jeder Anleger kennt das, wenn man spekuliert, dann gewinnt man und manchmal verliert man. Gewinnt man aber sehr oft, dann wird man euphorisch und erhöht das Risiko. Das kann gelegentlich auch ins Auge gehen. Porsche hat mit fremdem Kapital gezockt und verloren.


Anmerkung: Es ist wichtig, dass solche Geschäfte nicht funktionieren. Es darf nicht sein, dass ein Unternehmen sich Geld leiht und dann ein anderes (womöglich gesundes) Unternehmen zwangsübernimmt, um dann mit deren Kasse und Einnahmen die Übernahme bezahlt. Es muss wieder zum gesunden Verständnis zurückgekehrt werden, dass man sich nur das leisten kann, was man aus eigenen Mitteln auch bezahlen kann. Das gilt sowohl für Privathaushalte, als auch für Unternehmen.


Mit freundlichen Grüßen

Ihr
start-trading Team

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